Donnerstag , 22. November 2018
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Auch der Kreidebergsee mit seinem malerischen Blick auf die Innenstadt soll in das neue „grüne“ Sanierungsgebiet aufgenommen werden. (Foto: A/be)

Das 5-Millionen-Euro-Paket

Lüneburg. Sparen, sparen sparen, das betonen Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Stadtkämmerin Gabriele Lukoschek immer wieder, besonders bei den aktuell laufenden Haushaltsberatungen. Denn noch immer drücken die Stadt Schulden von knapp 90 Millionen Euro, Liquiditätskredite, die nur mühsam abgebaut werden. Doch wie ernst der Appell wirklich gemeint ist, zeigt sich immer dann, wenn neue Fördermittel locken. So auch im jüngsten Umweltausschuss. Hier machte die Stadt sogar richtig Dampf, gilt es doch, ein Fünf-Millionen-Euro-Paket für das Projekt „Grünband Innenstadt“ an Land zu holen. Dass sie selbst dabei rund 1,7 Millionen Euro zahlen muss, interessierte die Ausschussmitglieder nicht, sie lobten das Vorhaben nahezu ausnahmslos.

Stadt muss 1,7 Millionen Euro aus eigener Tasche zahlen

„Großartig“, befand Dr. Monika von Haaren (Grüne) das Projekt, das Stadtbaurätin Heike Gundermann und ihre Mitarbeiterin Sandra Burghardt den Ausschussmitgliedern präsentierte. Auch Stefan Minks (SPD) war voll des Lobes, „toll, dass es in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurde“. Das Grünband sei eine „sinnvolle Sache, weil es auch Erholungsräume für Menschen aus der Innenstadt bietet“. Selbst Ralf Gros (Grüne), sonst eher zurückhaltend beim Verteilen von Komplimenten an die Verwaltung, schwelgte: „Super, hier wurde viel angeschoben!“ Und auch Rainer Petroll (Linke) mochte sich dem Lobesreigen nicht verschließen: „Ich finde es auch toll!“

„Grünband Innenstadt“ heißt das Projekt, das bei Politik und Verwaltung gleichermaßen auf überschwängliche Zustimmung stößt. Wie berichtet, geht es dabei um die Festlegung eines Sanierungsgebietes, bestehend aus einem zusammenhängenden grünen Band, das sich vom Kalkberg über den Graalwall, den ­Scunthorpe-Park, Liebesgrund, Kreidebergsee und Reichenbachplatz bis zur Basteihalbinsel erstrecken soll. Ziel ist es, die bereits bestehenden Grünflächen aufzuwerten, etwa durch neue Wegeverbindungen, Eingangsbereiche, Aussichtspunkte, ein einheitliches Beschilderungskonzept, den Erhalt historischer Anlagen sowie die Verknüpfung von Grünräumen. Voraussichtliche Kosten: knapp 5,1 Millionen Euro, die auf eine Laufzeit von zehn Jahren verteilt werden. Zwei Drittel der Kosten übernehmen Bund und Land, ein Drittel, also rund 1,7 Millionen Euro, müsste die Stadt als Eigenanteil aufbringen.

Auch die Natur soll berücksichtigt werden

Bis 2026 soll das Vorhaben abgeschlossen sein. Damit dies auch klappt, machte Heike Gundermann auch entsprechenden Druck: „Wir müssen das Vorhaben jetzt beschließen, um noch an die Fördermittel zu kommen.“ Fragen, ob die Stadt dieses Projekt auch stemmen kann, wurden im Ausschuss, bei dem es auch um den Haushalt ging, nicht gestellt.

Kritik gab es dennoch: Thomas Mitschke vom Nabu Lüneburg beklagte eine zu einseitige Ausrichtung: „Ich sehe die Gefahr, dass hier zu sehr die Bedürfnisse der Menschen im Vordergrund stehen. Wir müssen nicht nur ein grünes Band erhalten, wir müssen es auch erschaffen. Die Natur muss mit rein.“

Unterstützung fand Mitschke damit auch bei Monika von Haaren: „Mir fehlt die Erhaltung neuwertiger Biotopstrukturen.“ Stadtbaurätin Gundermann versicherte, diesen Punkt mit aufzunehmen, allein schon deshalb, „weil wir sonst keine Fördermittel bekommen“.

Von Ulf Stüwe