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Antonia Wendt aus Breetze macht seit August eine Ausbildung zur Köchin in der „Bullerei“ von Tim Mälzer. Der Umgang sei kumpelhaft und locker, das färbe ab. (Foto: nh)

Kochen mit Oma und Tim

Hamburg/Breetze. Während der Großteil der Bevölkerung am Sonntagabend mies gelaunt ins Bett geht, weil die nächste Arbeitswoche droht, sind Antonia Wendt derartige Gefühle völlig fremd. Seit August dieses Jahres macht die 19-Jährige eine Ausbildung zur Köchin in der Hamburger „Bullerei“, die keinem geringerem als Deutschlands bekanntestem Fernsehkoch Tim Mälzer gehört. Ob Schicht oder Freizeit – Antonia genießt beides gleichermaßen.

Schon im Kindergarten war Antonia klar, wohin der berufliche Weg sie führen würde: „Ich habe mit meinen beiden Omas viel in der Küche gestanden, anfangs war es mehr das Backen, was ich spannend fand, später dann immer mehr das Kochen, was mich interessierte.“ Bis zum Abitur sollte sich daran nichts ändern.

„Mein Ziel war es damals, ein eigenes Café zu eröffnen“, erzählt sie und ebnete sich deshalb schon früh den Weg: Während der Schule absolvierte sie ein Praktikum in der Küche der Bleckeder Hundeschule, die die Zöllner verpflegt, warf drei Wochen lang einem speziell gesundheitsbewusst und fettarm kochenden Gastronomen am Bodensee einen Blick über die Schulter und kellnerte nebenbei im Bleckeder Park & Bite – ein Glücksgriff, wie sich später herausstellte.

Sofort willkommen gefühlt

„Die Küchenchefin stellte schnell fest, dass ich mich auch zwischen Töpfen und Pfannen wohlfühle“, berichtet Antonia, „und hat mich weiter motiviert.“ In der schulfreien Phase vor dem Abitur stand sie deshalb morgens im Lokal und bereitete alleinverantwortlich neben dem Frühstück auch die ersten Speisen für das Mittagessen vor. Doch noch ein weiterer Impuls kam von der Elbe: „Letztlich war es neben meinen Eltern der Besitzer des Hauses, der mir den Tipp gab, mich bei Tim zu bewerben.“

Das hatte schnell Erfolg: Kaum hatte Antonia ihre Unterlagen nach Hamburg geschickt, wurde sie auch schon zum Gespräch geladen – und zum Arbeiten auf Probe. „Ich bin in die Küche gekommen und fühlte mich sofort willkommen“, erinnert die 19-Jährige sich. „Die Kollegen sind alle locker, es herrscht ein total kumpelhafter Umgang und das färbt ab.“ Wohl auch vom Chef: „Tim Mälzer habe ich schon bei meinem ersten Besuch kennengelernt, er klopfte mir auf die Schulter und stellte sich vor.“

„Ich freue mich auf ein paar freie Tage genauso wie auf den Beginn der Schicht.“
Antonia Wendt

In ihrem Arbeitsalltag trifft sie den Fernsehkoch zwar selten, ist dieser doch mehr mit seinen vielfältigen medialen Auftritten als mit der Oberaufsicht seiner zahlreichen Lokalitäten beschäftigt. Seit 14 Jahren steht er vor der Kamera, dreht derzeit für „Kitchen impossible“ in Küchen auf der ganzen Welt. Dennoch nimmt er sich auch Zeit für seine Leute: „Im September hatten wir vier neuen Auszubildenden unser erstes offizielles Treffen mit ihm“, berichtet Antonia, „und kürzlich hat er alle zwölf Lehrlinge in Hamburgs neues Drei-Sterne-Restaurant `The Table` eingeladen.“ Dort sollte der Nachwuchs erfahren, was Kochen auf höchstem Niveau bedeutet und wohin die Reise gehen kann. „Denn die `Bullerei` bietet zwar hochwertige Gerichte, ist aber im Großen und Ganzen sehr bodenständig“, so Antonia.

Schichten von 14 Uhr bis Mitternacht

Das spiegelt die Speisekarte wider: Es gibt Fleisch und Fisch, Nudeln und Salat – aber alles ohne viel Trara. Besonders beliebt ist auch das Tatar – und da hat Antonia derzeit ihre Finger im Spiel. „Seit Beginn meiner Ausbildung bin ich im so genannten Garde Manger tätig, kümmere mich um die kalte Küche und die Vorspeisen“, erzählt sie, mit dabei auch die Vorbereitungen für das edle Hackfleisch vom Simmentaler Rind: „Ich schneide die Kapern und Cornichons, aber auch den Schnittlauch klein. Die Arbeit ist sehr penibel, ich finde das aber wahnsinnig entspannend.“

Um 14 Uhr beginnt die Schicht, endet selten vor Mitternacht. Meist setzen sich die Arbeitskameraden dann noch zusammen oder gehen feiern auf dem Kiez. „Und wenn ich dann morgens nach Hause komme, treffe ich manchmal meine Mitbewohnerin beim Frühstück“, sagt Antonia lachend. „Sie macht eine Ausbildung bei Airbus und muss zeitig raus.“

Gemeinsame Stunden haben die beiden Freundinnen kaum, dafür verbringt Antonia aber viel Zeit mit den Kollegen. Ob Food- oder Getränkerunner, wie die Service-Kräfte im Fachjargon heißen, Auszubildende oder Koch – das Team versteht sich so gut, dass Antonia die familienfeindlichen Arbeitszeiten überhaupt nicht stören. „Da freue mich auf ein paar Freie Tage genauso wie auf den Beginn der Schicht.“

Antonia liebt Apfelstrudel

Wiener Apfelstrudel
Für den Teig (alternativ Blätterteig aus dem Kühlregal):

  • 200 g Weizenmehl
  • 1 Prise Salz
  • 75 ml lauwarmes Wasser
  • 50 g zerlassene Butter

Mehl sieben, alle weiteren Zutaten nach und nach hinzugeben und zu einem glatten Teig verkneten (sollte er kleben, kaltstellen). Teig auf Backpapier in einen heißen Kochtopf geben, 30 min. mit Deckel ruhen lassen.

Füllung:

  • 1 bis 1,5 Kilogramm Äpfel
  • etwas Rum
  • Zitronenabrieb
  • Zimt oder Kardamom nach Bedarf
  • 50 g Rosinen (nach Bedarf)
  • 75 g Butter
  • 50 g Semmelbrösel (alternativ Kuchenbrösel)
  • 100 g Zucker
  • 1 Paket Vanillezucker
  • 50 g abgezogene gehackte Mandeln

Äpfel schälen, entkernen, hacken. Rum, Zitronenabrieb und Rosinen hinzugeben.
Zubereitung: Butter zerlassen. Teig auf einem Küchentuch dünn ausrollen, mit Fett bestreichen, ziehen, sodass man durchsehen kann. Semmelbrösel auf den Teig geben. Äpfel, Zucker und Mandeln darauf verteilen. Teig mit der längeren Seite aufrollen, nochmals mit Fett bestreichen. Im heißen Ofen bei Ober-/Unterhitze bei 170-200 Grad zwischen 45 und 55 Minuten backen.

Von Ute Lühr