Aktuell
Home | Lokales | Dahlenburg | Abrissparty am Schützenhaus
Christina Haut und Christoph Maltzan schließen ein letztes Mal die Tür zum Schützenhaus auf. Das Gebäude wird im Januar abgerissen. Vorher aber findet noch eine Abschiedsparty statt. (Foto: kre)
Christina Haut und Christoph Maltzan schließen ein letztes Mal die Tür zum Schützenhaus auf. Das Gebäude wird im Januar abgerissen. Vorher aber findet noch eine Abschiedsparty statt. (Foto: kre)

Abrissparty am Schützenhaus

Dahlenburg. Von außen macht das Schützenhaus in Dahlenburg noch immer einen guten Eindruck. Obwohl es bereits seit einigen Jahren leer steht und die Zukunft der einstmals guten Stube längst besiegelt ist. Denn ab Mitte Januar werden die Bagger anrollen, das Gebäude abreißen und damit zwangsläufig auch ein Stück Dahlenburger Geschichte unwiederbringlich aus dem Ortsbild tilgen. Alles das sind Gründe, warum Dahlenburgs Bürgermeisterin Christine Haut (CDU) und Gemeindedirektor Christoph Maltzan die Dahlenburger vorher noch einmal zu einer „Abrissparty“ am Donnerstag, 28. Dezember, von 15 bis 19.30 Uhr einladen wollen. „Es wird auch Getränke und Würstchen geben“, verspricht Maltzan.

Bürger können gegen einen Obolus Andenken erwerben

Vor allem aber sollen die Bürger die Möglichkeit haben, „gegen einen kleinen Obolus“ das eine oder andere Andenken aus dem Schützenhaus zu erwerben. Teile des Stäbchenparketts etwa, aber auch Gläser, Tassen und selbst Stühle warten auf neue Besitzer. „Wer möchte, kann auch Teile der Sanitäreinrichtung kaufen, ein Waschbecken beispielsweise“, ergänzt Bürgermeisterin Haut. Das meiste von dem, was früher für den Betrieb des Schützenhauses notwendig war, befindet sich noch im Gebäude. Selbst der Tresen ist noch vorhanden. „Die Verkaufserlöse werden wir als Spende für den Neubau des Kultur- und Bürgerhauses verbuchen, das nach dem Abriss des Schützenhauses an gleicher Stelle neu errichtet wird“, erklärt Maltzan.

Doch trotz des Neubaus – mit dem bevorstehenden Abriss der Schützenhalle haben sich längst noch nicht alle Dahlenburger abgefunden: „Auch ich hätte das Gebäude gerne erhalten“, sagt Bürgermeisterin Haut. Doch dazu hätte man in der Vergangenheit mehr für die Sanierung und Renovierung des Gebäudes tun müssen. „Wir hatten seinerzeit auch schon Mittel im Haushalt eingeplant, doch dann hatte der Landkreis als Aufsichtsbehörde sein Veto eingelegt“, erinnert Maltzan.

Ein Reizthema in der Region

Das Ende des Schützenhauses hatte sich bereits 2011 abgezeichnet. Da war die mit 975 Sitzplätzen größte Veranstaltungshalle im Landkreis bereits das erste Mal für kurze Zeit geschlossen worden. „Weil kein Hausmeister und keine Reinigungskräfte zur Verfügung stehen, diverse Mängel am Gebäude bestehen, etwa ein Drittel der Stühle mit Stockflecken behaftet ist“, begründete der damalige Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor des Fleckens Dahlenburg, Joachim Dassinger, die Entscheidung. Unter dessen Ägide war die Trägerschaft des Schützenhauses von der Samtgemeinde auf den Flecken übertragen worden.

Schon Jahre zuvor aber war das Schützenhaus ein Reizthema in der Region: Im Frühjahr 2009 hatte die beauftragte Architektin im Samtgemeinderat ein Sanierungs- und Nutzungskonzept vorgestellt, dabei viele Mängel des Gebäudes aufgezählt: so gut wie keine Wärmedämmung, hohe Luftfeuchtigkeit im Gebäude, veraltete Technik, keine Möglichkeit, den Saal „akustisch“ zu teilen. Mit einem Aufwand von 1,1 Millionen Euro, so die Architektin damals, sei das Schützenshaus für eine Mehrfachnutzung umzubauen, ein Vorschlag, der aber mangels Geld im Sande verlief.
Dafür verschlechterte sich im Laufe der Jahre der bauliche Zustand zusehends. Durch eine undichte Rohrleitung lief Wasser ins Gebäudeinnere. Die Feuchtigkeit ließ den Fußboden aufquellen. Als der Flecken das Dach des Schützenhauses sanieren lassen wollte, wurden Probleme mit der Statik, dem Brandschutz und elektrischen Leitungen offenbar. Und dann kam auch noch das Problem mit der Schimmelpilz-Belastung dazu.

Neubau soll rund zwei Millionen Euro kosten

Doch das ist in wenigen Wochen mit dem Abriss des Schützenhauses Geschichte: Dafür hatte bereits 2015 der Fleckenrat den Bau des Kultur- und Bürgerhauses beschlossen – ein Gebäude, in dessem Saal bis zu 270 Menschen Platz finden sollen. Dazu kommen ein Foyer, eine Cateringküche, eine Kühlzelle, sanitäre Anlagen und Garderoben für Besucher und Künstler. Die Baukosten beziffert Maltzan auf rund zwei Millionen Euro.

Doch eine Hoffnung müssen Haut und Maltzan jetzt schon begraben – nämlich die rechtzeitige Fertigstellung der neuen Immobilie bis zum 28. Dezember 2018. Dann nämlich feiert der Dahlenburger Sportklub sein 100-jähriges Bestehen. „Toll wäre es, wenn dieses Fest im neuen Kultur- und Bürgerhaus gefeiert werden könnte“, sagen die beiden. Aber das sei zeitlich wohl nicht mehr zu schaffen.

Die größte Veranstaltungshalle im Landkreis

Im Jahr 1901 wurde das Dahlenburger Schützenhaus Im Dorn gebaut, einige Jahre später durch einen Anbau vergrößert. Genutzt wurde das Gebäude zunächst nur in der warmen Jahreszeit – es konnte nicht geheizt werden und stand somit im Winter regelmäßig leer. Sportverein und Schule nutzten es als Turnhalle. Marinelager und Notunterkunft waren Verwendungszwecke in späteren Jahren und Jahrzehnten.

1979 wurde das Schützenhaus gründlich saniert, renoviert, erweitert und zu einer Mehrzweckhalle umgewandelt. Die Kosten von insgesamt 880 000 Mark teilten sich damals Samtgemeinde und der Flecken Dahlenburg sowie der Landkreis Lüneburg (300 000 Mark aus „Sport- und Wirtschaftsförderungsmitteln“) und der Bund (180 000 Mark aus dem „kulturellen Zonenrandprogramm“).

Eingeweiht wurde das neugestaltete Schützenhaus pünktlich zum Schützenfest 1980. In der LZ hieß es damals: „Größter und wichtigster Bauabschnitt war die Installation der neuen Heißluftheizung…. Zusätzlich wurde das Gebäude rundherum neu isoliert.“ lz

Von Klaus Reschke