Donnerstag , 20. September 2018
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Der Blick durch die langen Flure des Klosters Medingen. (Foto: phs)

Im Glanz der Geschichte

Bad Bevensen/Medingen. Wahre Schönheit kommt von innen. Sie klingt aus dem Knacken alter Dielen, versteckt sich in massiven Eichenschränken oder ruht hinter einer dicken Panzertür in gläsernen Vitrinen – als ein Stück Geschichte im Kloster Medingen. Nicht, dass das Gotteshaus von 1788 auf den modernen Hochglanzflyern keine gute Figur machte, nur: Seine echten Juwelen muss man suchen. Und wo man die findet, weiß Marie-Luise Labusch. Sie und die anderen neun Konventualinnen führen regelmäßig Gäste hinter die dicksten Mauern Medingens – das nächste Mal zwischen Weihnachten und Silvester. Die LZ durfte schon vorab in die Klostergeschichte eintauchen und dabei zeitweise wortwörtlich im Dunkeln tappen.

Wo, um Gottes Willen, ist der Lichtschalter? Marie-Luise Labusch knipst die Taschenlampe an. Unter ihrem schwachen Strahl glänzen die edlen Verzierungen des Altars unter der gewölbten Decke, flankiert von kleinteiligen Glasfenstern und goldenen Kerzenhaltern. Die werden hier gebraucht, wenn der dunkle Schleier der Nacht dem Saal das Tageslicht nimmt. So ist das in den „besonderen Räumen“ des Klosters, wie Labusch den Damenchor und sein weltliches Pendant im Erdgeschoss nennt. Das ist der Festsaal, wo es bis heute keine Deckenlampen gibt, aber handgeschnitzte Kronleuchter von 1788. Auf den langen Fluren draußen: Feuerlöscher. Die hatte es Ende des 18. Jahrhunderts, als die Anlage jener Zeit in Flammen geriet, noch nicht gegeben. Gerettet werden konnte nur das Brauhaus (Ja, auch Nonnen tranken Bier), wenige Gegenstände und die Erinnerungen, die heute an den Klosterwänden in Bilderrahmen weiterleben.

Gaszentralheizung, Bewegungsmelder und WLAN-Verstärker

Allerdings: „In einigen Bereichen möchte man den Komfort der Neuzeit haben“, erklärt Labusch, als sie das holzvertäfelte Prunkstück verlässt und über den kalten, grauen Steinboden gen Schatzkammer marschiert. Die Ofenklappen links und rechts der Flure werden längst nicht mehr mit Holz gefüttert. Gaszentralheizung, Bewegungsmelder und WLAN-Verstärker sind Zeugnisse der Realität vor den Klostermauern. Es geht in einen dunklen Seitengang: rechts bestickte Fahnen der Schützengilde, links Marie-Luise Labusch, die mit einem Schlüssel die Silberkammer öffnet. „Dahinter liegen die kostbarsten Teile des Hauses“, verrät sie. Der mit Edelsteinen besetze Äbtissinenstab und die goldene Figur des Heiligen Mauritius funkeln im kühlen Licht der Vitrinen um die Wette. „Durch Prunkvolles hat man auch etwas demonstriert“, weiß Labusch, „nicht zuletzt Macht.“

Neben den Klosterheiligtümern reihen sich in gläsernen Kästen imposante Königsketten, Pokale, Orden und Bestecke der Gilde, denn die Bevenser Bürgerwehr war jahrhundertelang Schutzmacht des Klosters. Es entspricht also einer Art historischer Symbiose, dass die Konventualinnen heute die Schätze der Gilde hüten.

Nachlass früherer Bewohnerinnen

Das war der Westflügel. Die Treppe hinauf, durch einen breiten Flur mit zwölf Türen, der runden Architektur folgend markiert Labusch den Übergang zum Ostflügel im stockfinsteren Glockenturm. Direkt über dem gegossenen Sechsstern im Boden befindet sich die elektronische Glocke. Sie verrichtet heute ihren Dienst um 8 und 18 Uhr. Verstirbt ein Mitglied des Konvents, ertönt auch die kleine Schwester des Klangkörpers, allerdings mit Muskelkraft betrieben und das auch nur äußerst selten. Viele der alten Spiegel und Schränke, teilweise so groß, dass sie nie durch eine Tür passen würden, stammen aus dem Nachlass früherer Bewohnerinnen.

Klack! Wieder ein Bewegungsmelder, endlich Licht! Marie-Luise Labusch nähert sich dem Herzstück des Hauses: der Kirche. Anfang des 16. Jahrhunderts beherbergte das Kloster über 100 Nonnen – damals, als es noch katholisch war. „Heute gibt es überall reichlich freie Plätze – auch in Medingen“, sagt Labusch, studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und heute vor allem mit den Führungen und der Pressearbeit betraut. „Aber wie es aussieht, werden wir Anfang 2018 eine neue Konventualin aufnehmen können“, verrät sie und lächelt. Gute Nachrichten an einem schönen Ort zum Leben.

Ein Blick hinter die Mauern

Zwischen Weihnachten und Silvester bietet das Kloster Medingen an fünf Tagen Führung an:

▶ Dienstag, 26. Dezember: 14 Uhr

▶ Mittwoch, 27. Dezember: 14 Uhr

▶ Donnerstag, 28. Dezember: 14 Uhr

▶ Freitag, 29. Dezember: 14 Uhr

▶ Sonnabend, 30. Dezember: 14 Uhr

Von Anna Petersen