Dienstag , 25. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Mehr als 12 000 Pakete pro Tag
Zusteller Hans-Jürgen Ahlfeld aus Lüneburg belädt sein Fahrzeug. In den Tagen vor Weihnachten haben er und seine Kollegen besonders viel zu tun. (Foto: be)

Mehr als 12 000 Pakete pro Tag

Lüneburg. Morgen, Kinder, wird’s was geben. Oder übermorgen. Oder überübermorgen. Die Paketzusteller in Lüneburg haben in diesen Tagen alle Hä nde voll zu tun, die Sendungen zu Weihnachten pünktlich vor die Haustür zu liefern. Der Boom des Onlinehandels stellt Anbieter wie DHL, DPD und Hermes zunehmend vor Probleme. Dafür, dass ein Paket mit DHL, wie üblich, ein bis zwei Tage unterwegs sei, könne man in der Adventszeit nicht garantieren, erklärt Sprecher Jens-Uwe Hogardt. „Das wird nicht in jedem Fall gelingen.“ Zum Vergleich: Regulär werden von dem Marktführer im Schnitt 4,2 Millionen Päckchen und Pakete täglich befördert. „Aber wir hatten jetzt an Spitzentagen schon mehr als 8 Millionen Sendungen im System“, weiß Hogardt. Allein in Lüneburg habe man darum 15 zusätzliche Mitarbeiter anlernen und mit Wagen ausstatten müssen. Dabei werde es zunehmend schwieriger, Personal zu gewinnen – gerade vor Weihnachten.

Deutlich mehr zu tun als in den vergangenen Jahren

Kein Wunder, denn die Konkurrenz schläft nicht: Auch für das DPD-Paketzentrum in Lüneburg sind in der Weihnachtszeit bis zu 30 Prozent mehr Mitarbeiter im Einsatz. Von dort aus werden jetzt täglich mehr als 12.000 Pakete zugestellt. An Spitzentagen liegen die Paketmengen auch hier im Advent bis zu 50 Prozent höher als im Jahresschnitt. Also alles wie jedes Jahr? Fehlanzeige. „Im Vergleich zur Weihnachtssaison des Vorjahres verzeichnen wir einen Zuwachs um rund 15 Prozent“, teilt DPD-Sprecher Peter Rey mit. Bei Hermes liegt das Plus in Lüneburg bei 16 Prozent und damit sogar leicht über dem Bundesschnitt.

Der Bezirksgeschäftsführer der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Matthias Hoffmann, beobachtet diese Entwicklungen mit Sorge. „Ich glaube, dass die Kosten für die Paketzustellung immer noch zu günstig sind“, sagt er. Die Paketdienste müssten ihre Angestellten schließlich angemessen bezahlen können. Das sei aber nicht immer der Fall. „Dabei ist das ein Knochenjob – anstrengend, belastend, und die Verkehrssituation in Lüneburg ist natürlich auch nicht so einfach.“ Oft müsse in zweiter Reihe geparkt werden, weil es keine vernünftige Haltemöglichkeit für die Paketwagen gebe. Immer wieder kommt es zu Staus und wildem Gehupe.

„Sie krempeln gerne die Ärmel hoch? Wir haben jede Menge Aufgaben für Anpacker“, begrüßt die Deutsche Post DHL Group Jobsuchende auf ihrer Internetseite. Gesucht wird ein Brief- und Paketzusteller für Lüneburg und Umland. Arbeitszeit: 38,5 Wochenstunden. Stundenlohn: 12,22 Euro. Laut Hoffmann sind Deutsche Post AG und die DHL-Delivery GmbH tarifgebunden – Subunternehmer hingegen nicht. Hier seien „extrem ausbeuterische Verhältnisse“ bekannt.

Bezahlung bei den Subunternehmern variiert

DPD kann den durchschnittlichen Stundenlohn eines Paketzustellers nicht konkret beziffern. Der Grund: Das Unternehmen arbeitet in der Zustellung ausschließlich mit selbstständigen Transportunternehmen, den „DPD-Systempartnern“, zusammen. So nennt der Paketdienst seine Subunternehmer. „Die Vergütung durch DPD versetzt die Systempartner in die Lage, ihren Zustellern einen fairen Lohn zu zahlen“, erklärt Pressesprecher Peter Rey. In den meisten Regionen liege dieser „deutlich über dem Mindestlohn“ – zumal geeignete Zusteller ansonsten gar nicht mehr zu finden seien. Auch Hermes arbeitet überwiegend mit „eigenständigen Partnern“ zusammen. Die Bezahlung variiere daher, verdeutlicht Hermes-Sprecher Ingo Bertram. „Es muss aber auf jeden Fall Mindestlohn sein.“ Dennoch klagen Paketboten vieler Anbieter immer wieder über schlechte Löhne und etliche Überstunden. Letztere gibt es – wenn auch nicht täglich – bei DHL ebenfalls, räumt Jens-Uwe Hogardt ein.

Was aus Sicht von ver.di-Vertreter Matthias Hoffmann aber alle Paketboten betreffe, das sei der wachsende Arbeitsdruck – nicht nur zur Weihnachtszeit: „Die Wagen sind schon ziemlich voll.“

Von Anna Petersen