Aktuell
Home | Lokales | Kontrolliertes Feiern
Am Stint ist die Stimmung oft aufgeheizt. Es kommt weit nach Mitternacht häufig zu Prügeleien. Foto: t&w

Kontrolliertes Feiern

Lüneburg. Video-Überwachung und mehr Polizeipräsenz – damit könnten Stadt und Polizei das manchmal ausschweifende Nachtleben am Stint besser in den Griff bekomm en. Eben darum ging es jetzt bei einem Treffen, bei dem Ordnungsdezernent Markus Moßmann, Polizeidirektor Roland Brauer und Kneipiers zusammensaßen. Sollte das nicht fruchten, könnte als „ultima ratio“ auch eine Sperrzeit verhängt werden, bestätigt Moßmann, aber eigentlich wolle man das nicht. Brauer ergänzt: „Wir sind nicht der Feind der Wirte, es geht darum, die Attraktivität des Stints zu erhöhen.“

Die LZ hat mehrfach über Probleme berichtet, die sich auch am Weihnachts-Wochenende gezeigt haben: So ging ein Mann in einer Kneipe mit einem Barhocker auf andere los, bevor ihn Türsteher zu Boden brachten. Am Sonnabend stand eine Truppe Betrunkener morgens um zehn noch vor einem Lokal, aus dem Musik wummerte.

Anwohner reagieren genervt

Aktuelle Zahlen kann die Polizei nicht nennen, aber im Sommer hatte sie bilanziert: Kam es von Jahresanfang bis Ende Juli 2016 zu 15 Körperverletzungen, waren es in diesem Jahr im selben Zeitraum 21 einfache und elf gefährliche Körperverletzungen, dazu kommen zwei Raubdelikte.

Anwohner reagieren genervt, denn die Partymeile strahlt weiter aus. Zwei Imbisse verkaufen bis in den frühen Morgen Döner. Die Hinterlassenschaft landen in Hauseingängen und auf Bürgersteigen, mancher steht so unter Druck, dass Hauswände und Türen als Toilettenersatz herhalten müssen. Die Nachtwirte erklären stets, dass sie dafür nichts können. Auch nicht für sturzbetrunkene und aggressive Männer. Ein Kiosk im Viertel verkaufe Schnaps, ein Kneipier sagt: „Wir lassen diese Leute schon nicht mehr rein. Die wollen bei uns feiern, aber nichts konsumieren.“ Ihn ärgert, dass die Stadt den Kiosk- und die Imbiss-Betreiber nicht eingeladen habe.

Sanktionsmöglichkeiten für die Stadt sind begrenzt

Moßmann erklärt, das Trio falle unter eine andere Rechtslage. Für sie gelte nicht das niedersächsische Gaststättengesetz, das der Verwaltung im Zweifel eine Handhabe gegen Kneipiers gebe. Die anderen Geschäfte fielen unter das Ladenöffnungsgesetz. Das sei bekanntlich gelockert worden. Man könne nur begrenzt Sanktionen verhängen. Für den Kiosk seien beispielsweise Alkohol-Testkäufe denkbar: An Jugendliche darf kein Schnaps verkauft werden. Der Dezernent setzt auf Gespräche. Er möchte die Wirte zu einer engeren Zusammenarbeit bewegen, damit sie „mehr Verantwortung für Sauberkeit und Ordnung im Viertel übernehmen. Wir appellieren, auch vor den Türen Verantwortung zu übernehmen.“

Wer die Szene kennt, weiß, dass sich nicht alle Kneipiers grün sind. Manche setzen auf Sicherheitspersonal und achten darauf, dass keine Betrunkenen in ihre Läden kommen. In einem anderen Lokal bewacht niemand den Eingang, Türen stehen in der tiefen Nacht weit offen, es wird gegrölt und noch am helllichten Tag auf der Straße gesoffen. Manche Gäste können kaum noch stehen.

Die Lage ist schon jetzt wirtschaftlich schwierig

Auf der Wache wissen die Polizisten, wo sie Ärger erwartet. Denn der Stint ist quasi zweigeteilt, bei der Tagesgastronomie gibt es so gut wie keine Vorkommnisse. Brauer und seine Kollegen haben reagiert: „Schicken wir nur einen Streifenwagen, werden die Beamten angegangen. Uns wurde sogar schon einmal ein Kennzeichen geklaut.“ Vorstellbar sei aus seiner Sicht eine Kameraüberwachung, die helfe Straftaten aufzuklären. Personenkontrollen seien einfacher zu erledigen. Wer immer wieder auffällt, wie ein Brüderpaar, könnte mit einem Langzeitbetretungsverbot belegt werden. „Das haben wir an anderen Stellen der Stadt mit Erfolg gemacht.“ Zudem werde es in der warmen Jahreszeit in Zusammenarbeit mit der Bereitschaftspolizei verstärkte Streifengänge geben. Dazu könnten zum Beispiel Verbote für Flaschen verhängt werden. Schnaps mitbringen ist dann nicht mehr – abdrehen oder auskippen.

Einer der Nacht-Wirte sagt: „Ich finde das gut. Die Lage ist schon jetzt wirtschaftlich schwierig. Wenn die Stadt uns mit Sperrzeiten kommt, können wir zumachen. Die Gäste kommen um ein, zwei Uhr. Wenn wir um drei schließen sollen, rechnet sich das nicht mehr.“ Das könne doch niemand wollen, Lüneburg brauche ein Nachtleben. Notfalls mit Kontrollen.

Von Carlo Eggeling