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Rund zwei Millionen Euro steckt die Samtgemeinde Gellersen im kommenden Jahr in die weitere Sanierung der Grundschule Kirchgellersen und den Bau einer Mensa. Foto: dth

„Wir realisieren ein Top-Angebot“

Reppenstedt. Ein knalliges Gelb hatte Kämmerer Dietmar Meyer gewählt, um die Schuldenentwicklung der Samtgemeinde Gellersen anhand einer Grafik zu illustrieren. Und so leuchteten den Ratsmitgliedern bei der jüngsten Sitzung nicht nur rote Schokoweihnachtsmänner als Tischdeko entgegen, sondern auch ein gelber Berg, der den steilen Anstieg der Schulden seit 2010 darstellen sollte: Von rund vier Millionen Euro auf aktuell 8,7 Millionen Euro und einer weiteren Steigerung auf 12,7 Millionen Euro Ende 2018. Da für 2019 keine weiteren Kredite vorgesehen seien, gehe es dann wieder etwas bergab, betonte Meyer. Gelb als Warnfarbe oder alles eitel Sonnenschein – das bewerteten die Ratsmitglieder unterschiedlich. Zwar wurde der Doppelhaushalt 2018/2019 mit großer Mehrheit verabschiedet, doch es gab auch Kritik.

Insgesamt 18 Millionen Euro hat Gellersen seit 2010 investiert, vorwiegend in Schulen (5,2 Millionen Euro), aber auch in Flüchtlingsunterkünfte (3,4 Millionen Euro) und Krippen (2 Millionen Euro). Die Finanzierung habe man dank der guten Konjunktur zur Hälfte aus Eigenmitteln gestemmt, zu je einem Viertel über Fördermittel und Kredite, so Meyer. Für 2018 ist eine Kreditaufnahme von vier Millionen Euro geplant. Die Samtgemeindeumlage wird schrittweise um 0,5 Prozentpunkte gesenkt.

Drei Ratsmitglieder lehnen den Haushaltsplan ab

Als „Haushalt der Notwendigkeit, der Vernunft und der Zukunft“ bezeichnete Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers (parteilos) den Etat, auf den er aber auch „keine Jubelarie anstimmen“ wolle: „Vier Millionen neue Kredite tun weh. Aber wir investieren ausschließlich in Sinnvolles und Erforderliches wie Kitas und Sicherheit.“ Peter Bergen (CDU) schloss sich an: „Der Zuzug junger Familien ist uns wichtig. Dafür brauchen wir die Infrastruktur.“ Etwa den „Kindercampus“ Westergellersen, die Krippe und den Mensabau in Kirchgellersen. Bergen: „Wir erwirtschaften damit die höchste Rendite – nämlich frühkindliche Bildung.“ Dr. Hinrich Bonin (SPD) setzte noch eins drauf: „Glücklich die Eltern, die ihre Kinder in unsere Einrichtungen schicken können! Wir realisieren hier ein Top-Angebot.“

„Wir geben viel Geld aus, aber größtenteils für die richtigen Dinge“

Abseits der schwarz-roten Mehrheitsgruppe fiel das Fazit gemischt aus: „Ich kann mich den Lobeshymnen nicht ganz anschließen, verzichte aber auf eine Trauerrede“, meinte Harald Subke (AfD). Projekte wie das Gellersen-Haus oder die Neugestaltung des Rathausumfelds seien zu üppig, energetische Sanierungen überflüssig. Johanna Klein (Grüne) fand: „Die Senkung der Samtgemeindeumlage als Geschenk für die Bürgermeisterrunde sollte zurückgenommen werden.“ Dennoch könne man dem Haushalt zustimmen: „Wir geben viel Geld aus, aber größtenteils für die richtigen Dinge.“ Jürgen Hesse (SOLI) stimmte zu: „Unsere Schulen sind nicht marode. Damit können wir uns sehen lassen.“ Aniko Hauch (FDP) dagegen fand die Investitionen in Kitas und Schulen richtig, sie hätten aber früher erfolgen müssen. „Ausufernde“ Personalkosten und nicht dringende Projekte wie das Rathausumfeld trieben die Schulden unnötig in die Höhe: „In diesem Rat gilt das Motto: Schulden machen um jeden Preis!“ Das sah Svend Schmidt (parteilos) ähnlich, forderte: „Wir brauchen einen Fahrplan, wie die Schulden wieder abgebaut werden sollen.“ Gegen den Etat stimmten Hauch, Subke und Schmidt, Daniel Weber (FDP) enthielt sich. uk

Etat in Zahlen

Geld für Schule und Kitas

Der Ergebnishaushalt der Samtgemeinde Gellersen schließt bei einem Gesamtvolumen von rund 13 Millionen Euro für 2018 mit einem Plus von 200.000 Euro. Auch im Finanzhaushalt ergibt sich bei Einzahlungen von 12,9 Millionen Euro ein Überschuss aus laufender Verwaltungstätigkeit von 800.000 Euro. Von den Investitionen in Höhe von 7,2 Millionen Euro entfallen zwei Millionen Euro auf Sanierung und Mensabau an der Grundschule Kirchgellersen, 1,84 Millionen Euro auf Kindergartenneubau und Umbau in Westergellersen, 300.000 Euro auf den Bau von drei Löschwasserbehältern, 774.000 Euro auf die Umgestaltung des Rathausgeländes, 400.000 Euro auf Erneuerung von Pumpwerk und Abwasserrohrleitung nach Lüneburg. uk