Dienstag , 18. September 2018
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Grabstätten in Lüneburg wie hier auf dem Michaelisfriedhof sind deutlich teurer als in anderen Kommunen der Region. Die Stadt Lüneburg plant dennoch eine weitere Erhöhung der Gebühren. Foto: be
Grabstätten in Lüneburg wie hier auf dem Michaelisfriedhof sind deutlich teurer als in anderen Kommunen der Region. Die Stadt Lüneburg plant dennoch eine weitere Erhöhung der Gebühren. Foto: be

Letzte Ruhestätte geht ins Geld

Lüneburg. Rainer Müller versuchte sich als Einflüsterer – und zog sich damit den Unmut seines Chefs zu. „Ich mag sowas nicht“, fuhr Oberbürgermeister Ulrich Mäd ge seinen Fachbereichsleiter Finanzen an, als der ihm in der laufenden Ratssitzung mehrfach während seines Redebeitrags deutlich machen wollte, dass da möglicherweise eine Entscheidung gefasst wird, die einer Überprüfung nicht standhält. „Meine Fachleute sagen, der Beschluss ist rechtswidrig“, fasste Mädge in der Diskussion über die Friedhofsgebühren schließlich zusammen, was Müller meinte. Beschlossen wurde der Kompromiss trotzdem: Die von der Verwaltung angestrebte Erhöhung der Gebühren bleibt zunächst außer Kraft, im April soll der Rat erneut darüber entscheiden, bis dahin gelten die gleichen Kosten wie bisher.

Adendorf und Ilmenau haben deutlich geringere Gebühren

Es hatte sich angekündigt, dass die Politik das Ansinnen der Verwaltung nicht mittragen würde. Der Wirtschaftsausschuss hatte das Plus von etwa 10 Prozent bereits mehrheitlich abgelehnt, und im Verwaltungsausschuss gab es einen Patt. Trotzdem ließ Mädge im Rat nichts unversucht, warb um Zustimmung für die Erhöhung, denn das Friedhofs- und Bestattungswesen ist für die Stadt ein Minusgeschäft, rund eine Million Euro habe sich inzwischen angehäuft. „Wir haben acht Friedhöfe, müssen dort 48 Hektar Grünfläche als Umfeld für 35 000 Gräber pflegen, dazu ein 42 Kilometer langes Wegenetz“, listete er auf. Das sei personal- und damit kostenintensiv. Mädge mahnte: „Wir können in diesem Bereich kein Personal mehr abbauen. Wenn wir die Erhöhung der Gebühren weiter aufschieben, werden Sie spätestens 2020 die Grundsteuer um 50 Punkte erhöhen müssen.“

Während die Verwaltung bei den Gebühren durchaus Beispiele finden konnte von Städten, die auf einem ähnlichen Niveau liegen wie Lüneburg nach der vorgeschlagenen Erhöhung, sind für Rainer Mencke (CDU) – als Steinmetz ist ihm das Themenfeld aus dem beruflichen Alltag vertraut – die regionalen Vergleichszahlen relevant. Er nannte Kosten aus Adendorf und der Samtgemeinde Ilmenau: „Ein Reihengrab in Adendorf kostet 540 Euro, in der Samtgemeinde Ilmenau 556 Euro, in Lüneburg jetzt 910 – nach der Erhöhung wären es 1000 Euro.“ Ein Rasenpartnergrab würde in Lüneburg 6500 Euro für 25 Jahre kosten, in Adendorf und der Samtgemeinde Ilmenau seien es nicht mal die Hälfte. „Vielleicht sollten wir vor der Erhöhung erstmal gucken, wie andere es schaffen, das mit halb so hohen Kosten hinzubekommen. Grabstätten müssen für Bürger auch bezahlbar sein.“ Menckes Vorschlag: „Die Trauerkultur verändert sich. Wir sollten lieber mehr zulassen und attraktives Friedhofsmarketing betreiben, das würde mehr Einnahmen bescheren.“

Michèl Pauly (Die Linke) zog ebenfalls einen Vergleich heran: „75 Prozent der Kosten auf unseren Friedhöfen werden über die Gebühren für die Gräber von den Bürgern finanziert. In Hannover sind es nur 40 Prozent.“ Für ihn wäre eine Erhöhung „höchst problematisch“, die von Mädge ins Spiel gebrachte Erhöhung der Grundsteuer als Folge zudem kein Automatismus. Pauly sähe andere Optionen, zum Beispiel den in derselben Sitzung beschlossenen höheren Zuschuss für die Lüneburg Marketing GmbH, den seine Fraktion ablehnte.

Auch Birte Schellmann (FDP) mochte eine Erhöhung nicht mittragen. „Die würde den Nachfragerückgang nur verstärken.“ Ergo gäbe das noch weniger Einnahmen. Stattdessen plädierte sie dafür, darüber nachzudenken, wie die Fläche an die „gesunkene Nachfrage“ angepasst werden könnte. „Möglicherweise könnte man einen Teilbereich zum Park oder zu einem Biotop machen.“

Teil des Friedhofs zum Park oder Biotop machen

Die SPD wollte dem Vorschlag der Stadt folgen. Eduard Kolle begründete: „Die Friedhöfe sind auch eines der Aushängeschilder unserer Stadt. Wir müssen doch entscheiden, wie wir angesichts des Defizits da weitermachen. Wir können nicht einfach einen Friedhof zumachen, die Gräber sind ja überall für viele Jahre gebucht.“

Nun verbleibt dem Rat also ein Vierteljahr, ehe er sich erneut mit dem Thema befassen muss. Vielleicht aber auch weniger, wenn der Vertagungs-Beschluss der rechtlichen Überprüfung tatsächlich nicht standhält.

Von Alexander Hempelmann

One comment

  1. selbst nach dem tod noch abzocken ist, bei kommunen immer noch sehr beliebt. der friedhofzwang ist schlichtweg für mich eine sauerei.und diese saurei passiert nur aus einem grund. geschäfte machen. die verwaltung braucht eine daseinsberechtigung. sie will kontrollieren . steinmetz ,friedhofsgärtner usw. freuen sich über diesen zwang. samtgemeindebürgermeister zitat: noch haben wir intakte friedöfe und ,,wir,, wollen sie behalten. wer ist hier wohl wir? bremer müsste man sein.