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Mit dem zweiten „S-Bahn“-Probebetrieb zwischen Lüneburg und Bleckede ist die Bleckeder Kleinbahn zufrieden. Foto: be

2200 Nutzer an sechs Tagen

Lüneburg. Trotz rückläufiger Fahrgastzahlen wertet der Betriebsleiter der Bleckeder Kleinbahn den zweiten „S-Bahn“-Probebetrieb zwischen Lüneburg und Bleckede a ls Erfolg. An sechs Tagen war der Zug zwischen Elb- und Salzstadt gependelt. „Wir sind zufrieden“, sagt Betriebsleiter Pero Schmidt. „Etwas über 2200 Reisende haben wir gezählt. Im Mai waren es 3024. Naturgemäß fehlten uns, so kurz vor Weihnachten, regionale Ausflügler und auch Touristen.“ Aber: „Wir sehen uns bestätigt, weil die Grundstruktur der Reisenden gleich geblieben ist.“ Die Ergebnisse sollen auch für eine neue Studie zur Reaktivierung von Bahnstrecken im Landkreis zur Verfügung gestellt werden.

Nachfrage hat sich über die Tage aufgebaut

Von den mehr als 2200 gezählten Fahrgästen hatten laut Schmidt zirka 500 an einer schriftlichen Befragung teilgenommen. Nach einer ersten Bestandsaufnahme sagt Schmidt: „Wir haben es geschafft, Autofahrer, also zum Beispiel Berufspendler, zu überzeugen, die Bahn zu nehmen.“ Ebenso hätten Schüler die Zugfahrten auf der Strecke der Bleckeder Kleinbahn genutzt. Und: „Einheimische frequentierten die Zugfahrten, um Besuche bei Freunden und Bekannten zu machen, beziehungsweise Termine in den Städten Bleckede und Lüneburg wahrzunehmen, also Behördentermine, Arztbesuche und so weiter.“ Auch für Einkaufsfahrten seien die Züge rege genutzt worden. Schmidt: „Die Nachfrage hat sich über die Tage aufgebaut. Recht stark war sie noch am Freitagnachmittag und am Sonnabend vor Weihnachten.“

Auch in der nun zweiten Probewoche hatte der kleine Bahnbetrieb Zeitkarten des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) kostenlos anerkannt, beziehungsweise Einzelfahrausweise zu Preisen des HVV-Tarifs verkauft. Schmidt sagt: „Zirka zwei Drittel bis drei Viertel der Fahrgäste hatten HVV-Zeitkarten dabei.“ Und die meisten Nutzer seien über die Gesamtstrecke Bleckede-Lüneburg gereist. Die zweitstärkste Nachfrage sei in Neetze zu verzeichnen gewesen. Gleichzeitig betont Schmidt, dass es nicht darum ginge, den Bus durch die Bahn zu ersetzen. „Wir haben immer wieder angeregt, dass Bus und Bahn aufeinander abgestimmt werden müssen, um den gemeinsamen Kunden einen bestmöglichen öffentlichen Personennahverkehr in der Region zu bieten“.

Defizit von rund 2000 Euro beim ersten „S-Bahn“-Probebetrieb

Beim ersten „S-Bahn“-Probebetrieb im Mai hatte die Bleckeder Kleinbahn trotz der guten Nachfrage noch ein Defizit von rund 2000 Euro zu schultern. Diesmal käme man mit einer „roten Null“ davon, ohne selber allzu viel draufzahlen zu müssen. Unterstützt wurde die Bleckeder Kleinbahn erneut durch die Ascherslebener Verkehrsgesellschaft mbH (AVG), welche die Triebwagen „weitgehend kostenlos zur Verfügung gestellt“ habe, heißt es. Zudem half der befreundete Verein „Nebenbahn Staßfurt-Egeln e. V.“ (NbSE) aus Sachsen-Anhalt erneut mit Personal aus, um im Zugbegleitdienst mitzuwirken, zusammen mit dem Verein „Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg e. V.“ (AVL). Insgesamt waren vier Lokführer und zehn Zugbegleiter im Einsatz.

Die Ergebnisse aus der Fahrgastbefragung werden weiter ausgewertet und sollen später dem Landkreis zur Verfügung gestellt werden. Der hat für 2018 im Haushalt 100.000 Euro reserviert für eine Studie zur Reaktivierung alter Bahnstrecken durch die öffentliche Hand.

Von Dennis Thomas

One comment

  1. Methode statt Beliebigkeit

    Um sich nicht dem Verdacht der Beliebigkeit auszusetzen, ist die methodische Herangehensweise ist für derartigen Evaluationen entscheidend. Zahlen zu erheben und sie anschließend zu deuten genügt nicht. Das lässt zu viel Raum für interessengelenkte Interpretationen. Besser wäre es, die Kriterien für einen positiv verlaufenden Testbetrieb vor dem ersten Test festzulegen und sorgfältig zu begründen. Anschließend werden die Zahlen mit den Kriterien verglichen.
    Entweder ist dies nicht geschehen, oder in der LZ war dazu nichts zu lesen. Um den Lesern die Möglichkeit zu geben, sich eine fundierte Meinung zu bilden, sollte die LZ die fehlenden Informationen nachliefern.

    Mit freundlichen Grüßen