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Rolf Barthel ist glücklich: Er hat für 27 Euro einen halbnackten Gartenzwerg ersteigert. (Foto: t&w)

Gartenzwergin wird zum Renner

Lüneburg. Rolf Barthel kann es kaum abwarten. Schon 15 Minuten vor Auktionsbeginn steht er vor dem Tisch, auf dem insgesamt 119 Objekte platziert sind. Kochbücher, Wollsocken, Kristallgläser, eine Tasche zum Anmalen, ein Akkuschrauber, Schlittschuhe, ein 1000-Teile-Puzzle, Wanderschuhe, ein Eichhörchen aus Porzellan und vieles mehr. Es sind Weihnachtsgeschenke, die nicht gefallen haben. Auf eines hat Barthel ein Auge geworfen: ein weiblicher Gartenzwerg – oben ohne und mit roter Zipfelmütze. Er wird später darum kämpfen müssen, etliche Besucher der „5. Nacht der langen Gesichter“ amüsierten sich über die Zwergin, trieben den Preis binnen Sekunden in die Höhe. Letztlich konnte sich aber Rolf Barthel mit einem Gebot über 27 Euro gegen die Mitbieter durchsetzen.

In gewohnt amüsanter Manier führten Jens-Uwe Thümer und Bernd Werner, Vorstandsmitglieder der Stiftung Medien- und Online-Sucht, durch den Nachmittag. Das Prinzip: Die Beschenkten erhalten 75 Prozent des Erlöses, ein Viertel kommt der Stiftung zugute. Weitere Einnahmen werden stets durch eine Tombola, in diesem Jahr unter anderem mit Karten für Eislaufen und Bouldern bestückt, und durch ein Lüneburg-Motiv des Künstlers Bernhard J. Oberhoffer generiert.

Startpreis: 1 Euro

Rund 150 Gäste tummelten sich im Erdgeschoss des Glockenhauses. Rolf Barthel hatte sich einen Platz weit hinten im Saal gesucht, seine Favoritin schon längst mit dem Handy von allen Seiten fotografiert. Lange gedulden musste er sich nicht: Die Gartenzwergin wurde gleich zu Beginn versteigert. „Das ist ja mein Highlight“, sagt auch Organisator Bernd Werner und hielt die etwa 40 Zentimeter große Figur in die Luft. Jens-Uwe Thümer bedeckte schnell den nackten Vorbau mit seinen Händen. „Von allen Seiten kurvig“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern. Schnell gehörte der Ein-Euro-Anfangspreis der Vergangenheit an.

Rolf Barthel ist keinesfalls ein Gartenzwerge-Sammler, er sucht lediglich ein Geschenk für die bevorstehende Runde Schrott-Julklapp. „Im letzten Jahr wurde ein Elvis-Presley-Kochbuch versteigert, etwas so Skurriles hätte ich damals haben müssen.“ Mit insgesamt acht Leuten trifft er sich stets zur Weihnachtszeit, dann gibt es ein schwedisches Buffet und es wird gewichtelt. „Dieser Zwerg ist doch etwas Besonderes, das möchte man nicht unbedingt bei sich haben“, sagt er und lacht.

Sparfüchse und Schmuckdosen

Brigitte Wollen hatte ein 300 Euro teures Kaffeeservice der Marke Hutschenreuther im Gepäck. „Ein Geschenk meiner Mutter“, sagt sie schmunzelnd. „Mein Haushalt ist leider komplett.“ Vor Jahren hat die Lüneburgerin ein Holzkästchen für zehn Euro versteigern lassen, das ihr nicht gefallen hat. „So unterstütze ich wenigstens den guten Zweck.“

Zufrieden war auch Amelie Marschall (12), die eine Tasche, Memory, Playmobil und ein „Asterix und Obelix“-Heft versteigern ließ. „Die Einnahmen möchte ich sparen“, sagt sie. Einen Taler hat sie aber auch in eine Teedose mit Blumenmuster investiert. „Daraus mache ich eine Schmuckdose.“

Von Anna Paarmann