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Im Herbst 2016 wurde bereits das alte Feuerwehrhaus abgerissen, um Platz zu schaffen für die neue Mensa der Grundschule Deutsch Evern. Jetzt stellt der Rat Überlegungen an, ob man nicht die ganze Schule komplett neu bauen sollte. (Foto: kre)

Anbau oder doch lieber Neubau?

Deutsch Evern. Umbau, Anbau oder gar ein kompletter Neubau? Diese Frage treibt die Deutsch Everner seit geraumer Zeit um, und Samtgemeindebürg ermeister Peter Rowohlt (SPD) gibt unumwunden zu: „Die vergangenen Wochen und Monate waren die bislang schwierigsten in meiner dreijährigen Amtszeit.“

Worum geht es? Um den Umbau der Deutsch Everner Grund- zur Ganztagsschule. Dazu soll eine Mensa neu gebaut und das alte Schulgebäude energetisch und brandschutztechnisch aufgerüstet werden. So sieht es jedenfalls ein entsprechender Ratsbeschluss vor, „der nach wie vor Gültigkeit hat“, erklärt Rowohlt. 2,5 Millionen Euro hat die Politik für das Vorhaben bewilligt. Ein Architekturbüro wurde beauftragt, Entwürfe wurden gefertigt, vor gut einem Jahr bereits das alte Feuerwehrhaus abgerissen, um Platz zu schaffen für den Mensa-Bau (LZ berichtete). Doch seitdem ruhen die Arbeiten. Rowohlt ist darüber im Nachhinein gar nicht böse. Denn die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verändert. „Wir stellen fest, dass Deutsch Evern und die Nachbargemeinden immer mehr zum Zuzugsgebiet werden“, analysiert der Ilmenauer Rathauschef – „das ist Fakt“.

Neue Baugebiete werden in Deutsch Evern ausgewiesen, beispielsweise gibt es 25 neue Bauplätze an der Melbecker Straße. „Überall wird nachverdichtet, und wie in anderen Dörfern ist auch in Deutsch Evern der Generationenumschwung in vollem Gange“, stellt Rowohlt fest. Familien mit Kindern ziehen in die Häuser, in denen bislang die ältere Generation gewohnt hat. „Das ist zwar gut für die Gemeinde und die örtliche Geschäftswelt, stellt die Schule aber mittel- bis langfristig vor Probleme.“ Selbst wenn die Schule, wie vom Rat abgesegnet, modernisiert und umgebaut wird – sie bleibt auch dann „nur“ zweizügig.

Weniger Fördergelder als erwartet

„Dabei haben wir mit Stand Oktober 2017 schon 40 Kinder im Alter von vier Jahren, 45 Kinder im Alter von fünf Jahren und sogar 47 Kinder im Alter von sieben Jahren, die in Deutsch Evern wohnen. Und im neuen Baugebiet an der Melbecker Straße ist noch keine einzige Wohnung bezogen“, mahnt Rowohlt, der weiter zu bedenken gibt: „Ab 52 Kindern müssen wir aber eine dritte Klasse je Jahrgang einrichten, also dreizügig werden.“

Der Verwaltungschef ist daher froh über die „Denkpause“, die die Samtgemeinde – zuständig für den Grundschulbau – in Deutsch Evern eingelegt hat. Wenn auch zunächst aus anderen Gründen: „Erst wollten wir mit dem Bau nicht beginnen, weil wir auf Fördergeld gewartet haben“, berichtet der Samtgemeindebürgermeister. Wie sich im Nachhinein herausstellte, nur eine vergleichsweise geringe Summe: 108 000 Euro gibt der Bund für die geplanten Bauarbeiten an der Grundschule Deutsch Evern. „Wer im Bund glaubt, mit 108 000 Euro Anteil am Gesamtförderbudget käme man bei einem Schulbau weit, den kann man nur belächeln,“ stellt der Ilmenauer Verwaltungschef süffisant fest.

Rowohlt: Neubau bitte in Turnhallen-Nähe

Trotzdem: Die „Zwangspause“ bescherte den Kommunalpolitikern plötzlich eine neue Option – nämlich die Aussicht auf einen kompletten Neubau. Diese Möglichkeit stand zunächst überhaupt nicht auf der Agenda, weil zu teuer. Erst das Angebot eines Modulbauers brachte diese Variante in die Diskussion. Der Bau einer nagelneuen dreizügigen Grundschule für unter fünf Millionen Euro. Das klingt zu verlockend für Rat und Verwaltung, um vorschnell „Nein“ zu sagen zu dieser Offerte. In der Nähe von Berlin steht so ein Schulgebäude in Modulbauweise, das wollen sich die Ilmenauer Entscheidungsträger gemeinsam mit Vertretern der Grundschule und der Elternschaft jetzt anschauen. „Wir wollen auch mit den Auftraggebern der dortigen Schule sprechen“, sagt Rowohlt. Einen Fragenkatalog gibt es bereits: „Wir wollen wissen, was das Ursprungs-Angebot der Firma war und was die Kommune letztlich für ihre Schule zahlen musste“, erklärt Rowohlt.
Die Grundstücksfrage für einen möglichen Neubau in Deutsch Evern sieht Rowohlt als das kleinere Problem: „Auf jeden Fall in der Nähe der Turnhalle!“

Und sollte das doch nichts werden mit dem Grundschulneubau, gibt es immer noch die Umbauvariante, die die Erweiterung der Grundschule am bisherigen Standort vorsieht. „Das heißt aber, wenn wir dreizügig werden wollen, müssten wir in die Höhe bauen“, klärt der Rathauschef auf. Für ihn nicht unbedingt die beste Lösung und auch nicht billiger: Kostenrechnungen gehen von sechs Millionen Euro aus.

Das letzte Wort aber hat der Samtgemeinderat: „Im Januar muss eine Entscheidung getroffen werden“, mahnt Rowohlt, „sonst laufen wir Gefahr, gegenüber Handwerkern schadenersatzpflichig zu werden.“

Von Klaus Reschke