Dienstag , 18. September 2018
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Ernst Schlumbohm blickt auf die Niederschlagsmessstation des Deutschen Wetterdienstes in Ehlbeck. Das Jahr 2017 brachte Regen an jedem zweiten Tag. Foto: t&w
Ernst Schlumbohm blickt auf die Niederschlagsmessstation des Deutschen Wetterdienstes in Ehlbeck. Das Jahr 2017 brachte Regen an jedem zweiten Tag. Foto: t&w

Regen an jedem zweiten Tag

Ehlbeck. Alle reden über das Wetter – Ernst Schlumbohm auch. „Wetter ist schließlich immer ein Thema“, weiß der Ehlbecker – vor allem aber in diesem Jahr. Denn gefühlt fiel der Sommer 2017 aus. Statt Sonne gab‘s Regen satt. Doch stimmt das wirklich? Ernst Schlumbohm weiß es genau. Nicht nur, weil er als ehemaliger Landwirt schon von Berufs wegen den Himmel genauer studieren musste als andere: „Wenn man Korn dreschen oder Heu machen will, dann braucht man trockenes Wetter“, erklärt der 79-Jährige. Seinen Betrieb hat Ernst Schlumbohm inzwischen abgegeben. Somit könnte es ihm eigentlich egal sein, ob es stürmt, regnet oder die Sonne scheint. Doch der Ehlbecker interessiert sich weiter für das Wetter – und ist inzwischen sogar „ehrenamtlicher Wetterbeobachter“ für den Deutschen Wetterdienst (DWD). In seinem Garten steht seit 1. Oktober vergangenen Jahres eine Niederschlagsmessstation des DWD, die die Niederschlagsmenge misst und das Ergebnis alle zehn Minuten automatisch an den Deutschen Wetterdienst meldet.

Niederschlagsmenge wird gewogen, nicht gemessen

„Meine Aufgabe besteht in erster Linie darin, den Messbecher zu leeren und zu reinigen“, erklärt Schlumbohm. Das ist nicht immer eine angenehme Aufgabe, denn: Auf dem Rand der Messstation lassen sich gerne die Vögel nieder – „und die lassen dann auch schon mal was in den Messbecher fallen“, berichtet der Ehlbecker schmunzelnd. Die Niederschlagsmenge wird übrigens nicht abgelesen, sondern gewogen, die Daten automatisch dem Wetterdienst gemeldet. Die Anlage ist mit einem Frostwächter ausgerüstet, der bei Bedarf den Messbecher erwärmt, damit das Wasser nicht gefriert.

Die Station in Ehlbeck auf dem Grundstück von Ernst Schlumbohm ist nur eine von vielen des Deutschen Wetterdienstes. Weitere meteorologische Stationen in der Region stehen in Wendisch Evern, in Uelzen, in Rosengarten-Klecken, in Königsmoor und in Marwede bei Celle. Über seinen Rechner kann Ernst Schlumbohm die gemessenen Niederschlagsmengen auch dieser Wetterstationen genau verfolgen.

Nun ist der 79-Jährige zwar erst seit Herbst vergangenen Jahres ehrenamtlicher Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes, Niederschlagsmengen aber hat Ernst Schlumbohm auch die Jahre zuvor schon akribisch aufgezeichnet. „Der durchschnittliche Jahresniederschlag in Ehlbeck liegt bei 780 Millimetern“, berichtet er – ein Wert, der in diesem Jahr bei Weitem übertroffen wurde: Der Monat ist noch nicht ganz zu Ende und schon jetzt wurden 1083 Millimeter Niederschlag gemessen. Zum Vergleich: 2016 lag die Jahres-Niederschlagsmenge bei 770 Millimetern, 2015 bei 884 und 2014 bei nur 668 Millimetern.

Zurück zum unguten Gefühl, dass der Sommer 2017 im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen ist: „Da ist schon was dran“, sagt Schlumbohm – 172 Regentage hat er in diesem Jahr gezählt. Und in den Monaten Mai, Juli, Oktober, und November lag die Niederschlagsmenge jeweils im dreistelligen Bereich. An Wasser von oben mangelte es 2017 also nicht. Die Folgen sind auf den Äckern und Feldern deutlich erkennbar. Die tiefen Fahrspuren der landwirtschaftlichen Fahrzeuge sind noch immer mit Wasser gefüllt.

Besonders feucht im Mai, Juli, Oktober und November

Aber auch den 21. Juli 2016 wird Ernst Schlumbohm so schnell nicht vergessen: Denn da fielen in nur einer Stunde von 18.15 Uhr bis 19.15 Uhr 57 Millimeter Niederschlag. Und die ließen die Ehlbeck vor seinem Haus – sonst nur ein Rinnsal – zu einem richtigen Fluss anschwellen. Schlumbohm hat dieses Wetterereignis nicht nur tabellarisch auf dem Rechner, sondern auch mit dem Fotoapparat festgehalten.

Doch nicht nur die Erfassung von Regenmengen gehört jetzt zu den Aufgaben von Ernst Schlumbohm: Vom 1. Oktober bis 30. April muss der 79-Jährige auch täglich die Höhe einer gegebenenfalls vorhandenen Schneedecke und den Zuwachs der Schneedecke messen. Auf einer eigens dafür vorgesehenen Platte. Und wenn kein Schnee liegt? „Dann muss ich auch diese Information dem DWD mittels PC oder aber über das Smartphone übermitteln“, berichtet Ernst Schlumbohm.

Allerdings: Die Frage aller Fragen, nämlich wie das Wetter 2018 wird und ob es endlich wieder einen Sommer geben wird, der seinen Namen auch verdient, die will und kann Ernst Schlumbohm nicht beantworten: „Ich bin doch kein Wetterprophet“, sagt er lachend.

von Klaus Reschke