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25 Teilnehmer aus zwölf verschiedenen Ländern haben sich zum Freizeitcamp des CISV in Raven getroffen, um sich über ihre Ideen zum Thema Frieden auszutauschen. Foto: sk
25 Teilnehmer aus zwölf verschiedenen Ländern haben sich zum Freizeitcamp des CISV in Raven getroffen, um sich über ihre Ideen zum Thema Frieden auszutauschen. Foto: sk

Freundschaft ohne Grenzen

Raven. Jemand sitzt auf einem Stuhl, den Kopf in den Nacken gelegt, einen Lappen auf dem Gesicht. Eine andere Person hält eine Flasche Wasser in der Hand. Den m eisten ist klar, was hier gleich passieren wird – oder eben nicht passieren wird. Denn was aussieht wie eine Szene aus einem Horrorfilm, ist zum Glück nur eine Scharade. Pantomimisch stellt eine Gruppe die verschiedenen Artikel der Menschenrechte dar. Die anderen sollen erraten, worum es sich handelt. In diesem Fall ist die Lösung nicht schwer: „Prohibition of torture“, ruft jemand aus dem Publikum. Folterverbot.

40 Jahre CISV in Lüneburg

Die Menschenrechte waren das Oberthema der CISV-Camps im Jahr 2017. „Children’s International Summer Village“ (CISV) ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder und Jugendliche aus den verschiedensten Ländern der Welt zusammenzubringen. In Lüneburg existiert der Verein schon seit über 40 Jahren. Mittlerweile ist er sogar in 62 Ländern vertreten. Ziel ist es, Vorurteilen entgegenzuwirken und sich für ein tolerantes und friedliches Miteinander einzusetzen. „CISV ist Friedenserziehung, Friedensbildung und Völkerverständigung“, sagt Vorstandsmitglied Lutz Garbers.

„Die Teilnehmer sind erst seit 36 Stunden zusammen, und man hat das Gefühl, die kennen sich schon ewig.“
Lutz Garsbers, Vorstandsmitglied

„Building Global Friendship“, also weltweit Freundschaften schließen, lautet auch das Vereinsmotto. Und das funktioniert tatsächlich: „Die Teilnehmer sind erst seit 36 Stunden zusammen und man hat das Gefühl, die kennen sich ewig“, sagt Garbers.

Gabers ist einer der Organisatoren des internationalen Freizeitcamps vom 27. Dezember bis zum 3. Januar in Raven. Die 25 Teilnehmer zwischen 16 und 18 Jahren kommen aus zwölf verschiedenen Ländern, darunter Brasilien, Japan, Griechenland, Litauen und den USA. Unter dem Motto „Youtopia“ entwerfen sie Zukunftsvisionen und überlegen gemeinsam, wie sie in zehn oder 15 Jahren leben wollen.

Das Leitungsteam besteht aus vier erwachsenen Mitarbeitern, auch „Staff-member“ genannt. Die Planung und Koordination der Aktivitäten übernehmen die Jugendlichen aber zum größten Teil selbst. Dazu haben sie sich zu internationalen Planungsgruppen zusammengeschlossen. Kommuniziert wird fast ausschließlich auf Englisch.

Kulturen und Traditionen kennenlernen

Zusätzlich zu den unterschiedlichsten Gruppenaktivitäten steht ein Ausflug nach Lüneburg, inklusive Empfang im Rathaus und Stadtführung, und natürlich war eine große Silvesterparty geplant. Dafür hatten die Teilnehmer traditionelle Speisen aus ihren Heimatländern mitgebracht. João Neno aus Brasilien machte „Brigadeiros“. „Das sind Pralinen aus Schokolade“, erklärt er. Der 17-Jsährige nimmt schon seit mehreren Jahren an den CISV-Camps teil. „Ich lerne hier viel über andere Kulturen, genauso wie andere von meiner Kultur lernen können.“ Von Deutschland hat er bis jetzt einen sehr positiven Eindruck. „In Deutschland ist alles sehr gut organisiert.“ Außerdem seien die Deutschen viel höflicher als die Brasilianer. Nur das Wetter gefalle ihm nicht so gut.

Auch Kosei Takase (16) aus Japan nimmt an dem Camp teil, um andere Kulturen und Traditionen kennenzulernen und die internationale Atmosphäre zu genießen. Besonders beeindruckt ist er von der deutschen Architektur.

Das neue Jahr konnten die Jugendlichen gleich mehrere Male feiern: Um 16 Uhr unserer Zeit startete Japan ins Jahr 2018. Auch Griechenland ist uns eine Stunde voraus. Eine Teilnehmerin aus den USA musste sich besonders geduldig zeigen und konnte schließlich um 8 Uhr morgens das neue Jahr in ihrem Heimatland begrüßen.

von Svana Kühn