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Erst kurz vor Weihnachten sind die Ortsschilder mit plattdeutschem Zusatz in Neu Neetze aufgestellt worden. Schon bald sollen in weiteren Dörfern die Ortsschilder ausgetauscht werden.

Platt erobert Ortsschilder

Lüneburg. In „Adendörp“ und „Arvstörp“ gab es die ersten. In „Nee Näätz“ wurden Ende vergangenen Jahres welche installiert. Für „Bläckd“, „Scharnbäck“ und „Düütsch Ävern“ liegen Genehmigungen vor. Aber auch in „Neehuus“, „Wilkensdörp“, „Lütt Banratz“ und vielen weiteren Orten im Landkreis Lüneburg kann es bald losgehen mit plattdeutschen Ortsschildern.

Institut in Bremen segnet plattdeutsche Ortsnamen ab

Vor zwei Jahren hatte Günther Wagener, Plattdeutschbeauftragter für Hansestadt und Landkreis Lüneburg, eine Landkarte vorgelegt, auf der alle 255 Orte und Ortsteile mit ihrem plattdeutschen Namen verzeichnet waren. Die Namen waren vom dafür zuständigen Institut für Niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen genehmigt, damit auch für die Verwendung auf zweisprachigen Ortstafeln. Jetzt gewinnt das Projekt an Fahrt.

Während plattdeutsche Ortsschilder im Heidekreis sowie in den Kreisen Stade und Cuxhaven nichts Ungewöhnliches mehr sind, verfügen im Landkreis Lüneburg bisher nur Adendorf und eben Neu Neetze darüber.

Zwei Schilder „abgängig“

An der Dorfstraße, zwischen Adendorf und dem Ortsteil Erbs­torf, in Höhe der Heine-Siedlung, waren zwei Schilder „abgängig“, Anfang August ließ Bürgermeister Thomas Maack zwei neue Schilder aufstellen: Mit den hochdeutschen Ortsnamen in Groß und der plattdeutschen Bezeichnung in Klein. In Neu Neetze wurden die bisherigen „Weilerschilder“ durch reguläre Ortsschilder, mit hoch- und plattdeutscher Ortsbezeichnung, ersetzt. Statt 70 km/h beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit dort nun 50 km/h.

„Op Platt“, wie auch sonst, hatte Günther Wagener, Plattdeutschbeauftragter für Stadt und Landkreis Lüneburg, seine Vorstandskollegen vom Verein „LünePlatt“ im August über das große Ereignis informiert: „Ik kann´t noch nich glöven, aver Adendörp hett sik op´n Padd maakt un de ersten twee Ortsschiller mit de plattdüütschen Naams dorop opstellt.“ Auf Hochdeutsch: „Ich kann es noch nicht glauben, aber Adendorf hat sich auf den Weg gemacht und die ersten zwei Ortsschilder mit den plattdeutschen Namen darauf aufgestellt.“

Erlass aus dem Jahr 2009

Die Möglichkeit der „zweisprachigen Bezeichnung auf Ortstafeln“ geht zurück auf einen Erlass des Niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums aus dem Jahr 2009. Trotz der Möglichkeit, zweisprachige Schilder aufzustellen, kam der Wechsel zunächst aber nicht in Gang.

Aus diesem Grund stellte Günther Wagener in diesem Herbst noch einmal einen ausdrücklichen Antrag an das INS, die 255 plattdeutschen Ortsnamen verwenden zu dürfen – die Genehmigung kam prompt. Außerdem führte Wagener ein Gespräch mit Dirk Bonow, der bei der Kreisverwaltung unter anderem für die Genehmigung von Verkehrsschildern zuständig ist.

Auseinandersetzung mit 29 der plattdeutschen Sprache

Ein formloser Antrag an den Landkreis genügt nun, um von dort eine Erlaubnis für das Aufstellen der zweisprachigen Ortsschilder zu bekommen. Das teilte Plattdeutschbeauftragter Wagener auch noch einmal allen Samtgemeindebürgermeistern im Landkreis mit – und prompt kamen Reaktionen. Konkret etwa im Fall von Neu Neetze, wo ohnehin die bisher grünen Ortstafeln gegen gelbe Schilder ausgetauscht werden sollten.

Eine Genehmigung für das Aufstellen plattdeutscher Ortstafeln hat mittlerweile auch die Gemeinde Deutsch Evern, ebenso die Stadt Bleckede für alle Ortsteile. Ende vergangenen Jahres hat auch der Rat der Gemeinde Amt Neuhaus den Beschluss gefasst, den Antrag auf plattdeutsche Ortstafeln zu stellen, berichtet Bürgermeisterin Grit Richter: Wenn ein Schild marode ist, wird es entfernt und künftig durch ein neues, „zweisprachiges“, ersetzt.

Ochtmissen heißt „Ochmessen“

Günther Wagener freut sich über den neuen Schwung in Sachen Ortsschilder: „Neben der historischen Bedeutung könnte damit auch ein Impuls zur Auseinandersetzung mit der vom Aussterben bedrohten plattdeutschen Sprache einhergehen.“

Auch im Lüneburger Ortsteil Ochtmissen gibt es Interesse, die Ortstafel durch den plattdeutschen Begriff zu ergänzen, das hatte Ortsbürgermeister Jens-Peter Schultz (SPD) kürzlich im Ortsrat erklärt. Anders als dort von einem Vertreter der Stadt erklärt, ist das Verfahren auch für die Ochtmisser unkompliziert. Dort, so Günther Wagener, reicht wie überall sonst ein formloser Antrag aus. Und der plattdeutsche Name für den Ortsteil ist schon längst genehmigt: „Ochmessen“.

Von Ingo Petersen