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Nach dem Betreiberwechsel im Hotel Bergström gibt es offenbar Unmut in Teilen der Belegschaft.

Ärger im Fernseh-Hotel

Lüneburg. Im Hotel Drei Könige in der TV-Serie „Rote Rosen“ wird auch mal Intrige geboten. Und auch im realen Hotel Bergström, das als Kulisse für die Fernseh-H erberge dient, geht der Wechsel von Alt-Eigentümer Henning-J. Claassen zu den neuen Betreibern der Dormero-Gruppe offenbar nicht ohne Reibungen ab. Es gibt erste Kündigungen, zu einer geplanten Betriebsratswahl kam die Polizei.

Jurist sieht Verstoß gegen Betriebsverfassungsgesetz

Der Arbeitsrechtler Mario Böttcher, der eine Handvoll der gekündigten Mitarbeiter vertritt, sieht einen Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz. Die ihm vorliegenden Kündigungsschreiben strotzen seiner Auffassung nach vor „formalen Fehlern“. Hoteldirektor Patric von Buttlar weist die Vorwürfe zurück und sagt, es habe „lediglich acht Entlassungen“ gegeben.

Im September hatte Claassen erklärt, nach knapp drei Jahrzehnten die Führung des Hauses abgeben zu wollen. Die Immobilien im Wasserviertel behalte er. Mit der Dormero-Gruppe der bayerischen Unternehmerfamilie Wöhrl habe er einen 20-jährigen Pachtvertrag geschlossen. Bis auf Hoteldirektor Sven Flecke, den er in ein anderes Unternehmen mitnehme, würden alle 200 Mitarbeiter übernommen.

„Optimierungsprozessen durch die Geschäftsführung“

Nun scheint es anders zu kommen. Von Buttlar bestätigt, dass man überlege, die Zimmerreinigung auszulagern und an Fremdfirmen zu geben, dies sei ein übliches Verfahren. Der Direktor spricht von „Optimierungsprozessen durch die Geschäftsführung“ und: „Selbst wenn wir outsourcen würden, würden die Leute an den neuen Dienstleister übergehen. Es muss sich niemand Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen, wenn er vernünftig arbeitet.“

Dem schenken mehrere Mitarbeiter, mit denen die LZ sprach, keinen Glauben. Denn selbst wenn die neuen Anbieter sie übernähmen, „dann bestimmt zu schlechteren Bedingungen“. Ihren Namen wollen die Angestellten aus Angst nicht in der Zeitung lesen.

Informationszettel sollen abgerissen worden sein

Ein anderer Aufreger ist eine geplante Betriebsratswahl. Die Gewerkschaft NGG hatte dazu eingeladen. Mitarbeiter behaupten, Informationszettel seien abgerissen worden. Dem widerspricht Direktor von Buttlar und erklärt, er selbst habe vielmehr Informationsschreiben verteilt. Am Ende, da sind sich beide Seiten einig, erschienen von den rund 200 Beschäftigten weniger als 40 zur Versammlung. Im Bergström scheiterte schon die Berufung eines Wahlvorstandes für die Betriebsratswahl.

Teilnehmen dürfen, sagt die Gewerkschaft, eigentlich auch gekündigte Mitarbeiter. Das Hotelmanagement wollte einen dieser Kollegen aber nicht dabei haben. Als der nicht ging, rief man auf der Wache an. Das bestätigt die Polizei: „Der Mann ist gegangen, als die Kollegen kamen.“ Arbeitsrechtler Böttcher sieht das Betriebsverfassungsgesetz verletzt: „Bis ein Wahlleiter bestimmt ist, liegt das Hausrecht bei der Gewerkschaft.“ Es sei zu prüfen, ob der Vorwurf der Wahlbehinderung greifen könnte.

Karstadt als mahnendes Beispiel?

Während von Buttlar sagt, er stehe der Sache „wertneutral“ gegenüber und habe das Pro und Contra eines Betriebsrates beschrieben, schildern Teilnehmer es anders. In Kurzform: Ein Betriebsrat koste Geld, es stehe infrage, ob dann noch Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt werden könnten. Am Beispiel Karstadt habe man gesehen, wohin ein Betriebsrat ein Unternehmen führen könne. Diese Äußerungen bestätigt NGG-Gewerkschaftssekretärin Manuela Schäffer. Von Buttlar behauptet, an die Karstadt-Aussage könne er sich nicht erinnern.

Das Personal hofft auf Alteigentümer Henning-J. Claassen. Doch der bleibt dabei, er habe sich von dem Hotelbetrieb getrennt und werde ihn nicht wieder übernehmen: „Ich bin da raus.“ Der Investor betont, die Zahlen des Hotels seien „okay“. Im September hatte er einen Jahresumsatz von rund 15 Millionen Euro und eine Auslastungsquote von 80 Prozent genannt.

Von Carlo Eggeling

9 Kommentare

  1. Jeder neue Besitzer will „Optimierungsmaximum“ erreichen. Dabei wird in Deutschland fast immer bei den HR gespart. Und darunter leidet oft die Qualität. Schade, Lüneburg.

  2. Bärbel Schmoll

    Rote Turnschuhe sind zwar unglaubllich fancy, aber eben auch nicht alles … wenn ich den LZ-Artikel richtig deute, wäre für das schöne Hotel und seine Mitarbeiter die Rückkehr zu klassischen „Claassen-Werten“ besser, als der von Marketingstrategien verkündete „Generationenwechsel“mit seinem wohl doch eher vordergründigem Kult um Teamspirit, „Freshness“, „flache Hierarchien“, und angeblich neue Wege der „Erlebnishotelerie“ … (?) Besser hätte man sich das Ganze im Drehbuch von „Rote Rosen“ nicht ausdenken können …

  3. Ich fürchte dass das übliche und besondere Flair, der Geist und die bislang ehrliche, offene Freundlichkeit des Hauses auf längere Sicht Schaden nehmen wird. Gäste haben ganz feine Antennen dafür und werden entsprechend reagieren.

  4. Dormero Vorstand Dr. Marcus Maximilian Wöhrl betonte unlängst, dass bei der Auswahl von Mitarbeitern und Führungskräften bei Dormero nicht nur die rein fachlichen Kriterien zählen. Tatsächlich sei auch der Körperbau ein entscheidendes Merkmale für die Wahl eines sogenannten „Chef-Rettungsschwimmers“, nach dem Motto „die Mischung macht’s“. „Manchmal reicht auch der ein oder andere Sixpack, um Menschen zu begeistern. Durch den Fachkräftemangel sind zudem heute auch andere kreative Dinge gefragt“, so Wöhrl, und weiter: „Die Vorstellung mit einem heißen Chef oder einer attraktiven Chefin an der Seite aufs Meer zu kraulen, kann schon den ein oder anderen davon überzeugen, bei Dormero zu arbeiten.“ (Vgl.: https://www.ahgz.de/news/personalie-neuer-ceo-bei-dormero,200012240887.html#gallery-0)

    Die Marke Dormero „definiert sich“ nach Aussage Wöhrls „über raffinierte Details“ und den Slogan „Stay fancy“!

    • Bärbel Schmoll

      Hallo Herr Müller, vielen Dank für den interessanten Hinweis & das vielsagende Zitat! Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Schon, dass Herr Dr. Wöhrl den angeblichen „Fachkräftemangel“ als Grund für seine neuartigen Personal-Vorstellungen anführ, zeigt ja, wie er denkt. Jeder, der sich etwas näher mit diesem Begriff beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es sich beim sogenannten „Fachkräftemangel“ doch eher um eine Fatamorgana, bzw. Erfindung der Arbeitgeberverbände und ihrer Freunde handelt. Dabei geht es in der Regel darum, durchaus vorhandene Fachkräfte herabzuqualifizieren, um sie dann als billige Arbeits- bzw. Hilfskräfte einstellen zu können. (Oder schlichtweg darum, dass man keine älteren Mitarbeiter (der Generation 50+ ) beschäftigen möchte.) Informationen dazu gibt es z.B. hier : https://www.youtube.com/watch?v=QDyXYILiv3w Es mag vereinzelt durchaus auch Fälle geben, wo tatsächlich mal eine „Fachkraft“ fehlt, dies ist aber ganz bestimmt nicht immer so! „Optimierungsprozesse durch die Geschäftsführung“ , „Verjüngung des Teams“ möglicherweise „Outsourcing“? Die aktuellen Entwicklungen rund um das schöne Hotel im Herzen Lüneburgs deuten wohl doch eher auf Entwicklungen hin, die Anlass zur Sorge geben können.

    • Karsten Bostelmann

      Wenn ich mir das verlinkte Photo anschaue und den dazu gehörenden Text lese, erkenne ich sofort, welches Problem zuerst angegangen werden muss: die fachmännische Behebung eines gewaltigen Dachschadens.

  5. Tja, so geht’s. Ist mal der Wurm drin, verlieren auch Immobilien mit welkendem Rote Rosen-Charme rasend schnell an Wert. Wahrscheinlich trägt das brummende Libeskindische Veranstaltungszentrum am Bockelsberg mit dazu bei, den Tagungsbetrieb im Wasserviertel veröden zu lassen. Wir brauchen unbedingt eine Event-Halle Lüneburger Land, die noch mehr Messe- und Kongressbesucher aus der Innenstadt abzieht. Die Suiten im Bergström sind ja groß genug, um zur Not auch Bundesligavolleyball drin spielen zu können, wenn die Hotelgäste ganz wegbleiben.

  6. Der Leuphanatismus scheint doch weiter über die Grenzen Lüneburgs hinaus in den Köpfen der Reklamespinner und Sprücheklopfer verbreitet, als mancher glauben möchte. Herr Marcus Maximilian Wöhrl sollte mal Onkel Toms Hütte lesen, um die Beine auf die Erde zu bekommen. Alt genug ist er ja inzwischen.

  7. So flach wie die Hierarchie bei Dormero, zeigt sich auch die Selbstdarstellung der Geschäftsführung. Mit nur fünf Führungskräften, „Fantastic Five“ wird viel heiße Luft produziert. Sollte am 1. Januar das Dormero Hotel Lüneburg im „Alten Kafhaus“ in Betrieb gehen? Außer ein paar neuen Speisekarten, „Feinkost Käfer“ läßt grüßen, gibt es nun alle Errungenschaften aus der „Höhle der Löwen“ auf die die Welt gewartet hat. „Happy Po“ wird sogar vom „Head“ selbst, auf Facebook und vom „Kreativteam“ beworben. Auf der Webseite von Dormero kann man das Hotel noch nicht einmal buchen… Die Kündigungen sind die üblichen Optimierungsmaßnahmen um das verbleibende Personal zu „motivieren“. Schade