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Sie stellten den Wünschewagen vor (v.l.): der Lüneburger ASB-Geschäftsführer Harald Kreft, Marc-Oliver Berndt vom Organisationsteam und Projektkoordinatorin Anke Schneider.

Ein letzter Wunsch wäre da noch…

Lüneburg. Die krebskranke Frau aus Bremen wollte noch einmal in ihrem Leben nach Kiel – die See sehen. „Die Erfüllung des letzten Wunsches ist wie eine Verabschiedung“, sagt Harald Kreft, Geschäftsführer im Lüneburger Kreisverband des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Das ASB-Projekt „Wünschewagen“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen kostenfrei einen letzten Wunsch zu erfüllen, die sich auf der Schluss-Etappe ihres Lebens befinden. So wie die Frau aus Bremen, die am Tag vor Heiligabend mit einem speziell umgebauten Krankentransportwagen ans Meer gebracht wurde. Der ASB stellte das Projekt in Lüneburg vor.

Touren an die See und zu Fußball-Bundesligaspielen

Offiziell startet das Projekt in Niedersachsen erst in diesen Tagen, fünf Fahrten allerdings gab es bereits. Projektkoordinatorin Anke Schneider vom ASB Hannover-Stadt, wo der Wünschewagen stationiert ist, sagt: „Neben Touren an die See ging es auch um ein Fußball-Bundesligaspiel. Und gefragt sind Musicals.“ Erstmals umgesetzt wurde die Idee 2014 beim ASB Ruhr: „Inzwischen sind es 15 Wünschewagen in ganz Deutschland, 2018 werden fünf weitere eingesetzt.“ Ansprechpartner für die Region Lüneburg, in der beispielsweise das Hospiz St. Marianus in Bardowick angesiedelt ist, ist der ASB am Moldenweg.

Würde bis zum Lebensende

Der Wünschewagen setzt da an, wo die Möglichkeiten der Hospize, Pflegeeinrichtungen oder der Angehörigen aus personellen oder finanziellen Begrenzungen enden, und leistet laut Harald Kreft einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Würde bis zum Lebensende. Die Betroffenen sind in den meisten Fällen nur noch liegend transportfähig und müssen während der Fahrt medizinisch-pflegerisch betreut werden. Daher ist ein Transport in einem Auto, einem Taxi zum Beispiel, nicht mehr möglich. Und die Kranken- und Pflegekassen übernehmen nicht die Kosten für eine „private“, also therapeutisch nicht notwendige Tour im Krankentransportwagen. Also übernehmen beim Wünschewagen speziell geschulte freiwillige Helfer Fahrt und Betreuung. Das Organisationsteam kann aktuell auf ein Team von 20 Ehrenamtlichen zurückgreifen.

Für die Betroffenen und einen Begleiter ist alles kostenfrei

Marc-Oliver Berndt, der wie Anke Schneider zum Organisationsteam gehört, sagt: „Der Wagen ist so ausgestattet, dass sich der Betroffene wohlfühlt, und er ist für längere Fahrten geeignet. Die Patienten können rausgucken, aber niemand kann hineinschauen – die Intimsphäre ist also geschützt, und es wird nicht der Eindruck erweckt, dass es sich um einen Krankentransport handelt.“

Finanzierung über Spenden

„Für die Betroffenen ist alles kostenfrei, auch für eine Begleitung“, sagt Anke Schneider. Veranstalter von Musicals oder Fußballvereine würden die Idee unterstützen, gewähren oft freien Eintritt. Auf das Projekt selbst könnten aber größere Kosten zukommen, wenn es eine längere Tour ist und die Beteiligten – mit Patienten, Begleitung, Rettungssanitäter, Pfleger und Fahrer maximal fünf Personen – in einem Hotel übernachten müssen. Und dann ist da noch der Wünschewagen selbst, Marc-Oliver Berndt: „Er kostet uns rund 70 000 Euro an Unterhalt pro Jahr.“ Die Finanzierung erfolgt über Spenden – auch aus den eigenen Reihen, der ASB ist in Lüneburg mit rund 15 000 Mitgliedern der größte Verein, niedersachsenweit gibt es rund 100 000 Mitglieder.

Übrigens sind es nicht nur die weiten Touren, die sich Menschen am Lebensende wünschen, weiß Anke Schneider: „Wir hatten kürzlich eine Frau, die beatmet werden musste, also bei einer Fahrt auf medizinische Betreuung angewesen war. Ihr Wunsch war es, noch einmal ein nur ein paar Kilometer entferntes Einkaufszentrum aufzusuchen – dort war sie häufig mit ihrem Freund gewesen. Wir haben sie samt Freund hingebracht und so glücklich gemacht.“

Von Rainer Schubert