Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Noch immer steht in Echem die Brandruine der alten Grundschule. Die Verantwortlichen hoffen noch in diesem Jahr mit dem Neubau beginnen zu können. Bis dahin soll unter anderem die Frage der Schulbezirke geklärt sein. (Foto: t&w)

Echem oder Hohnstorf? Wer wo zur Schule gehen soll

Hohnstorf/Echem. Der Wiederaufbau der abgebrannten Echemer Grundschule ist seit Mitte August beschlossene Sache. Offen ist allerdings nach wie vor: Wer besucht in Zukunft die Grundschule in Hohnstorf? Und wer die Außenstelle in Echem? Schon vor dem Brand im April vergangenen Jahres diskutierte die Politik über eine Änderung der Schulbezirkssatzung – ohne je einen Beschluss gefasst zu haben. Nun bringen SPD, Grüne und die Gruppe FWGUBS/FDP/Jackmann das Thema erneut auf die Tagesordnung der nächsten Schulausschusssitzung am Montag, 8. Januar. Ihre Forderung: Kinder aus Hohnstorf und Hittbergen besuchen in Zukunft die Schule in Hohnstorf. Kinder aus Echem und Lüdersburg gehen nach Echem, sobald die neue Schule steht.

Schülerströme aus Hittbergen sollen umgelenkt werden

Gibt die Mehrheit im Rat grünes Licht – und danach sieht es aktuell aus – wäre das die zweite Schulbezirks-Änderung innerhalb von viereinhalb Jahren. Zuletzt hatte der Samtgemeinderat die Regelung 2013 angepasst, seitdem mussten die Echemer, Hittbergener und Lüdersburger Kinder nach Echem, die Hohnstorfer Kinder nach Hohnstorf. Ziel der damals heftig umstrittenen Entscheidung war es, den schülerschwachen Standort Echem zu stärken. Ein Rettungsplan, der aufging – zumindest kurzzeitig.

Denn schon 2016 stand beim Blick auf die Schülerprognosen fest: Bleibt die Samtgemeinde bei der Regelung, wird es im Schuljahr 2018/2019 in der einzügig angelegten Echemer Außenstelle zu eng. In der Politik entbrannte über Monate erneut eine Diskussion um die Schulbezirke, die allerdings durch den Brand in Echem jäh beendet wurde. Zu entscheiden war dann nicht mehr, wer wohin zur Schule gehen wird, sondern vielmehr: Wird es in Echem überhaupt wieder eine Schule geben?

Auch die Frage war umstritten, erst nach wochenlangem Hin und Her stimmte der Samtgemeinderat mehrheitlich für den Wiederaufbau. Dabei war es das Ziel aller Fraktionen: Hohnstorf soll zweizügig (zwei Klassen pro Jahrgang), Echem einzügig (eine Klasse pro Jahrgang) werden. Die alte Frage stellte sich also erneut: Wie sollen die Schülerströme in Zukunft gelenkt werden?

Regelung soll in Kraft treten, bevor die neue Schule steht

Nun liegt mit dem Antrag von SPD, Grünen und der Gruppe ein Vorschlag auf dem Tisch, der durch das Umlenken der Hittbergener Kinder für die nächsten sechs Jahre eine Zweizügigkeit in Hohnstorf und eine Einzügigkeit in Echem sicherstellen soll – und der ganz offenbar auch im Samtgemeinderat eine Mehrheit findet. Einziger Streitpunkt in der Politik scheint aktuell die Frage zu sein: Wer hatte die Idee? Schulausschussmitglied Claus-Cornelius Poggensee (Grüne) erklärt: „Diese Lösung ist von mir erarbeitet worden.“ CDU-Fraktionschef Harald Heuer betont, er sei der Erste gewesen, der diese Variante erwähnt hatte. Nichtsdestotrotz: „Wir werden diesem Antrag der anderen Fraktionen zustimmen“, sagt Heuer.

Gelten würde die neue Schulbezirkssatzung ab 1. August 2018. „Zu dem Zeitpunkt wird zwar der Neubau in Echem noch nicht stehen“, sagt Poggensee, „das heißt, es gehen vorerst weiter alle Kinder in Hohnstorf zur Schule.“ Die Klassen allerdings würden bereits nach der neuen Regelung gebildet: eine neue erste Klasse für Echem mit zehn Kindern, zwei neue Klassen für Hohnstorf mit 18 und 19 Kindern. Der Vorteil: Bei einer Gesamtschülerzahl von 47 würden nicht wie an einer Schule üblich zwei, sondern drei Klassen gebildet. „Mit entsprechend mehr Lehrern“, betont Poggensee.

Der Grünen-Politiker ist überzeugt: Die neue Schulbezirkssatzung gäbe nicht nur Eltern und Schule Planungssicherheit, „sie würde auch für eine optimale, gesetzlich garantierte Versorgung der Grundschulkinder mit Lehrkräften sorgen, die auf anderem Weg so nicht verbindlich erreichbar ist“.

Sobald der Schulausschuss seine Empfehlung abgegeben hat, geht der Antrag zur Entscheidung in den Samtgemeinderat. Der Schulausschuss tagt am Montag, 8. Januar, ab 19 Uhr in der Grundschule Brietlingen.

Nachgefragt

Start für Neubau ungewiss

Die Planungen für den künftigen Schulbetrieb in Echem laufen. Doch wie steht es mit dem Neubau? Die LZ hat nachgefragt bei Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU).

In Echem stehen nach wie vor die Brandruinen der Grundschule. Wie ist der Sachstand beim Abriss?

Samtgemeindebürgermeister
Laars Gerstenkorn.
(Foto: t&w)

Laars Gerstenkorn: Der Abriss war nach Vorgabe der Versicherung in drei Phasen auszuschreiben und durchzuführen. Erstens: die Brandschutträumung, die inzwischen abgeschlossen ist. Zweitens: der Abriss der oberirdischen Gebäudeteile, der aktuell läuft. Um den zu beauftragen, musste erst der Gutachter der Versicherung grünes Licht geben. Voraussetzung war, dass die Gebäudeteile nicht weiterverwendet werden können. Sind diese Arbeiten abgeschlossen, kommt der Gutachter erneut und klärt, ob die Bodenplatte und die Fundamente weiter verwendet werden können. Ich hoffe, dass dieser Termin Mitte Januar stattfinden kann.

Wie weit sind Ihre Planungen für einen Neubau?

Die Grundrissplanung kann erst begonnen werden, wenn die Architektin die Ausgangsvoraussetzungen kennt. Soll heißen, solange wir nicht wissen, ob noch alte Gebäudeteile zu verwenden sind, wird man keine Grundrisse erstellen können. Andere Dinge, die vorbereitend getan werden können, haben wir getan.

Wann ist ein Baustart möglich?

Schwer zu sagen, da wir die Ergebnisse der Abrissphasen und deren Beurteilung hinsichtlich zu berücksichtigender Gebäudeteile noch nicht kennen. Ich hoffe aber, dass das noch deutlich in diesem Jahr möglich sein wird.

Wie steht‘s um den angeblichen Streit mit der Versicherung?

Es gibt keinen Streit mit der Versicherung. Bisher handelt es sich lediglich um Fragen der Versicherung, die ausführlich zwischen der Versicherung und der Samtgemeinde zu erörtern sind.

Im Haushaltsentwurf rechnen Sie mit 1,7 Millionen Euro Versicherungsleistung. Wie kommt die Summe zustande?

Der Haushaltsansatz für den Neubau beträgt insgesamt 3,15 Millionen Euro. Ein Schadensgutachten der Versicherung geht von einem Gebäudeschaden in Höhe von 2,337 Millionen Euro aus. Zu dieser Summe wurden einige Änderungen im Neubau gegenüber dem Altbau hinzugerechnet, die man heute beim Neubau anders machen würde, wie zum Beispiel die Berücksichtigung des schon vor dem Brand geplanten Fachraumes. Zur Versicherungsleistung möchte ich mich aktuell nicht äußern. off

Von Anna Sprockhoff

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