Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Der Barendorfer Förster Oliver Christmann begutachtet die Windwurfschäden in seinem Revier. Knapp 2000 Festmeter fielen den Stürmen zum Opfer – 20 Prozent des Jahreseinschlages. (Foto: kre)

Stürme verändern das Gesicht des Waldes

Barendorf. „Da blutet einem doch das Herz“, sagt Barendorfs Revierförster Oliver Christmann, während er seinen Blick über die umgeworfenen Bäume in seinem Besta nd streifen lässt: Mächtige Buchen, Fichten und Kiefern, die wie Mikadostäbe über- und nebeneinander liegen – gerade so, als hätten sich Riesen zu einem Spiele-Nachmittag verabredet. Doch es sind die Orkantiefs und der Dauerregen, die den Förstern und Waldbesitzern mächtig zu schaffen machen. Unzählige Festmeter Windwurf liegen in den heimischen Wäldern – Hinterlassenschaften der Stürme „Xavier“ und „Herwart“. Und gestern rauschte bereits mit Orkantief „Burglind“ der erste Sturm im neuen Jahr übers Land.

Blätterkleid bietet große Angriffsfläche

Oliver Christmann beobachtet diese Wetterereignisse mit Sorge: „Dass Stürme in dieser Heftigkeit schon Ende September, Anfang Oktober wüten, das habe ich früher so nicht erlebt“, berichtet der Barendorfer Förster. Besonders problematisch: Zu diesem Zeitpunkt trugen viele Bäume noch ihr Blätterkleid, boten den Stürmen somit besonders viel Angriffsfläche – „wie große Windsegel“, versinnbildlicht Christmann. Sturm „Xavier“ hatte in seinem rund 2000 Hektar großen Revier rund 500 Festmeter geworfen – „vor allem Laubholz“. Sturm „Herwart“, der dann einige Wochen später übers Land tobte, räumte dann vor allem Nadelbäume ab – „mehr als 800 Festmeter“, berichtet der Barendorfer Revierförster. Eine bereits beachtliche Summe angesichts des Einschlags von rund 10 000 Festmetern jährlich. Auffällig: Bei den Windwürfen handelt es sich vor allem um Einzelwürfe, zum Teil auch um Windwurfnester. „Flächenwürfe gab es in meinem Revier zum Glück nicht“, sagt Christmann.

Sturm ist aber nur ein Problem, fast ebenso viele Sorgen bereitet dem Barendorfer Revierförster zurzeit auch der viele Dauerregen. Seit 1881 hat die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland um rund zehn Prozent zugenommen, hat bereits das Umweltbundesamt festgestellt – und besonders regenreich war das vergangene Jahr. Da hatte es an jedem zweiten Tag geregnet. Das ist nicht nur rekordverdächtig, sondern letztlich auch nachteilig für die Land- und Forstwirtschaft. Den Bäumen nämlich fehlt im regengesättigten und aufgeweichten Boden zusehends der Halt. „Damit werden sie zu einem noch leichteren Spiel für Stürme“, erklärt Oliver Christmann. Außerdem weiche der Regen die Waldwege auf. „Wenn wir jetzt unsere Harvester in den Wald schicken würden, würden die Maschinen tiefe Spuren in den Waldboden fahren“, erklärt Christmann und fährt fort – „das aber steht unserem Bodenschutzprogramm entgegen.“

Den Förstern läuft bei dieser Witterung langsam, aber sicher die Zeit davon: Nicht nur, weil Holzverkaufs-Verträge erfüllt werden müssen, was aber schwierig wird, wenn die Harvester und Rückefahrzeuge nicht so ohne Weiteres in den Wald kommen. Nichtsdestotrotz hofft Christmann, Anfang nächster Woche mit dem Einschlag in seinem Revier beginnen zu können.

Alle hoffen jetzt darauf, dass der Frost endlich kommt

„Ich habe in meinem Revier auch eine 25 Hektar große Waldverjüngungsfläche“, berichtet der Barendorfer Förster. Doch erst machten ihm die Stürme zu schaffen, die einige der Altbäume auf der Fläche, sogenannte Überhälter, umwarfen. Diese Bäume werden bewusst stehen gelassen, als Wetterschutz für die Setzlinge. „Die Altbäume sollen die Pflanzen vor Sonnenbrand und Aushagerung durch Wind schützen“, erläutert Christmann. Doch nun müssen Forstarbeiter noch einmal ran und die umgestürzten Bäume beseitigen, bevor wieder aufgeforstet werden kann. „Die Pflanzen sind bestellt“, sagt Christmann, „wir können sie aber erst abrufen, wenn wir sie auch in den Boden bringen können.“

Zusätzlich stehen dem Barendorfer Revierförster, und vermutlich auch vielen seiner Kollegen, die privaten Brennholzwerber auf der Matte, die nur darauf warten, endlich ihr Kaminholz aufarbeiten zu dürfen. „Ich habe jetzt schon 40 bis 50 Leute auf der Warteliste“, sagt Christmann. Und sie alle hoffen vor allem auf eines – dass es endlich Winter wird. Mit Minus-Temperaturen und viel Frost.

Bardowick

Sturm legt alte Eiche um

Mehr als 300 Jahre trotzte die Eiche auf dem Areal der Nikolai-Kirche Bardowick Wind und Wetter – doch letztlich konnte auch dieser stolze Baum der Kraft der Stürme nichts mehr entgegensetzen. Einer der frühen Herbststürme machte dem deutschen Symbolbaum den Garaus. Ursächlich dafür war laut Förster Michael Stall aber nicht der Efeu, der den Stamm mit dicken Strängen fest umklammert hält. Allerdings, das mag auch der Stadtförster nicht ausschließen, war die Eiche durch den Efeu angeschlagen, „weil dessen Blattmasse die des Baumes zum Teil überdeckt hatte.“ Dadurch habe die Eiche nicht mehr genügend Assimilation (wegen der Beteiligung des Lichtes auch als Photosynthese bezeichnet) betreiben können.

Die Frage sei jetzt, wie man mit dem gefallenen Riesen umgehe: Stall würde es begrüßen, wenn man die Eiche als Totholz an Ort und Stelle belassen würde, damit der Baum über viele Jahre hinweg noch als Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt dienen kann.

Die umgestürzte Eiche am Nikolaihof in Bardowick. (Foto: jj)

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Es gibt auch andere Methoden der Holzernte als Harvester. Solche, die den Waldboden gesund halten. Ist natürlich auch bekannt. Scheint aber zu teuer zu sein, kurzfristig gedacht. Aber wer einmal diese scheußlichen tiefen Harvesternarben im Waldboden gesehen hat, wünscht sich schon was Besseres für die Zukunft.