Donnerstag , 15. November 2018
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Mit einem Zwei-Mann-Kreuzfahrtschiff erkunden die Wettpaten Thomas Lohmann (l.) und Eckhard Panz die Elbe zwischen Hohnstorf und Lauenburg. Foto: phs

Speise-Eis und andere Überraschungen

Hohnstorf/Elbe. Zur Überraschung vieler Gäste der nunmehr 25. Hohnstorfer Eiswette gab es am Sonntag an der Elbe tatsächlich Eis. Wenn auch nur als Konfekt, das Wettpate Eckhard Panz, in Bademantel gewandet und mit Sonnenbrille auf, aus einer Kühlbox heraus verteilte. Zuvor war Panz mit einem zur „Aida ElbeCruises“ umgebauten Motorboot über den Elbestrom geschippert, mit Thomas Lohmann als Kapitän, begleitet von aufsteigenden Silvesterraketen vor dem Panorama der Lauenburger Altstadt. Derweil begrüßte Gemeindebürgermeister André Feit die mit Zylindern behüteten, geladenen Gäste sowie freiwillige Zuschauer am Hohnstorfer Ufer „zum etwas anderen Neujahrsempfang“. Später lieferte sich Feit im Saal des Hohnstorfer Fährhauses einen verbalen Schlagabtausch mit dem Überraschungsgast: dem frischgebackenen LZ-Chefredakteur Marc Rath.

Hintergrund: 1993 hatte der damalige – und gefühlt ewige – Hohnstorfer Bürgermeister Jens Kaidas die Hohnstorfer Eiswette nach Bremer Vorbild aus der Taufe gehoben. 17 Jahre lang überprüften Rolf Lohmann und Erich Panz jedes Jahr aufs Neue vor Publikum, ob „de Elv geit oder steit“. Seit 2011 machen das ihre Söhne Thomas Lohman und Eckhard Panz. Mit immer wieder neuen Gefährten inszenieren sie ihren Auftritt. Diesmal mit ihrem Mini-Kreuzfahrtschiff für zwei Personen. Rund 100 Wettpaten warteten diesmal auf ihr Urteil.

Lohmann: „Wir kommen ja gerade von der Kreuzfahrt, und wenn man aus dem Urlaub kommt, hat man ja immer den Eindruck, dass das zu Hause alles kälter ist als vorher.“ Doch Eis auf der Elbe konnte er nicht erspähen. Auch Panz schaute noch einmal durchs Fernrohr auf Fluss und Publikum: „Eis kann ich auch nicht sehen. Dafür aber ganz viele falsche Zähne.“ Also: „De Elv geit!“ Der Reinerlös der Eiswette sowie der Hutsammlung aus dem Saal soll diesmal dem Hohnstorfer Bienenprojekt zugute kommen. Die Gemeinde Hohnstorf verteilte bereits 2017 kostenlos bienenfreundliche Saatgutmischungen an interessierte Hohnstorfer und bezuschusste den Kauf von Bienenvölkern. Zum anderen soll der Jugendclub von der Eiswette profitieren, der sich für seinen Treff einen Fußballkicker gewünscht hat.

Ansprache vor rund 200 Gästen

Aus der Laufbahn gekickt hat es in der Vergangenheit so manchen Berufspolitiker, nachdem er als Überraschungsgast bei der Hohnstorfer Eiswette auftreten durfte. Feit zählte die Opfer auf von Ex-Ministerpräsident Christian Wulff über Bernd Althusmann, der zwischenzeitlich in Afrika abgetaucht war, bis hin zu Christian Meyer, der vergangenes Jahr noch als Landwirtschaftsminister in Hohnstorf auftrat und heute auf der Oppositionsbank sitzt. Feit: „Man kann ja keinem Politiker mehr guten Gewissens raten, hier aufzutreten“, sagte er bei seiner Ansprache vor rund 200 Gästen im Saal des Restaurants Hohnstorfer Fährhaus. Also diesmal kein Politiker, sondern einer, der Politikern genau auf die Finger schaut. Feit sagte über den neuen LZ-Chefredakteur Marc Rath: „Die notwendige Schärfe in Wort und Schrift wurde ihm schon in die Wiege gelegt, denn er wurde in der Messerstadt Solingen geboren. Ich habe mit seiner Frau telefoniert, die sagt noch darüber hinaus: Er ist ein scharfer Hund! Immer noch!“

„Arsch huh, Zäng ussenander!“

Bürgermeister Feit zählte Raths Verdienste auf, darunter vor allem die Aufdeckung des „Stendaler Wahlbetrugs“. Für die Berichterstattung war Rath 2017 als Lokaljournalist des Jahres in der Kategorie „Reporter regional“ ausgezeichnet worden. Und nun ermunterte Feit den neuen LZ-Chefredakteur, in Lüneburg genauso weiterzumachen: „Stendal ist überall!“ Und er fügte launig an: „Herr Rath, lassen Sie Politiker und andere Funktionsträger zittern! Und wenn Sie anfangen … ja, wenn Sie damit anfangen, dann fangen Sie nicht in Hohnstorf an. Hier ist alles in Butter!“ André Feit grinste und deutete in den Zuschauerreihen auf Marc Raths Sitznachbarn: „Fragen Sie doch mal Landrat Manfred Nahrstedt, wie es ihm gerade so geht.“

Dann durfte Rath ans Mikrofon und gab Feit eine passende Antwort: „Nicht nur bei Ihnen pflastern politische Leichen den Weg. Sie haben ja auch bei mir die eine oder andere ausfindig gemacht. Insofern sind Sie also ein Mann, der weiß, worauf er sich einlässt, oder zumindest einer, der das Risiko liebt.“ Doch allen, denen Feit vielleicht Angst eingejagt haben mochte, wer da nun am Rednerpult stehe, sagte Rath, er bevorzuge in der Auseinandersetzung „das direkte Duell, und zwar mit Florett und offenem Visier“. Das mache für ihn auch den Reiz des Lokaljournalismus aus. „Lokaljournalismus ist bisweilen unbequem und Lokaljournalisten müssen es auch sein.“ Getreu dem Motto seiner rheinischen Heimat: „Arsch huh, Zäng ussenander!“ (Letzteres: „Zähne auseinander!) Gleichwohl müsse man sich auch im Alltag wieder begegnen können.

Und für all‘ jene, „die in Zukunft mal Ärger mit uns haben oder über uns verdrossen sind“, schloss Rath seine Rede mit einem Zitat von Kurt Tucholsky: „Die Ereignisse haben manchmal unrecht – die Zeitung hat es nie.“