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Dr. Antje Seidel (l.) und Annika Weiser mit den Bierdeckeln, die sie in Lüneburger Lokalen ausgelegt haben. Etliche Bürger haben darauf ihre Ideen für Lüneburg notiert. Foto: t&w

Gemeinsam den Alltag leichter machen

Lüneburg. Mobilität ist ein heiß diskutiertes Thema in Lüneburg, vor allem der Wunsch nach einer verbesserten Radinfrastruktur ist groß. Wie hilfreich wäre da e ine Plattform, die die ideale Verkehrsvariante für eine bestimmte Route verrät? Wie erreicht jemand, der kein Auto hat, einen Supermarkt, um drei Kisten Cola zu kaufen? Und wie schafft er seinen Einkauf nach Hause? Initiativen, Mobilitätsexperten und Verwaltungsmitarbeiter haben sich zusammengesetzt und gemeinsam an einer Lüneburger Lösung gefeilt. Das Ergebnis ist das Portal „Mobil in Lüneburg“, das einen Fokus auf Lastenräder legt. Doch was ist zu tun, wenn ein wichtiger Radweg wegen eines umgestürzten Baumes nicht befahrbar ist? Hier soll die Meldefunktion Abhilfe schaffen: Auf der Plattform haben Verkehrsteilnehmer die Möglichkeit, etwaige Hindernisse oder Probleme direkt der Stadt mitzuteilen.

125 Lüneburger entwickeln gemeinsam Ideen

Es ist nur eine Maßnahme, die jetzt in der zweiten Phase des Projekts „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ entwickelt wurde. 125 Lüneburger haben dafür in insgesamt fünf Workshops zu verschiedenen Themen gearbeitet, dabei waren Einzelhändler, ebenso wie Mitarbeiter kommunaler Betriebe und der Stadt, etliche Interessenvertretungen, Initiativen, Landwirte, Kleingärtner und auch die LZ.

„Es ging ans Eingemachte“, sagt Dr. Antje Seidel (40), die gemeinsam mit Annika Weiser (32) die Projektkoordination inne hat. Beide hatten sich damals auf die speziell für das Projekt ausgeschriebenen Stellen als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen beworben.

Beide wissen, dass sie bei ihrer Arbeit auf die Menschen vor Ort angewiesen sind. „Nur mit ihnen kann in Lüneburg auch etwas geschehen“, sagt Seidel und verweist an die Stadt: „In der Verwaltung muss dann noch der entsprechende gesetzliche Rahmen geschaffen oder aufgezeigt werden, wo dieser liegt.“ Mit manchen Projekten wolle man auch deutschlandweit eine Vorbildfunktion übernehmen, andere Städte animieren, nachzuziehen.

Ebenso hat das Team, das von Prof. Dr. Daniel Lang und Prof. Dr. Uli Vilsmaier von der Leuphana geleitet wird, aber auch nach Erfolgsgeschichten in anderen Städten und Regionen gesucht. Viele Aspekte sind jetzt auch in die Lösungen für die Hansestadt geflossen. Längst werden Lastenräder schon als Fortbewegungsmittel im Wirtschaftsverkehr eingesetzt, Orientierung bietet zudem die Webseite „FixMyStreet“. In vielen Ländern der Welt haben Bürger dort die Möglichkeit, Schäden an der städtischen Infrastruktur online und direkt zu melden.

Weiser sagt, dass an vielen Thementischen der Wunsch nach niedrigschwelligen Beteiligungsmöglichkeiten geäußert worden sei. „Die Menschen hier vor Ort wollen etwas angehen“, sagt sie. Rund 30 Maßnahmen seien am Ende zusammengekommen. „Wir konnten aber einige miteinander verknüpfen und sind deshalb jetzt bei 15.“

Der nächste große Meilenstein steht am Donnerstag, 1. März, an: Dann stellt das Team bei der Leuphana-Konferenzwoche die Maßnahmen im Foyer des Zentralgebäudes vor, die Lüneburger Öffentlichkeit darf diese dann bewerten. „Wir möchten die Menschen, die diese Ideen entwickelt haben, mit denen zusammenbringen, die ebenso Interesse haben, in Lüneburg etwas zu verändern“, sagt Antje Seidel, „denn wir als Uni können all das nicht umsetzen, deshalb möchten wir den Leuten Appetit machen“.

Von Anna Paarmann

Hintergrund

Hoffnung auf Fördermittel

Die Stadt Lüneburg ist Teil des bundesweiten Wettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das Projekt gliedert sich in drei Phasen auf. Im ersten Teil haben 750 Erstsemester-Studenten, 150 Praxispartner und 50 Experten aus der Wissenschaft 25 Visionen für ein nachhaltiges Lüneburg entwickelt. Die Stadt hatte sich auf die Förderung beworben und die Leuphana als Partner an Bord geholt. Zurzeit steht das Projekt kurz vor Abschluss der zweiten Phase, 20 Kommunen sind noch dabei. Unter acht Auserwählten wird am Ende eine siebenstellige Förderungssumme aufgeteilt. Mit dem Geld sollen die Maßnahmen getestet und bestenfalls dann umgesetzt werden. Mehr Informationen gibt es auf der Seite www.lueneburg2030.de im Internet.

Lösungen für Lüneburg

Lokales Wirtschaften, Maßnahmen zur Klimaadaption, Stadtleben gestalten, Partizipation und Stadtentwicklung, vernetzen und versorgen – diesen Themen waren die Workshops untergeordnet, in denen Lüneburger konkrete Maßnahmen für ihre Stadt entwickelt haben. Fünf von ihnen stellt die LZ bereits jetzt vor.

Servicestelle Ehrenamtliche

Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, opfern ihre Freizeit gern Projekten, an die sie glauben. Viele engagieren sich neben ihrem Hauptjob, demnach ist ihre Zeit begrenzt. Und manchmal hapert es auch am Wissen. Eine zentrale Anlaufstelle soll Ehrenamtlichen bestimmte Aufgaben abnehmen, wer sich beispielsweise nicht mit Buchhaltung auskennt, kann diesen Bereich auslagern.

Klimaanpassung

Vieles ist in Lüneburg aufgrund des Denkmalschutzes nicht möglich – Ideen, Solaranlagen auf Dächern zu installieren oder mehr Grün in die Innenstadt zu bringen, wird deshalb schnell ein Riegel vorgeschoben. Doch was ist in Lüneburg möglich, wenn man die Tabus mal außer Acht lässt? Ein Denkmalpfleger hatte die Idee, historisch gewachsene Grünstrukturen, beispielsweise frühere Gärten, wiederzubeleben. Bei Starkregen können so Schwammeffekte in der Innenstadt erzeugt werden und das Wasser fließt nicht ungenutzt ab.

Wohnprojekte-Kontor

Es gibt verschiedene Wohnformen: Nicht jeder interessiert sich für das „klassische Leben“ in einem Einfamilienhaus mit Garage und Garten. Ein Treffpunkt soll diejenigen, die bereits in einer großen WG oder einer Bauwagensiedlung leben, mit denen zusammenbringen, die sich dafür interessieren. Der Hintergrund: Studien zufolge sollen alternative Wohnformen, die schon von Beginn an in ein neues Viertel integriert wurden, positive Auswirkungen auf die Nachbarschaft und die Wohnzeit haben.

Grüner Giebel

Wesentliche Lüneburger Wirtschaftszweige sollen bis 2030 CO²-neutral gestaltet werden. Bedeutet: Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel beteiligen sich am Klimaschutz, indem sie mit Landwirten und Akteuren, die Treibhausgase nutzen oder speichern können, zusammenarbeiten. So kann der Betreiber einer Schokoladenmanufaktur die Menge CO², die er trotz Einsparungsmaßnahmen nicht vermeiden kann, in Form eines lokalen Zertifikats kaufen. Ein Landwirt baut das Äquivalent dann beispielsweise in Form von Humus an.

Kommunikationskanäle

Wie erfährt man in einer Stadt von Beteiligungsmöglichkeiten? Es gibt viele Informationsplattformen, die parallel laufen. Wieso diese Quellen also nicht vereinen, um Bürgern einen besseren Überblick zu bieten? Als Infrastruktur können zum Beispiel bestehende Stadtteilhäuser dienen, die ohnehin schon viele Lüneburger im Alltag zusammenbringen. Informationen sollen über digitale und analoge Schwarze Bretter oder Steckbriefe, die verschiedene aktuelle Vorhaben der Stadt aufschlüsseln, gestreut werden. ap