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Der Umzug mit den selbst gebastelten Laternen ist für Kinder ein Highlight – wie hier auf unserem Archivbild bei der traditionsreichen Veranstaltung des MTV Treubund in Lüneburg. Wer solche Märsche künftig begleitet, ist noch nicht klar. (Foto: t&w)

Wer schützt die Laternenumzüge?

Lüneburg/Hannover. Die Polizei soll Laternenumzüge künftig seltener begleiten. Die Feuerwehr darf es aber auch nicht so recht. Diese neue Ent wicklung sorgte im Herbst für Verwirrung, die LZ hatte Mitte Oktober darüber berichtet. Inzwischen beschäftigt das Thema auch den Landtag in Hannover. Die Grünen-Abgeordnete Miriam Staudte aus Echem hat die Diskussion aufgegriffen und eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Die antwortet zwar ausweichend, trotzdem sieht die Politikerin einen positiven Ansatz.

Die Polizei hatte erklärt, dass sie aufgrund ihrer hohen Belastung künftig genauer schauen werde, ob sie Laternenumzüge und andere Veranstaltungen noch mit Beamten absichern könne. Die Veranstalter seien in solchen Fällen, in denen keine Ordnungshüter dabei sind, gefragt, eigene Lösungen zu finden. Feuerwehren könnten eingebunden werden. Doch Brandbekämpfer in der Region hatten abgewinkt: Sie hätten Probleme, die Umzüge zu begleiten. In Südergellersen hatten die Helfer beispielsweise dem Kindergarten eine Absage erteilt, man könne die Lichterkette aus rechtlichen Gründen nicht absichern.

Feuerwehr darf nicht „verkehrslenkend“ eingreifen

Kreisbrandmeister Torsten Hensel sagte damals: „Ich habe die Feuerwehren darauf hingewiesen, dass sie Laternenumzüge zwar begleiten, aber eben nicht verkehrslenkend eingreifen dürfen. Wenn jemand an einer Absperrung vorbeifährt und es passiert etwas, haben wir ein Problem.“ So sollen als Konsequenz die Kinder mit ihren Laternen und den Eltern auf Bürgersteigen bleiben – die sind auf den Dörfern ja häufig nicht besonders breit. Nicht nur Hensel selbst empfand das als „unpraktisch“ und nicht besonders nahe an der Realität.

In der Stellungnahme des Innenministeriums heißt es nun bestätigend, dass der Feuerwehr laut Straßenverkehrsordnung keine Befugnisse zustünden, verkehrslenkend einzugreifen: „Diese obliegt allein den Straßenverkehrsbehörden und in bestimmten Situationen der Polizei.“ Nur im Einsatzfall dürften die Ehrenamtlichen Straßen absperren. Allerdings sehe es in der „geübten Praxis“ so aus, dass Feuerwehrleute bestimmte Umzüge sicherten.

Miriam Staudte wertet das so: „Die Landesregierung antwortet auf konkrete Fragen sehr ausweichend. Jeder Veranstalter sei aufgefordert, den Verkehrsraum so wenig wie möglich in Anspruch zu nehmen. Mit dieser allgemeinen Aussage umgeht sie eine klare Positionierung, ob denn nun künftig das zeitweilige Sperren von Straßen durch die Feuerwehren möglich sein soll oder nicht. Grund zur Hoffnung gibt allerdings die Ankündigung, dass man mit Kommunen und Feuerwehren in einen ,ergebnisoffenen Dialog‘ eintreten möchte. Das wird vermutlich bei der anstehenden Novelle des Brandschutzgesetzes der Fall sein.“ Es dauert also noch, bis es klarere Regelungen gibt.

Von Carlo Eggeling

5 Kommentare

  1. Dann können wir diesen Unsinn ja nun abschaffen und die Polizei kann ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen. 🙂

  2. Ich streike mit meiner Laterne
    und meine Laterne mit mir!
    Die Zukunft steht in den Sternen,
    das Innenministerium bleibt stur wie ein Stier.
    Das Geld ist aus, wir gehen nach drauß‘,
    Rabimmel, Rabummel, Rabamm!

  3. Damit springt man wohl auf die Schiene, da ja nun bei den Fußballspielen auch weniger Polizeipräsents gezeigt wird und man so versucht Einsparungen vorzunehmen und Kosten auf die Veranstalter und Vereine abzuwälzen.
    Persönliche Anmerkung meinerseits;
    Gute Idee, aber spätestens wenn es Tote zu beklagen gibt, weil ein Autofahrer nicht aufgepasst hat und in einen Laternen Umzug rein gerast ist, fragt man sich dann wie so etwas passieren konnte. Aber die Polizei ist ja im Bedarfsfall weiterhin anwesend. Ich stehe der Sache ziemlich gemischt gegenüber, da nicht jeder dazu geeignet wäre bei einer Zugsicherung mit zu wirken und die daraus resultierenden Kosten müssten entweder von der Schule/Kita/Vereine getragen und an die Eltern weiter gegeben werden müssen. In der heutigen Zeit versuchen uns die Politiker zwar immer weis zu machen, dass es ja bergauf geht, doch ich behaupte mal die Realität sieht anders aus, sonst müssten teilweise ja nicht beide Elternteile arbeiten um die Monatlichen Lebenshaltungskosten zu bestreiten und wenn da noch zusätzliche Kosten wegen einer Brauchtumsveranstaltung hinzu kommen, könnte das wirklich das Aus für einen Teil Brauchtum bedeuten.
    P.S.
    Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts ist „Ich geh mit meiner Laterne“ zu einem der bekanntesten Kinderlieder überhaupt geworden, was vor allem auf seine Pflege in Kindergärten und Grundschulen zurückzuführen ist, wo Laternebasteln und Laternenumzug Teil einer projekt- und erlebnisorientierten Pädagogik geworden sind.

  4. Norbert Kasteinecke

    >Die Polizei hatte erklärt, dass sie aufgrund ihrer hohen Belastung …<

    Zu viele Bundesligaspiele?
    Oder wie erklärt die Polizei sonst ihre hohe Belastung?

  5. „Jeder Veranstalter sei aufgefordert, den Verkehrsraum so wenig wie möglich in Anspruch zu nehmen.“

    Klingt wie eine Ausgangssperre!!. Öffentlicher Raum darf nichz genutzt werden? Wer bezahlt denn die Strassen in den Kommunen und Gemeinden, die Anwohner bzw. Anlieger?
    Laternümzüge fanden bisher nicht auf Autobahnen und dem Schienenetz statt.
    Der Verkehrsraum in den Gemeinden sollte dem Wohle aller dienen…