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Ab sofort kann man sich in der Hausbar kostenlos Wasser in mitgebrachte Gefäße füllen lassen. Janosch Voß, Clara Reich und Niklas Meyer-Breitkreutz (v.l.)hoffen, dass noch mehr Refill-Stationen in Lüneburg an den Start gehen. (Foto: plu)

Auffüllen statt neu kaufen

Lüneburg. Wer in der Innenstadt unterwegs ist und Durst bekommt, muss jetzt kein Wasser mehr in Plastik-Einwegflaschen im Laden kaufen. Die „Refill-Initiative“, die sich immer mehr in Deutschland verbreitet, ist jetzt auch in Lüneburg angekommen. Als erste „Refill-Station“ Lüneburgs füllt jetzt die „Hausbar“ in der Rotehahnstraße durstigen Passanten kostenlos Wasser in mitgebrachte Gefäße ab. Eine Nachhaltigkeitsinnovation, die drei Lüneburger Studenten derzeit unter die Lupe nehmen.

Als Clara Reich, Studentin der Nachhaltigkeitswissenschaften an der Leuphana, in einer Zeitschrift zufällig auf die Refill-Initiative aufmerksam wird, ist die Suche nach einem passenden Thema für ihre Forschungsarbeit beendet – und auch ihre beiden Kommilitonen Janosch Voß und Niklas Meyer-Breitkreutz sind sofort begeistert. Seit zehn Monaten forschen die drei nun zu dem Thema „Nachhaltiger Konsum“. „Wir wollen herausfinden, wie erfolgreich Nachhaltigkeitsinnovationen sein können und wie man es schaffen kann, dass möglichst viele Leute mitmachen“, erklärt die 23-jährige Clara Reich. Das Forschungsobjekt: die Refill-Initiative.

Ursprünge in Großbritannien

Ursprünglich 2015 in Bristol/Großbritannien entstanden, schwappte die Initiative im März dieses Jahres nach Hamburg herüber, wo Gründerin Stephanie Wiermann den Grundstein für die Bewegung in Deutschland legte. Heute beteiligen sich Unterstützer bereits in rund 50 Städten deutschlandweit. Das Konzept ist simpel: Läden, die sich an der Initiative beteiligen, füllen Passanten Leitungswasser in mitgebrachte Wasserflaschen – und zwar kostenlos. „Ein Liter Trinkwasser kostet in Deutschland ungefähr 0,2 Cent“, sagt Clara Reich, „im Vergleich zu Mineralwasser aus dem Supermarkt ist das total günstig. Der geringe Betrag für das Wasser ist also sozusagen der soziale Beitrag der Anbieter.“

Zu erkennen sind die Refill-Stationen, also die Geschäfte oder Lokale, die sich beteiligen, an dem hellblauen Refill-Aufkleber am Fenster oder der Tür. „Das können Hotels sein, Bars, Restaurants, Cafés, aber auch zum Beispiel ein Friseurgeschäft oder eine Bankfiliale“, erklärt Niklas Meyer-Breitkreutz.

Mehr als 50 Stationen in Hamburg

Refill – das stehe dafür, Plastikmüll zu vermeiden, die Umwelt zu schützen, gutes Wasser zu trinken und Menschen zu inspirieren, plastikfreier zu leben, erklären die drei Studenten. „Da kommen soziale und ökologische Aspekte zusammen. Refill soll allen Menschen Zugang zu Trinkwasser ermöglichen und das Wir-Gefühl einer Stadt stärken“, sagt Janosch Voß.

Während es in Hamburg zum Beispiel bereits mehr als 50 Refill-Stationen gibt, ist die Hausbar in Stadt und Landkreis Lüneburg die erste Station. Auch die Nachfrage ist bisher noch gering – das wollen Clara Reich, Janosch Voß und Niklas Meyer-Breitkreutz jetzt ändern. „Bisher ist die Initiative noch nicht so bekannt. Wir wünschen uns aber, dass die Hemmschwelle sinkt und die Leute sich trauen, nach Wasser zu fragen“, erklärt Voß. „Unser Ziel ist es außerdem, in Lüneburg noch weitere Stationen zu gewinnen.“

Weitere Informationen zu der Refill-Initiative, zum Beispiel darüber, wie man Refill-Station werden kann, sowie eine Karte mit allen deutschen Refill-Städten darauf gibt es im Internet unter www.refill-deutschland.de.

Von Patricia Luft

One comment

  1. Na, Bank und Co. werden ihren Spaß haben, wenn der erste „Kunde“ behauptet, er/sie hätte sich wer weiß was geholt mit dem abgefüllten Wasser. Wir sprechen hier von der Ausgabe von einem Lebensmittel. Diese Versuche scheitern bereits seit Jahren im Einzelhandel an den Hygienevorschriften (Mitbringen eigener Gefäße für offene Waren) und jetzt sollen Brillengeschäfte das wuppen? Wenn jemand seine leere Flasche zur Befüllung übergibt, ist diese soeben geleert worden und in keinster Weise gereinigt. Wer in aller Welt soll bitte diese Verantwortung übernehmen? Blumenkohl am Mund als kostenlose Beigabe für den nächsten „Kunden“?