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Bürgermeister Dr. Scharf hat sich in einem Video (hier ein Screenshot) über Gedenkkultur geäußert. Gedreht und veröffentlicht wurde der Clip von einem suspendierten Grundschullehrer, der mit rechtsextremen Botschaften aufgefallen ist.

Gedenkkultur-Debatte: Wie kommt Bürgermeister Dr. Scharf in den rechten Videokanal?

Lüneburg. Dr. Gerhard Scharf, Bürgermeister der Hansestadt Lüneburg, hat sich in einem Video auf Youtube zur Gedenkkultur geäußert, und das wird zum Politikum. Denn ins Netz hat das Video ein Grundschullehrer aus Berlin gestellt, der vom Dienst freigestellt wurde, weil er auf seinem YouTube-Kanal „Der Volkslehrer“ immer wieder Hassvideos und rechtsextreme Inhalte veröffentlicht.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge spricht von „unglücklichen Äußerungen“ Scharfs, die Linke formuliert deutlich schärfer, manches sei schlicht „untragbar“.

Im Video ist Scharf kaum zu sehen, nur einmal ganz kurz huscht er durchs Bild. Dafür aber ist er deutlich zu hören. Und das hätte er besser bleiben lassen. Vermutlich wusste er nicht, mit wem er da plaudert. Minutenlang spricht Dr. Gerhard Scharf über den Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division Am Springintgut.

Für den Lüneburger CDU-Politiker und ehrenamtlichen Bürgermeister ist das nun ein Problem, weil sein Gesprächspartner im Video der umstrittene Grundschullehrer Nikolai N. aus Berlin ist. Das hat Scharf nicht gewusst. Er sei arglos gewesen, habe den Mann zufällig getroffen.

Deutliche Kritik kommt von den Linken

Scharf selbst möchte sich zu dem Video mit dem Titel „Auf der Pirsch in Lüneburg – ein Bürgermeister spricht Klartext“ aktuell nicht äußern, er verweist auf eine mit dem Oberbürgermeister und der Pressestelle der Stadt abgestimmten Erklärung. Zur LZ sagt Scharf: „Sie kennen mich, ich bin Manns genug, immer offen meine Meinung zu sagen, aber bitte haben Sie Verständnis, dass ich es in diesem Fall dabei belassen möchte.“ In der Erklärung heißt es, das Video könne „schon als sehr unglücklich aufgefasst werden. Dieses liegt weniger an den einzelnen Äußerungen von Dr. Scharf als an der sehr geschickten und vereinnahmenden Art und Weise, mit denen der Blogger die Worte von Dr. Scharf deutet und bewertet“.

Scharf habe der Stadt gegenüber deutlich gemacht, „dass er bei dem zufälligen Zusammentreffen arglos und ohne böse Hintergedanken als Privatmann drauflos gesprochen hat und weder wusste, mit wem er es zu tun hat noch, dass sein Gegenüber praktisch den ganzen Gesprächswechsel im O-Ton aufgezeichnet hat. Wäre dieses der Fall gewesen, so wären bei Dr. Scharf sicherlich die Antennen für die permanente Vereinnahmung und Wertung seiner Worte geschärft gewesen“.

Deutliche Kritik kommt von den Linken. Sie wirft ihm unter anderem „die Instrumentalisierung der Opfer von Nazi-Verbrechen in der weißrussischen Stadt Osaritschi vor, an denen die 110. Infanterie-Division aus Lüneburg beteiligt war“.

Mehr dazu lesen Sie am Mittwoch in der LZ.

Die Stellungnahme der Stadt Lüneburg im Wortlaut:

„Die Hansestadt Lüneburg hat nach Bekanntwerden des fraglichen Videos mit Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf darüber gesprochen, dass dieses schon als sehr unglücklich aufgefasst werden kann. Dieses liegt weniger an den einzelnen Äußerungen von Dr. Scharf als an der sehr geschickten und vereinnahmenden Art und Weise, mit denen der Blogger die Worte von Dr. Scharf deutet und bewertet. Herr Dr. Scharf hat der Hansestadt gegenüber deutlich gemacht, dass er bei dem zufälligen Zusammentreffen arglos und ohne böse Hintergedanken als Privatmann drauflos gesprochen hat und weder wusste, mit wem er es zu tun hat noch, dass sein Gegenüber praktisch den ganzen Gesprächswechsel im O-Ton aufgezeichnet hat. Wäre dieses der Fall gewesen, so wären bei Dr. Scharf sicherlich die Antennen für die permanente Vereinnahmung und Wertung seiner Worte geschärft gewesen. Dieses zunächst einordnend zur Entstehung dieses Videos.

Zu der jetzt inhaltlich geäußerten Kritik bleibt die gemeinsam von der Hansestadt und auch Dr. Gerhard Scharf vertretene Linie festzuhalten. So hat sich der Verwaltungsausschuss, dem Mitglieder aller Parteien des Rates angehören, zuletzt am 17. Oktober 2017 mit einer Petition zu dem Denkmal auseinandergesetzt und ohne Gegenstimmen einen Beschluss gefasst. Beschlossen wurde, dass die Verwaltung mit der Manzke-Friedensstiftung über eine textliche Präzisierung und damit Verbesserung des aufgestellten Schildes am Wall-Aufgang spricht. Darüber hinaus möchte die Hansestadt die Anregung aufgreifen und die Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten bei diesen Fragen mit hinzuziehen, so wie wir es bei anderen Denkmälern auch bereits getan haben. Dieses wird jetzt im neuen Jahr abgearbeitet.

Die Hansestadt hat es als Ehre empfunden, im vergangenen Jahr die Zeitzeugen der unfassbaren Gräueltaten in weißrussischen Ozarichi zu empfangen (11. August 2017). Dieses hat Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf als offizieller Vertreter mehrfach deutlich gemacht, ebenso dass die Stadt hier eine besondere Verantwortung trägt. Der Empfang galt sechs älteren Damen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges in Weißrussland Gefangenschaft, Gewalt und Massensterben im deutschen Konzentrationslager Ozarichi als Waisenkinder überlebt haben. Die Hansestadt dankt in diesem Zuge auch noch einmal den Begleitpersonen, die es erst möglich gemacht haben, die Überlebenden zu empfangen.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagte: „Ganz unabhängig davon gibt es natürlich Debatten darüber an welcher Stelle und in welcher Form Erinnerungskultur stattfinden soll und es ist auch gut so, wenn wir uns darüber auseinandersetzen. Herr Dr. Scharf ist bekannt dafür, dass er ein offenes Wort schätzt und sich lange und mit sehr persönlichem Blick mit dem Thema Krieg, Flucht und Vertreibung beschäftigt hat. Ich fände es unfair unglückliche Äußerungen gegen ihn zu verwenden. Dr. Scharf ist ein Bürgermeister, der die Hansestadt bei offiziellen Anlässen immer gut, engagiert und sehr redlich vertritt. Als diesen schätze ich ihn.“

36 Kommentare

  1. Zwischen 1941 und 1945 wurden in der „Kinderfachabteilung” der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg 300 bis 350 Kinder und Jugendliche ermordet (https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=180099). Hat der ehemalige Kriegsflüchtling und Schuldirektor, der heutige Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf, dem rechtsextremistischen Hassprediger, dem er ein Interview über „Gedenkkultur“ gab, auch von der Gedenkstätte auf dem Psychiatriegelände erzählt, auf welchem an diese furchtbaren, weithin verdrängten Morde erinnert wird?

    Ist es nicht hohe Zeit, den Bürgermeister zu verabschieden? Wie will Herr Dr. Scharf, sollte er das „versäumt“ haben, jemals wieder glaubhaft für die Lüneburger Bürgerschaft insgesamt eintreten können?

    • Es gibt unzählige Dinge, an die wir uns erinnern müssen, aber in dem Fall ging es eben um das Soldatenmahnmal und Herr Scharf hat selbstverständlich den Mord an den Juden erwähnt, wenn sie den Beitrag aufmerksam verfolggt hätten. Statt wie Sie es hier mit Nazimethoden versuchen und nach Entlassung schreien, seien Sie doch vernünftig und gehen in den Dialog. Sollte es für oben genanntes zuwenig Aufmerksamkeit geben, dann ist das bedauerlich, aber das muss ja nicht bleiben. Aber deswegen hier Entlassung zu fordern, finde ích sehr hasserfüllt von Ihnen. Was denken Sie sich eigentlich?

      • Ich glaube nicht, dass Herr Dr. Scharf auf die Unterstützung durch Ihr wirres Gestammel angewiesen ist. Als einem rechtschaffenen Verfassungspatrioten konservativer Prägung wird ihm gerade die Tatsache, dass nun Gestalten wie Sie sich anonym an ihn herandrängen und aus seiner Misere billigen Propaganda-Support für ihren abgestandenen Köhlerglauben ziehen möchten, bewusst machen, wie unausweichlich sein sofortiger Rückzug ist, um diesen grässlichen Bodensatz aus Unkenntnis, Dummheit und Ressentiment nicht noch weiter aufzuwühlen.

        • Herr Schnell, bleiben Sie entspannt. Und hören Sie auf mit billigen Vermutungen und Beleidigungen (Gestammel, herandrängen, grässlicher Bodensatz, Dummheit, Ressentiment)! Was bilden Sie sich eigentlich ein? Nein, ich passe definitiv nicht in ihr Feindbild, da muss ich Sie enttäuschen. Aber „stammeln“ Sie ihr vermeintlich intelliktuelles Zeug ruhig weiter vor sich hin. Lichtvolle Grüße aus dem „grässlichen Bodensatz“ in den linksgrünen Morast.

          • Im Unterschied zu Ihnen und Ihren Freunden habe ich kein „Feindbild“, sondern reagiere nur mit einem kurzen, scharfen Zischen, wenn kleine ungezogene und offensichtlich mental desorganisierte Kläffer um meine Waden herum springen.

            Ich bilde mir ein, Herrn Dr. Scharf darauf aufmerksam machen zu dürfen, dass seine überraschende Filmkarriere zu genau den unerquicklichen Konsequenzen geführt hat, die zu erwarten waren und deren weiteres Eskalieren nur er noch – zum Wohle Lüneburgs – verhindern kann, indem er umgehend die Konsequenzen aus seinem Engagement in der digitalen und damit (fast) ewigen Fabrikation des Hasspredigers Nikolai Nerling zieht und erklärt:

            „Um weiteren Schaden von Lüneburg abzuwenden, lege ich heute, Montag, den 15. Januar 2018, alle meine kommunalen Ämter und Mandate nieder.“

          • Mancher Meinungsaustausch enbehrt hier nicht einer gewissen Komik. Linksgrüner Morast war mir bislang unbekannt…

          • @Kevin Schnell. Sie kennen weder mich noch meine Freunde. Der einzige, der hier ungezogen ist, das sind Sie. Haha, als wenn es wen interessiert, was Sie hier fordern. Über ihr zischen kann ich nur lachen. Wann haben Sie das letzte mal wie ein richtiger Tiger gebrüllt? Ich schätze, dass haben Sie noch nie. Filmkarriere von Dr. Scharf? Dass ich nicht lache. Hassprediger Nikolai? Sie sollten ihre Mittel absetzen oder statt kleinlaut herumzuzischen mal ein paar Fakten nennen. Wo genau ist bei Hr. Nerling die „Hasspredigt“? Sie sollten SCHNELL ihr Wutproblem in den Griff kriegen. Dann bleiben Ihnen in Zukunft auch die kleinen Kläffer vom Leibe 🙂

    • Hallo Herr Schnell
      ich bin ein bisschen zwiegespalten. dr. scharf war erstaunlich naiv, so bei diesem thema zu reagieren. er ist von seiner überzeugung ein kind seiner erfahrungen und was man ihm erzählt hat. sie wissen schon, lüneburg ist eine ämterstadt mit einer nicht gerade rühmlichen vergangenheit der neuzeit. nazis saßen überall in den ämtern. dazu war sie eine garnisonenstadt. herr mädge lässt da bestimmt gern besonders freundlich grüßen. dieses denkmal, um was es hier geht, hätte schon längst verschwinden müssen. warum ist es nicht geschehen? fragen sie doch mal berufssoldaten. das verklären oder etwas gutheißen ist bekanntlich zweierlei. dr scharf ist als kind geprägt worden und von der summe seiner erfahrungen, warum geht wohl jemand freiwillig in die cdu,schmunzeln? was man ihm wirklich vorwerfen kann, ist seine ignoranz , was kriegsverbrechen durch die wehrmacht angeht. nach dem motto: es war nicht alles schlecht.

      • Hallo Herr Bruns,

        wir sind geprägt, gewiss. Solange wir Kinder sind, mag das als Entschuldigung gelten. Aber spätestens ab dem 18. Lebensjahr gilt für jeden – und auch oder sogar in ganz besonderer Weise für stellvertretende Lüneburger Bürgermeister – der Satz von Jean-Paul Sartre:

        »Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemacht hat, sondern darauf, was wir aus dem machen, was man aus uns gemacht hat.«

        Für Realisten wie Herrn Doktor Scharf möchte ich auch noch an den Satz Leszek Kołakowksis, des bedeutendsten politischen Philosophen des 20. Jahrhunderts, erinnern: »Getäuscht worden zu sein ist in der Politik keine Ausrede.«

        Mit diesem Zitat leitet übrigens der US-Historiker Timothy Snyder seine schmale, sehr lesenswerte Streitschrift aus dem letzten Jahr ein. Sie trägt den Titel: »Über Tyrannei«.

      • Er hat doch gesagt, dass es diese Verbrechen gegeben hat. Aber er hat auch gesagt, dass nicht jeder der 11.000 Soldaten daran beteiligt gewesen ist, sondern nur ein Bruchteil von Freiwilligen. Es gibt überhaupt nichts zu beschönigen an solchen Verbrechen, aber deswegen muss man das Denkmahl der Soldaten doch auch nicht schänden. Und in dem Video haben die beiden betont, dass es um Versöhnung geht. Ich frage mich ernsthaft, ob Kritiker das mitbekommen haben. Kann es sein, dass sie das Video nicht angeschaut haben? Wie verbohrt muss man sein, wenn man den Bürgermeister nun zum Rücktritt auffordert? Kann es sein, dass Sie Versöhnung (mit der eigenen, deutschen Vergangenheit) überhaupt gar nicht möchten?

  2. der grundschullehrer hat wohl gewusst, mit wem man solche ,,filmchen,, drehen kann. an zufall glaube ich nicht. was heißt hier arglos? redet derjenige ohne beobachtung anders daher, als mit beobachtung? richtet sich die meinungsfahne nach dem wind, oder nach der eigenen überzeugung? glaubwürdigkeit sieht anders aus. konsequenzen wären hier wohl angbracht.

  3. Dr. Scharf sagt gegen Ende des Videos nachdem er munter geplaudert hat: „Was ich gesagt habe, können Sie verwerten. Dazu stehe ich!“ Von arglos kann also keine Rede sein. Im Übrigen scheint es für Dr. Scharf immer zwei Meinungen zu geben: eine, die er als Bürgermeister öffentlich vertritt und eine als Privatmensch. Je größer die Lücke zwischen den beiden ist, umso unglaubwürdiger ist er.

  4. Für mich ist die schockierend einfältige Borniertheit nahezu unfassbar, die aus den geradezu begeistert vorgetragenen und wieder und wieder bekräftigten Dummheiten des pensionierten Rektors am Gymnasium Oedeme spricht, der seit 1986 im Rat der Hansestadt Lüneburg sitzt und das lange Jahre als stellvertretender Vorsitzender im Schulausschuss (Vorsitz im Schulgrundsatzausschuss seit dem 1. November 2016) und der im Mai 2010 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt. Stolz und unaufgefordert stellt er sich sogar am Ende des abstoßenden Herrenreiter-Gefasels, das über volle acht Minuten (5:53 bis 13:50) geht, dem berüchtigten Youtube-Hetzer Nikolai N. als Dr. Gerhard Scharf und als stellvertretender Bürgermeister aus Lüneburg vor.

    Entsetzlich, wenn so eine rohe, affektgesteuerte und von allen guten Geistern verlassene Gedankenenge alles ist, was die Essenz im Alltagsmeinen eines „öffentlichen“ Mannes von beinahe achtzig Jahren ausmacht, den Oberbürgermeister Ulrich Mädge einmal als „Glücksfall“, und zwar „nicht nur für das politische Leben in Lüneburg“ bezeichnet hat.

  5. Das Video ist kann nicht „(…) als sehr unglücklich aufgefasst (…)“ werden. Es ist Klartext und das ist gut so. Nun wissen wir, wie Herr Scharf zwischen Sonntagsreden und allegemeinem Geplänkel wirklich denkt und es noch nicht einmal hinter vorgehaltener Hand sagt.
    Recht gebe ich der Darstellung, dass er das „ohne böse Hintergedanken“ getan hat und das ist das eigentliche Problem! Es benötigt gar keine „bösen Hintergedanken“ es sind einfach böse Ansichten, die da zu Tage treten und zu denen Herr Scharf offenbar ohne mit der Wimper zu zucken die Freigabe zur Verwertung gibt.
    Als völligen Quatsch sehe ich die Aussage, dass die einzelnen Aussagen von Herrn Scharf nicht dazu führen würden, das Video als „unglücklich“ anzusehen, sondern dass es „(…) an der sehr geschickten und vereinnahmenden Art und Weise, mit denen der Blogger die Worte von Dr. Scharf deutet und bewertet“ liege.
    Falsch: Die Aufnahme scheint nahezu ungeschnitten und unverfälscht das wiederzugeben, was Herr Scharf an Gedankengut und Bewertung mit sich herumschleppt. Da ist ihm nix in den Mund gelegt und interpretiert worden. Einzig ist Herrn Scharf beim Gespräch opportunistisch beigepflichtet worden, wohl in klammheimlicher Freude über diesen Zufallstreffer…

  6. Nicht der rechte Blogger ist das Problem, sondern das Herr Scharf nicht „vereinnahmt“ oder irgendwie rein gelegt wurde, sondern seine eigenen Statements, die man durchaus auch rechts einordnen kann und das er der rechten Wortwahl „antideutsche Propaganda“ nicht widersprochen hat. Das ist sich der OB davon nicht distanziert und Herrn Scharf noch in Schutz nimmt – offensichtlich wurde sich das Hetzvideo nicht angeschaut – ist ein weiterer Skandal. Ein Rücktritt von Herrn Scharf wäre angebracht.

  7. „Herr Dr. Scharf hat der Hansestadt gegenüber deutlich gemacht, dass er bei dem zufälligen Zusammentreffen arglos und ohne böse Hintergedanken als Privatmann drauflos gesprochen hat“.

    Genau hier liegt das Problem. Herr Dr. Scharf ist nicht als Schauspieler bestellt, der im Namen der Stadt den Verständnisvollen gibt, aber die erste blöde Gelegenheit nutzt, um den tumultuarischen Unsinn seiner eigentlichen, seiner privaten Ansichten auszubreiten, der sich in seinem Inneren über „das wahre Verhältnis von Verbrechen, Schande, Scham und Ehrenhaftigkeit“ angesammelt und verhakt hat, — sondern Herr Dr. Scharf ist der Bürgermeister der Stadt Lüneburg, von dem die Bürger der Stadt – insbesondere deren Kinder, Schüler und Heranwachsende, aber auch deren Gäste, deren Besucher und deren Freunde – erwarten dürfen, dass sich sein öffentliches Reden und Handeln mit seinen „eigentlichen“, seinen „pivaten“ Überzeugungungen weitgehend deckt oder diese in jenem unverstellt zum Ausdruck kommen. Nach allem, was auf dem Video dieses unsäglich dummen Hetzers aus dem „privaten“ Munde von Herrn Dr. Scharf zu hören war, würde ich vor der Möglichkeit einer solchen Kongruenz von „privatem“ Denken und „öffentlichen“ Sprechen aber mit Entsetzen zurückweichen und rufen: „Gott bewahre!“

    Jeder, für den Worte noch etwas zählen, wird sagen müssen: Auf einen Schlag hat ein alter Mann sich auf alle Zeiten unglaubwürdig gemacht.

    Herrn Dr. Scharf, einem lebenspraktisch klugen Lüneburger, wird klar sein, dass ihm nur der umgehende Rückzug von allen seinen Ehrenämtern bleibt, will er seine Kollegen nicht zu der weiteren und größeren Schaden verursachenden Peinlichkeit bringen, dass diese sich vor dem Publikum der Stadt und des Landes wider besseren Wissens in „Statements“ oder „Pressemitteilungen“ zu seinen Gunsten verbiegen, was zu tun die Autoren der „Stellungnahme der Stadt Lüneburg“ offenbar schon meinten, ihrem Bürgermeister schuldig zu sein.

  8. Die Entschuldigung, weder wusste er , „mit wem er es zu tun hat noch, dass sein Gegenüber praktisch den ganzen Gesprächswechsel im O-Ton aufgezeichnet hat.“ und er „… arglos und ohne böse Hintergedanken als Privatmann drauflos gesprochen hat …“, ist die nächste Unwahrheit. Deutlich zu hören ist seine Aussage im Video: „Das was ich gesagt habe dürfen Sie verwenden. Dazu stehe ich.“
    Mit anderen Worten offenbart er seine eigentliche, rechte Gesinnung, während er sich im Bürgermeisteramt bisher als Konservativer getarnt hat. Zusätzlich diffamiert und beleidigt er die „Begleiter“, wie er sagt, nämlich Frauen des Kolpingwerks, Leute des VVN-BdA-Lüneburg, Vertreter und Vertreterinnen der Leuphana-Universität sowie ein jüdisches Ehepaar aus Hannover. Als Repräsentant unserer schönen Rote-Rosen-Stadt ist er nunmehr absolut untragbar.

  9. Unglücklich? Nein, unsäglich! Zwei Brüder im Geiste oder altersgemäß stimmiger – Enkel und Grossvater. Erschwerend kommt hinzu beide Pädagogen, Berufskollegen also die es besser wissen müssten (Bernd Höcke lässt grüßen). Der Enkel ist endlich suspendiert, die Ausserdienstnahme des Großvaters sollte konsequenter weise umgehend erfolgen. Wer sich selber derart in den Regen stellt und sich dann auch noch windelweich herauszureden versucht, dem ist nicht zu helfen. Dumm gelaufen, Oberbürgermeister Mägde ließ sich 2017 durch Dr. Scharf zum Empfang der geladenen Gäste aus dem ehemaligen Konzentrationslager Ozarichi vertreten (andere sogenannte Honoratioren erschienen garnicht erst)! Aus heutiger Sicht treffender eine mehr als „unglückliche“ Entscheidung? Wie mögen diese Frauen empfinden, sollten sie erfahren, dass sie im Nachhinein derart zum zweiten Male zu Opfern gemacht wurden.

  10. Norbert Kasteinecke

    Es tut gut mit anzusehen, wie die üblichen Verdächtigen hier wegen der Meinungsäußerung eines Mitbürgers zu Hochform auflaufen.

    Ich denke, es wird mit der Bildung eines Stuhlkreises nicht getan sein, es muss eine Lichterkette und eine Demonstration „Lüneburger gegen Rechts“ her.

    Rücktrittsforderungen gibt es ja bereits, Klagen sind sicherlich schon in Vorbereitung.

    OB Mädge muss dann auch zurücktreten, er hat ja relativiert und sogar in Schutz genommen.
    Also auch Mahnwachen vor das Rathaus – und wie es heute ja üblich ist auch vor das Privathaus des OB.
    Gewerkschaften und die Lüneburger Abteilung der Antifa machen sicher schon mobil !
    Der Staatsschutz ermittelt?

    • Herr Kasteinecke,

      Auch Sie sollten wissen, das es keine moralische Möglichkeit gibt die Wehrmachtsoldaten reinzuwaschen.
      Die überwiegende Mehrheit hat sich, ob durch Zwang oder freiwillig, Kriegsverbrechen schuldig gemacht.
      Da kann man noch so oft betonen das es einige, wenige nicht waren.
      Außerdem finde ich es recht befremdlich, das Sie hier liberale Menschen sofort um dem linken Spektrum zuordnen, wenn die sich m.M. nach zu recht über die Relativierungen des Herr Dr.Scharf echauffieren.
      Sie wollen doch auch nicht der neurechten Bewegung oder rechts-nationalen Kreisen zuordnet werden, denn als konsertativ kann man viele Ihrer Kommentare nicht mehr einstufen.

      • Norbert Kasteinecke

        Nicht zu vergessen der gefühlte 1. WK 1914/18 und 1870/71, 1618-48 und alles was dazwischen- und davorliegt nicht vergessen!
        Wir alle sind schuldig, schuldig, schuldig!
        Sie haben recht – es gibt dafür keine Entschuldigung!

        Und nun ?
        Nicht mehr drüber reden?
        Dauernd drüber reden?
        Alle ehemaligen Wehrmachtsoldaten juristisch zur Verantwortung ziehen?
        Kinder und Großkinder bestrafen und enteignen zur Wiedergutmachung?

        Machen Sie mal Vorschläge.

        • Mir geht es im speziellen nur um den eigenartigen Versuch von Herr Dr.Scharf – wobei er damit nicht allein zu sein scheint – das Renommee der 110. wieder reinzuwaschen.
          Die Wehrmacht war nun einmal keine „normale“Armee.
          Sie war in den Hitlers Vernichtungskrieg eingebunden, ergo gibt da auch nichts schönzureden!
          Generell verstehe ich nicht wie man überhaupt Stolz auf Soldaten,Regimenter,Armeen sein will.
          Mir scheinen sie nur ein notwendiges(?!?) Übel in einer brutalen Welt zu sein.
          Der Gehorsam hat mehr Menschenleben
          auf dem Gewissen als der Ungehorsam.(Alfred Selacher)

          • Norbert Kasteinecke

            Wie sagten Sie Andernorts so treffend?
            Ich zitiere aus dem Gedächtnis:

            Die Welt ist nun mal kein Ponyhof.

            Und Kriege sind stets Vernichtungskriege – insofern verstehe ich das ganze Getue und Geziere hier nicht.
            Meine Generation durfte noch Pädagogen genießen, die ALLE im Krieg gewesen waren – und das merkte man jeden Tag !
            Es hat damals niemanden aufgeregt.
            Also so what?

          • Angelehnt an Hr.Trudeau jun.:
            Weil wir 2018 haben!
            Und man an den Debatten und Kommentaren merkt, das das Thema“Gedenken“ – weil das Wort Gedenkkultur irrsinnig ist – noch lange nicht richtig aufgearbeitet ist.
            Was wollen wir alle eigentlich? Nicht alle Täter können gleichzeitig Opfer gewesen sein.

    • .. @ Norbert .. bezüglich :
      Ich denke, es wird mit der Bildung eines Stuhlkreises nicht getan sein, es muss eine Lichterkette und eine Demonstration „Lüneburger gegen Rechts“ her..

      eine „Lichterkette gegen LINKS und ANTIFA “ , wäre besser , denn die Straftaten werden von LINKS und ANTIFA begangen , aber über diese Kenntnis verschließt man ja die Augen ..

      • @Andy
        Auch wenn man rechte Gewalt beflissentlich verschweigt, bleibt sie existent!
        Können Sie mir mal erklären, was dieses Thema hier mit linker Gewalt zu tun hat?

  11. Hier kann auch zum Thema „Scharf im rechten Videokanal“ debattiert werden:

    https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/

  12. Vierundachtzig Jahre nach der „Machtergreifung“ sind in mehr Lüneburger Köpfen Gedanken wie von Dr.S geäussert vorhanden.
    Hinzu kommen die Abwiegler, Relativisten und eine Unzahl „klammheimlich“ sich freuender Mitläufer. AUFGEWACHT?!

  13. wenngleich ich die Fakten und Meinungen zum Teil übernehme, die Herr Dr. Scharf äußerte, und die zum Teil von den Kritikern übernhaupt nicht beantwortet werden, z.B. die des Auftretens der alten Frauen aus dem weißrussischen Dorf O., die von Beschuldigungen gegen die deutschen Soldaten frei waren, so äußere ich doch ein wenig Schadenfreude zu Lasten v. Hrn. Dr. Scharf! Er muß nun einsehen, daß sein jahrzehntelanges
    Verweiolen bei sogenannten staatstragenden – in Realität staatsausbeutenden Parteien, lt. BuPräs Dr. v. Weiizsäcker – nichts nützt, wenn man patriotisch gesinnt – praktisch im geheimen – sich unter ihnen aufhält! Denn dieser ersten Erklärung des SPD-OBs steht trotz vorgespielter „Solidarität“ nichts als Distanzierung von den feststellungen Dr. Scharfs, auch wenn dieser dies nicht eingestehen will. Und zweitens wird dieser OB-Erklärung sicher alsbald eine weitere folgen, in der er sein tiefes bedauern über den „freiwilligen“ Rücktritt von seinen Ämtern des Scharf zum Ausdruck bringen wird.

    • Ach, man ist „nonkonform“, wenn man öffentlich (aber anonym) Massenmord verherrlichende Geschichtsklitterung betreibt?

  14. Norbert Kasteinecke

    Lüneburgs Notärzte müssen Überstunden machen, alle Defibrillatoren sind im Einsatz.
    Sauerstoffzelte werden allerorts aufgeschlagen!
    Notseelsorger sind im Dauereinsatz, Kirchen sind z.Zt. auch Nachts geöffnet !

    Und warum?
    Es hat jemand eine Gedenkkulturdebatte angestoßen und +ACHTUNG+ er hat nicht gesagt, dass alle Wehrmachtsoldaten Mörder und Verbrecher waren.

    Wenn ich vor 50 Jahren gewusst hätte, was Prof. Wuggenig schreibt, hätte ich es meinen damaligen Lehrern gern gesagt.
    Ich bin zutiefst bewegt, dass mich größtenteils solche Menschen unterrichtet haben.

    • Ich frage mich,ob wohl all diejenigen, die hier so verächtlich über die Einstellungen Dr. Scharfs urteilen,damals zu den wenigen mutigen Widerstandskämpfern gehört hätten?Ansonsten könnten
      sie seine Äußerungen über den gemeinen Soldaten doch nicht als falsch empfinden.Auf die schreckliche Situation von Zwangsarbeitern hat er hingewiesen,dann nur noch aus seiner eigenen Erfahrung damit gesprochen,wie man das eben in einem Privatgespräch macht.Die innere Aufgewühltheit,die ihm im ganzen Gespräch anzumerken ist,kann ich gut nachvollziehen,wenn man vor so einem Stein steht der mit „..Täter“ besprayt wurde.Für seine Pauschalisierungen hat er sich entschuldigt,weitere Entschuldigungen würden für mich mangelndes Rückrad bedeuten.
      Dank für Ihre Kommentare Herr Kasteinicke,ansonsten hab ich nur Aufgeblähtes gelesen.

      • Jutta List
        wer sich hier aufbläht, ist doch wohl sehr deutlich zu erkennen. sie beschönigen grundsätzlich verbrechen, außer sie kommen von flüchtlingen. aber ihr gedankengang kommt mir sehr bekannt vor. es war nicht alles schlecht, nicht wahr? wer ein verkappter nazi ist, hält auch solche ,,privatgespräche,, gern. zwangsarbeiter saßen bei ihm am tisch, wie nett. wer steht wohl freiwillig vor so einem stein? ewig gestrige,meine ich.

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