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Jörg Neben im Schilderlager. Immer wieder muss der kreiseigene Betrieb für Straßenbau und -unterhaltung gestohlene oder beschmierte Verkehrsschilder ersetzen. (Foto: kre)

Ortsschilder als Trophäen

Embsen. „Raven – Gemeinde Soderstorf“, steht auf dem gelben Ortsschild zu lesen. Nur hängt es nicht nicht am Ortseingang der Heide-Gemeinde – wo es hingehört – sondern am Zaun eines Recyclinghofes im fernen Dortmund. „Durch Zufall entdeckt“, sagt Jörg Neben vom kreiseigenen Betrieb für Straßenbau und -unterhaltung (SBU). Immer wieder müssen Neben und seine Kollegen Ortsschilder ersetzen, weil sie geklaut werden – von Metalldieben, von Souvenirjägern und von angetrunkenen Halbstarken, die mit Ortsschildern ihren Partykeller aufhübschen wollen.

Endstation Alteisen-Container: Hier
landen die Verkehrszeichen, die nicht
mehr lesbar sind, weil sie verwittert,
ausgebleicht oder mutwillig beschmiert
wurden. (Foto: kre)

„Acht bis zehn Ortsschilder sind es mindestens, die wir jedes Jahr wegen Diebstahls ersetzen müssen“, weiß Neben. Kein ganz billiges Unterfangen. Knapp 150 Euro kostet ein Schild. Wird es gleich mitsamt dem Rahmen entwendet, belaufen sich die Wiederbeschaffungskosten auf 250 Euro. „Besonders beliebt sind offenbar die Ortsschilder der Gemeinde Radbruch, gefolgt von Vögelsen“, weiß Neben. Einen Anstieg beim Schilderklau beobachten die Männer des kreis­eigenen Betriebs für Straßenbau und Unterhaltung auch zu Zeiten großer Ereignisse im Landkreis: Etwa bei Hochwasser-Einsätzen“, berichtet SBU-Chef Michael Seegers. Wenn Bundeswehr, THW und Feuerwehren aus dem ganzen Land an der Elbe gegen die Fluten kämpfen, „ist anschließend die Verlustquote an Ortstafeln deutlich größer“, sagt Seegers. „Die Tafeln werden vermutlich mitgenommen als Andenken ans Hochwasser“.

Beliebt bei Langfingern sind auch die runden Verkehrszeichen, die die Höchstgeschwindigkeit angeben: „Die werden vorzugsweise zu runden Geburtstagen illegal abgebaut und dann als Party-Gag verschenkt“, weiß Neben. Ebenfalls im „Trend“: Schilder, die das Tempolimit, etwa 30 km/h, aufheben. Neben: „Die werden dann zum 40. Geburtstag überreicht.“

Strafantrag bei jedem gestohlenen Schild

Zu kämpfen hat die Straßenmeisterei aber nicht nur mit dem Schilderklau, sondern auch mit mutwilligen Beschädigungen. Besonders beliebt: Die Schilder und Verkehrszeichen als Zielscheibe zu nutzen. „Die Durchschüsse zeigen, dass dafür keine Luftpistolen oder -gewehre zum Einsatz kommen, sondern Waffen mit größerer Durchschlagskraft“, berichtet Neben. Und Michael Seegers ergänzt: „Besonders gern angelegt wird auch auf Verkehrsspiegel.“ Je nach Größe des Spiegels kommen da schnell Kosten von mehreren Hundert Euro zusammen.

Dieses Ortschild hängt definitiv falsch — nämlich am Gelände eines
Recycling-Unternehmens in Dortmund. (Foto: nh)

Für Seegers und seine Kollegen aber sind der Schilderklau, die Beschädigung und das Beschmieren von Verkehrszeichen mit Graffiti, beziehungsweise das mutwillige Ziehen von Leitpfosten, alles andere als Kavaliersdelikte. „Wenn das Leben anderer Menschen durch die Beseitigung der Zeichen gefährdet wird, liegt eine Straftat vor“, erinnern Seegers und Neben.

Deshalb werde grundsätzlich bei jedem gestohlenen Schild Strafantrag gestellt. Denn durch das Fehlen von Ortseingangs- oder Überholverbotsschildern kann der Straßenverkehr massiv beeinträchtigt werden. Durch die abmontierten Ortstafeln können ortsunkundige Autofahrer nicht mehr erkennen, ob sie sich in einer geschlossenen Ortschaft befinden. „Das wirkt sich auf das Tempo aus“, mahnt Seegers – „und das kann fatale Folgen haben!“

Von Klaus Reschke

One comment

  1. „„Raven – Gemeinde Soderstorf“, steht auf dem gelben Ortsschild zu lesen.“
    Nöö, steht da nicht, sondern „Sodersdorf“, was nicht korrekt geschrieben ist, denn es heißt tatsächlich Soderstorf.
    Dubios. Irgendetwas stimmt an der Story nicht. Ist das überhaupt ein Originalschild?
    Oder war es ein Fehldruck und war aussortiert?