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Der Leuphana-Professor Ulf Wuggenig hält Dr. Gerhard Scharf nach dessen Äußerungen im YouTube-Video eines Bloggers nicht mehr für das Bürgermeisteramt geeignet. (Fotos: be)

Uni-Professor Wuggenig fordert Rücktritt von Dr. Scharf

Lüneburg. Nach den umstrittenen Äußerungen des stellvertretenden Bürgermeisters Dr. Gerhard Scharf in einem YouTube-Video erntet der 78-Jährige jetzt auch Kritik von Leuphana-Professor Dr. Ulf Wuggenig. „Ein Bürgermeister, der sich als ehemaliger Direktor eines angesehenen Gymnasisums hingibt, derart unqualifizierte Interviewaussagen zu formulieren und auch diese noch für öffentlich vertretbar hält, ist meines Erachtens für sein Amt (nicht) mehr geeignet“, schreibt der Soziologe in einer achtseitigen Stellungnahme, die der LZ vorliegt.

Kritik an Ausdrücken wie „Riesentheater“

Darin kritisiert er unter anderem die „nicht haltbaren Verallgemeinerungen“, die Dr. Scharf im Gespräch mit dem selbsternannten „Volkslehrer“ über die Begleiter der Gäste aus Ozarichi im Sommer 2017 äußerte. „De facto waren im Rathaus im Einzelnen unter den „Begleitern“ durchaus sehr unterschiedliche erinnerungskulturelle bzw. -politische Positionen vertreten“, schreibt Wuggenig. Laut Scharf hätten diese „Begleiter“ jedoch ein „Riesentheater“ und einen „Skandal“ um die Kriegsverbrechen der 110. Infanterie-Division gemacht.  Wuggenig hingegen führte dazu aus, dass diese zu den „schwerwiegendsten Kriegsverbrechen der Wehrmacht überhaupt“ gehören.

Zusammen mit weiteren Beispielen konstatiert Wuggenig: „Es lässt sich hier kaum etwas anderes erkennen, als eine in diskreditierender Absicht unternommene Stigmatisierung von Bürger_innen durch einen Bürgermeister.“

Prof. apl. Dr. Ulf Wuggenig war u.a. mitverantwortlich für die dreiteilige Ausstellung „Hinterbühne“ über die Verbrechen der NS-Herrschaft, die im Zentralgebäude der Leuphana zu sehen ist. red

62 Kommentare

  1. An Dr. Scharfs schneller Demission führt – wie man das Geschehene auch immer dreht und wendet – kein Weg vorbei.

  2. Der Rücktritt ist unausweichlich! Wegen Dr. Scharfs Äußerungen und weil der innere Frieden unser Stadt auf dem Spiel steht.

    Mehr dazu mit zum Teil glänzenden Begründungen von den sehr überlegt schreibenden Kommentatoren im Forum bei Jenckel: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/

  3. Oh, mein Gott. Das ist der Dammbruch. Wenn Scharf sich nicht erklärt, er setze ein Zeichen gegen Rechts und trete augenblicklich von allen seinen Posten zurück, wird Lüneburg in der extremistischen medialen Jauche der kommenden Wochen absaufen. Und am Ende der Schlammschlacht wird auch nur das notwendige – dann allerdings nutzlose – Ausscheiden des Bürgermeisters bleiben.

  4. Sehr geehrter Bürgermeister Löb

    Zu diesem Thema hier gibt es eine studentische Bitte um Ihre Meinung: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/#comment-1639

    MfG, Stefan Faller

  5. Im Video heißt es: „Was ist gesagt habe, können Sie verwerten, dazu stehe ich. Dazu stehe ich!“. Es ist wenig glaubwürdig im Nachhinein zu behaupten, man sei überrascht, dass das Gespräch nahezu im Original-Ton veröffentlicht wurde.

    Wer sich darüber beschwert, dass alle deutsche Soldaten über einen Kriegsverbrecher-Kamm geschoren werden, von dem erwarte ich allerdings Widerworte, wenn das Gegenüber „die Linken“ als homogene Masse sieht, und sich von „deren“ Geschichtsklitterung, antideutscher Propaganda und Sprechverboten verfolgt fühlt. Stattdessen kommt Zustimmung wie „natürlich!“ und „richtig!“. Zwei Heuchler in einem Video vereint.

    Wie glaubwürdig ist außerdem ein Politiker, der öffentlich eine andere Meinung zu vertreten scheint, als er es privat tut?

  6. Werner Schneider

    Man muss das Video anschauen und sich Äußerungen seiner Begrüßungsrede der Gäste aus Ozarichi parallel lesen. Es war kein Ausrutscher, sondern offenbar feste Meinung, die er da äußert. Man muss sich schämen, vor allem, weil derartige Personen als Philologen tätig sein dürfen. Wenn er den aufrechten Gang haben sollte, muss er gehen und auch das Bundesverdienstkreuz zurückgeben.

  7. Wir haben es heute Morgen in der Zeitung gelesen: Ein Verführter hat den inneren Glutkern seiner eigentlichen Überzeugungen, der im Wesentlichen aus Ressentiment und „privaten“ weltanschaulichen Basteleien besteht, nur darum öffentlich preigegeben, weil er der Situation nicht gewachsen war. Ja dann!

    Ein Bürgermeister ist überrumpelt worden und hat versehentlich einmal seinen Aggressionen, Vorurteilen und selbstgerechten Fixierungen freien Auslauf gelassen? Und wenn schon!

    So etwas kann passieren!

    Das ständige Runterschlucken ist ja auch nicht gesund!

    Man sitzt einem Wegelagerer auf. Ist man dann noch verantwortlich für das, was frei und ungehemmt aus einem heraussprudelt? Nie und nimmer!

    „Was ich gesagt habe, können Sie verwerten! Dazu stehe ich. Dazu stehe ich!“ Ja, lieber Himmel! Für so eine dreifach bekräftigte Aussage kann doch ein erfahrener politischer Repräsentant der Hansestadt Lüneburg nicht verantwortlich gemacht werden!

    Das geht doch nich!

    Herr Dr. Scharf sieht das alles reumütig ein. Er entschuldigt das! Er ist da jetzt mit sich im Reinen. Er hat jetzt in seine Rolle als Bürgermeister zurückgefunden. Einen solchen Ausrutscher in die aufrichtig unverstellte Herzensehrlichkeit wird er sich nicht noch einmal leisten. Versprochen.

    „Die Stadt“ ist erleichtert. Herr Webersinn weiß, was für ein Pfundskerl da gemeiner Weise auf das Glatteis seines eigenen Denkens gelotst worden ist. Sowas geht doch nicht!

    Und der Herr Oberbürgermeister?

    Der ist froh, das alles noch einmal so gut gegangen ist. Wir sind doch alle nur Menschen! Mit unseren Werten! Und darum wird es in Zukunft auch wieder eine stabile Zusammenarbeit der beiden ehrwürdigen Ratsparteien, den Sozial- und den Christdemokraten geben.

    Da ist die Gefahr jetzt gebannt.

    Zum Wohle der Stadt Lüneburg.

    Da gibt es keine Kompromisse!

    Schließlich haben wir alle aus der Vergangenheit gelernt und zum Zeichen dafür einen monumentalen antifaschistischen Brachialbau an den südlichen Stadtrand geknallt.

    Das muss genügen!

    • Klasse Kommentar! Der komplette Rat steht nackig da in der Anerkenntnis seiner „christlichen“ Prägung: Gut, Ehr, Kind und Weib: / lass fahren dahin, / sie haben’s kein’ Gewinn, / das Reich muss uns doch bleiben.

      Na denn!

  8. Gabriele Werner

    Unerträglich!

    Dr. Scharf kann Lüneburg nur weiter vertreten, wenn er und alle, die ihn stützen, der Meinung sind, es sei wichtiger, einen DARSTELLER von Integrität im Amt zu belassen, als einen INTEGREN mit diesem Amt zu betrauen. Meines Erachtens kann ein Mann, der so voller Halbgarem und Schlechtverdautem steckt und den so ungeheuer starke Verachtung gegen Menschen würgt, die seine Ansichten nicht teilen, nicht länger Bürgermeister aller Lüneburger sein.

  9. An Ulf Wuggenig gefällt mir nicht, dass er an der problematischen Reklamelegende mitgstrickt hat, der Libeskind-Bau am Bockelsberg drücke so etwas wie „Antifaschismus“ aus. Das ist absurd. Jeder der Augen im Kopf hat und vielleicht einen groben kunstgeschichtlichen Überblick besitzt, erkennt, dass wir es dort mit einer Parallele zu der gewaltsamen, auftrumpfenden Repräsentations- und Monumentalarchitektur zu tun haben, wie wir sie auch in den totalitären Diktaturen des 20. und 21. Jahrhunders in West und Ost finden. Die Lebensgeschichte eine Baumeisters und die Botschaft seiner Bauten haben nicht notwendig, ja, nicht einmal wahrscheinlich etwas miteinander zu tun. Dafür gibt es ungezählte Beispiele. Wer das Gegenteil behauptet, der instrumentalisiert das Grauen zu Verkaufs- und Werbezwecken. Und – was vielleicht noch schlimmer ist – er bedient mit diesem unhaltbaren, leicht schmuddeligen Mythos, der bedeuten will, anstatt zu bedeuten, das Entschuldungsbedürnis derjenigen, die sich für die Sache stark gemacht — und gezahlt haben. Denn die können ja nun immer zum Leuchtturm des Stolzes und des (angeblichen) Sündenbewusstseins zeigen und sagen, wer dieses Mahnmal unterstützt hat, der kann reden, was er will. Einer, der seine eigene furchtbare Geschichte nicht richtig begriffen hat, KANN er ja gar nicht sein. Einen Abglanz von diesem prekären Argument des Büßerstolzes scheint mir den heutigen Verteidigungsreden von Oberbürgermeister Mädge und Bürgermeister Dr. Scharf zugrunde zu liegen.

    Wofür ich Ulf Wuggenig danke, ist seine großartige Forschung und Forschungsbeschreibung zur jüngeren Lüneburger Militär- und Mentalitätsgeschichte. DAS sind die Mittel und die Weisen, mit denen den autoritären, den antidemokratischen, antiparlamentarischen und inhumanen Versuchungen entgegen getreten werden kann. Genauigkeit, Unerschrockenheit und Hartnäckigkeit beim Fragen und Mut zur Wahrheit in allen ihren Facetten, nur das, nur wirkliche, kompromisslose Aufklärung bringt uns weiter! Keine Zweck- und Imagedichtungen von unzufriedenen alten Männern oder von geltungssüchtigen Universitätspräsidenten! Dass er systematisch, unermüdlich und hellwach an der Aufklärung (und nicht an der Verklärung) der Vergangenheit und damit auch an der Aufklärung der Gegenwart mitarbeitet, dafür danke ich dem Sozialhistoriker Ulf Wuggenig.

  10. Es ist nicht zu verkennen, seit die Zeitzeugengeneration unter der Erde liegt, darf mit Freude gerichtet werden. Widerspruch ist nicht mehr zu erwarten.

    • Wenn man sich allein auf „Zeitzeugen“ verlassen hätte, wären die Göhrde-Morde wohl niemals aufgeklärt worden: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/goehrde-morde-aufgeklaert-der-gaertner-war-s-15362455.html

      Zeitzeugen sind keine prädestinierten, vor allem keine privilegierten und sicherlich schon gar keine unvoreingenommenen Historiographen ihrer eigenen Geschichte.

      Der ich-zentrierte Blickwinkel des Herrn Dr. Scharf ist der beste Beleg für die große Vorsicht, mit der gerade die Darstellungen von „Zeitzeugen“ (Scharf war sechs Jahre alt, als der Krieg endete) aufzunehmen sind. Besonders problematisch sind „Zeitzeugen“, die selbst Täter waren (Gröning).

  11. Lüneburg ist nicht Rote Rosen und hat Repräsentanten, die zur Stadt passen. Sollen Besucher auch sehen können. Der Bürgermeister muß bleiben, repräsentative Demokratie ist kein Wohlfühlschaumbad.
    Den Ort der weltweit ersten Kriegsverbrecherprozesse (MTV Halle) hat man in den Siebzigern abgerissen. Auf jeden Hinweis zum Ort der Teilkapitulation am 4. Mai 1945 verzichtet man tunlichst, kann kein Ortsfremder finden. Und wer weiß schon, wo im Tiergarten sich das Ehrenmal für die 1945 am Bahnhof gestorbenen Lagerinsassen befindet? So ist es eben hier.

    • Sie wollen den Geschichtslehrer, Oberstudiendirektor i. R. Dr. Gerhard Scharf, als lächerliche Figur, als anti-aufklärerischen, quasi als gedenkkulturpädagogischen Hanswurst, im Amt behalten? Einen stellvertretenden Bürgermeister, der vor aller Welt unsere Weigerung und unser Unvermögen repräsentiert, uns rational und informiert mit unserer jüngeren Geschichte ins Benehmen zu setzen? Ja möchten Sie Lüneburg und die Lüneburger über Jahre hinaus zum Gespött der ganzen Republik, vielleicht sogar Europas machen? Oder sind wir alles das längst schon? Und die Anerkenntnis der christlichen Prägung unseres Landes? Schrockschwereopitz! Darunter wird doch das liebe Stadtmarketing leiden!

  12. Herr Dr. Scharf hat das Wochenende, um zu überlegen, was er in und für Lüneburg damit anrichtet, dass er sich feige hinter dem Rücken des Oberbürgermeisters verkriecht, anstatt die Verantwortung für das Öffentlichwerden seiner selbstgerechten Altmännerdummheiten zu übernehmen. Er nötigt, wie es schon am Mittwoch vorausgesagt wurde, anständige, loyale Personen, sich für ihn zu verbiegen, und beschädigt sie damit ebenfalls. Am Montag sollte in der Landeszeitung stehen, dass Herr Dr. Scharf alle seine Ämter und Mandate mit sofortiger Wirkung aufgibt, um weiteren Schaden von der Stadt Lüneburg abzuwenden. Ich rechne fest damit.

    • Sehr geehrte Frau Gause, ihr Beitrag ist schlicht und einfach nur frech und unverschämt. Kritik ist durchaus erlaubt in Deutschland. Freie Meinungsäußerung ebenso, doch auch die Achtung der anderen Person gehört zu einem angemessenen Stil. Was Sie hier schreiben grenzt fast schon an den Versuch einer Nötigung.

      • Nicht, was ich schreibe, sondern was ich beschreibe, also die Lage, in der sich Herr Dr. Scharf befindet, weil er seinem Herzen – vor einem Mikrofon – einmal so richtig nach Laune und wahrem Empfinden ganz und gar unverblümt Luft gemacht hat, stellt die Nötigung dar oder wenigstens den Appell an seinen Anstand, freiwillig und ehrenhaft und schnell die Schlussfolgerungen aus seinem Gequackel und Gehechel zu ziehen und seinen Platz im Rampenlicht zu räumen, — anstatt sich auf den erpressten Beistand anderer zu verlassen und den Rat und die Stadtgesellschaft weiterhin in die schwere Not zu bringen, die er unserem Oberbürgermeister und seinem Kollegen Webersinn mit ihren schreckensblassen Erklärungen bereits abgetrotzt hat.

        • Mit ihren diskriminierenden Begriff „Altmännerdummheit“ disqualifizieren sie sich schon für eine sachliche Diskussion. Ihnen geht es um Herabsetzung, sie sollten sich schämen.

          • Wenn es keine „Altmännerdummheit“ war, warum steht Herr Dr. Scharf dann nicht zu seinen Worten: „Jawoll, so denke ich“? Warum verleugnet er seine Überzeugung?

            Weil er Bürgermeister bleiben will?

            Wie erbärmlich würdelos!

  13. Sehr geehrter Bürgermeister Löb

    Was mich entsetzt, ist das Schweigen der Grünen. Vor Ihren Augen bramarbasiert das geschichtsvergessene, unaufrichtige Selbstmitleid in Gestalt Ihres Bürgermeisterkollegen unverzeihlichen Quark in ein Mikrofon und weder Ihnen, noch Ihrem Fraktionschef Blanck, aber auch nicht Claudia Schmidt, Petra Kruse-Runge oder Dr. Julia Verlinden fällt dazu irgendetwas ein. Ist Ihnen das Hemd des Gruppenfriedens in den Gremien näher als die Hose des liberalen Veteidigers von Wahrheit und Aufklärung? Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat heute die unsägliche Gesinnungsbeichte seines deutlich im Vorgestrigen stecken gebliebenen Kollegen, Herrn Dr. Scharf, marginalisiert, indem er diesen als einen hinstellte, der dafür bekannt ist, „dass er ein offenes Wort schätzt und sich lange und mit sehr persönlichem Blick mit dem Thema Krieg, Flucht und Vertreibung beschäftigt hat.“ Was ist das für ein Argument? Kommt es auf die Dauer der Beschäftigung an? Sind Primaten nicht auch oft über lange Stunden mit irgendetwas beschäftigt? Oder spielt die „persönliche“ Note eine Rolle? Ich denke, das Ergebnis ist wichtig. Und das ist im Falle von Herrn Dr. Scharf eben erbärmlich. Herr Mädge sagt weiter, er „fände es unfair, unglückliche Äußerungen gegen ihn zu verwenden.“ Es handelte sich aber eben nicht nur um „unglückliche Äußerungen“. Herr Dr. Scharf hat in dem Video-Gespräch seine krude, sein Denken und Vorstellen leitende Geschichtsphilosophie in nuce dargelegt. Ihm geht es darum, ihn (und die Soldaten der 110. Infanterie-Division) im Opferwettbewerb mit über 9.000 Ermordeten als gleichwertiges Opfer anzusehen. Aus solcher, das Wissen verweigernden Haltung hat sich unter anderen Faktoren in den Jahren zwischen 1918 und 1939 das Motivationsgebräu gebildet, das den sogenannten Zweiten Weltkrieg ermöglichte.

    Bitte nehmen Sie zum Fall Dr. Scharf Stellung!

    MfG, Lena Bergmann

    • Exzellenter Kommentar! Danke!

      Auch der rassistische Hetzer Höcke würde für sich in Anspruch nehmen, „dass er ein offenes Wort schätzt und sich lange und mit sehr persönlichem Blick mit dem Thema Krieg, Flucht und Vertreibung beschäftigt hat.“

      Eine solche schwammige Formulierung gibt eher über die Haltung von Herrn Mädge zu denken, als dass sie irgendetwas zur Entlastung von Dr. Scharf beiträgt.

      Herrn Scharfs umgehender Rücktritt ist unvermeidlich!

      Auch ich warte auf die Grünen. Webersinn hatte einen schwierigen Gang zu tun, als er gestern bei der LZ vor die Kamera getreten ist. Er hat den Spagat zwischen Parteifreundschaft und Bestürzung über das, worüber hinwegzureden ihn sein unwürdig uneinsichtiger Kollege gezwungen hat, einigermaßen hinbekommen, ohne mit der Sahnespritze zu formulieren. Alle Achtung!

  14. Die sehr gelungene, ins Einzelne gehende, die Rücktritsforderung und auch die Strafanzeige gegen Dr. Scharf begründende Expertise des Sozialhistorikers Wuggenig findet sich direkt unter dem Blog-Artikel zum selben Thema bei Hans-Herbert Jenckel: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/

  15. Bereits am Mittwoch habe ich für unsere Fraktion großes Unverständnis und Befremden über die Äußerungen Dr. Scharfs sowohl dem NDR als auch der Landeszeitung mitgeteilt. Ausserdem habe ich auch darauf hingewiesen, dass ich Herrn Webersinn telefonisch über unsere Position informiert habe und dass wir Dr. Scharf und der CDU Fraktion Zeit geben wollen die Situation mit angemessenen Schritten zu klären. Am Montag werden wir in der Fraktion das bis dahin Geschehene bewerten und uns dann ggf. weiter dazu als Fraktion positionieren.

    Über diesen Vorgang hinaus ist es aber aus meiner Sicht wichtig über die Erinnerungskultur in Lüneburg in eine im Ergebnis offenen Diskussion zu kommen wie ich es bereits im Oktober vorgeschlagen habe.

    Über den von der Stadt beschriebenen Beschluss zum Denkmal hinaus gab es im Oktober bereits die Anregung meiner Fraktion über die Erinnerungskultur in Lüneburg nach zu denken. Konkret habe ich den Vorschlag unterbreitet alle Kriegsdenkmäler bzw. Denkmäler mit diesem Bezug zentral im direkten Umfeld des Museums auf zu stellen und im Museum die notwendigen historischen Einordnungen dann zu ergänzen. Dann könnte man weiter darüber nachdenken in der Zukunft einen neuen Erinnerungsort zu schaffen der mit der Forderung „Nie wieder Krieg“ allen Opfern der Kriege gewidmet sein sollte. Ich glaube, dass es an der Zeit ist diesen Schritt zu gehen und werde den Vorschlag erneut einbringen.

    • Sehr geehrter Ratsherr Blanck,

      nobel, dass Sie sich dann doch noch mit einigen Anmerkungen melden. Erinnerung und Gedenken (den angeberisch aufmotzenden Pleonasmus „Kultur“ können wir uns, glaube ich, schenken) sind wichtige Gegenstände unbedingt anstehender öffentlicher Erörterungen. Das ist gar keine Frage. Doch geht es hier zunächst einmal gar nicht darum! Sie sollten aufpassen, dass Sie nicht, wie es Herr Mädge gestern in seinen Ausführungen schon vorgemacht hat, den Fall Scharf dadurch vernebeln, dass Sie noch zehn oder fünfzehn andere ungelöste Probleme erwähnen. Die Video-Performance unseres stellvertretenden Bürgermeisters ist eine Entgleisung, die ans Licht gebracht hat, dass ein Repräsentant unserer Stadt in primitivsten Vorstellungen und Begrifflichkeiten feststeckt, dass er – voller Ranküne gegen die von ihm eingebildeten oder frei erfundenen Machenschaften einer imaginierten Meinungsdiktatur („die“ Linken) – seinen Anspruch mindestens auf Leidensebenbürtigkeit, wenn nicht gar auf -überlegenheit gegenüber Menschen zu behaupten trachtet, die von der deutschen Mordmaschinerie massakriert worden sind oder ihr gerade so eben noch entwischten, und dass ihn dieser angenommene Adelsstand im Reiche der „Kriegserfahrungen“, wo er ihm – auf der Basis von Forschung, Fakten und Beweisen – bestritten wird, in einen pauschalisierenden Herabsetzungs- und Verunglimpfungsfuror gegenüber Kritikern und Andersmeinenden treibt, der mir in seiner apodiktischen Anmaßung grelle Schauer des Entsetzens über den Rücken jagt. Herr Dr. Scharf, um es kurz zu machen, lebt in einer nach seinem privaten Geschmack ausmöblierten Geschichtsmythologie, die von schlichten Gedankenfiguren bewohnt wird, unter denen er selbst das Maß und den Primus inter pares darstellt. Das alles wäre nicht weiter schlimm, wenn es nicht zwei unglückliche Koinzidenzen gäbe: 1.) Herr Dr. Scharf ist NICHT der Repräsentant seines kleinen Hobbyhistoriker-Universums, sondern der der Stadt Lüneburg und hat darum auf die Realität mehr als auf seine ihm emotional komfortablen Phantasien zu achten. 2.) Die interne Logik, ihre Gesetzmäßigkeiten und ihre knarzende Mechanik, die in der Vorstellungswelt von Herrn Dr. Scharf obwaltet, ähnelt in weiten Teilen den Stereotypen und Vorurteilen, die wir inzwischen alle aus den atavistischen Verschwörungs- und Propagandatheorien rechtspopulistischer Eiferer kennen: Es gibt eine einfache Gewissheit („Ich habe recht“), ein feindliches Kollektiv ohne individuelle Differenzierungen („die Linken“), eine Gemeinde der Zugehörigen („die, die meiner Meinung sind“) und eine Aufgabe („die Rehabilitierung der vermeintlich fälschlich Geächteten“).

      So wie ich das sehe, lieber Herr Blanck, ist die primäre Frage, die einstweilen im Fokus stehen sollte: Erträgt unsere Stadt den starrsinnigen Dünkel DIESER Art des Gedenkens noch ein paar Jahre? Die an deren Beantwortung anschließende Frage wäre danach dann tatsächlich: Welche Art des Gedenkens möchten wir stattdessen?

      • liebe
        Lena Bergmann

        huston, wir haben ein problem. sollte die mehrheitsgruppe an dr.scharf scheitern? wenn cdu und der OB bei ihren stellungnahmen bleiben, was dann? ob die grünen sich forderungen der linke zu eigen machen wird, ist für mich sehr fraglich. der hang von grün nach schwarz ,über gelb,ist in deutschland sehr deutlich zu erkennen. und da parteien ja bekanntlich immer recht haben, sehe ich bei grün schwarz. schmunzeln.

      • Ratsherr Ulrich Blanck weiß darauf keine Antwort. Das ist schade. Und auch Ratsherr Ulrich Löb hat offenbar erst eine Meinung, nachdem getagt worden ist. Ist der Fall Scharf denn ein „politisches“ und nicht vielmehr ein moralisches Problem?

    • Sehr geehrte Frau Bergmann,

      Ihr Ulrich Blanck-Kommentar gehört mit zum Besten, was ich in über 70 Jahren Landeszeitungslektüre (Print und Digital) zu lesen bekommen habe. Ich danke und gratuliere und hoffe, Herr Mädge, Herr Blanck, Herr Webersinn und Herr Pauly, doch allen voran und zuerst Herr Dr. Scharf werden einsehen, dass der Rückzug des stellvertretenden Bürgermeisters jetzt schleunig und geräuschlos über die Bühne gehen muss. Das Ansehen unserer Stadt steht auf dem Spiel.

  16. Sehr geehrter Ratsherr Webersinn

    Sie übernehmen Herrn Dr. Scharfs Blackout-These und plädieren auf Unzurechnungsfähigkeit.

    Herr Dr. Scharf erklärt, ihm sei nicht klar gewesen, dass er aufgenommen wird und will sich für seine niederträchtigen Pauschalurteile entschuldigen.

    In der Videoaufnahme ist zu hören, mit welchem Eifer und Nachdruck Herr Dr. Scharf die Gültigkeit seiner Äußerungen immer wieder unterstreicht, und wie er deren „Wahrheit“ betont.

    Gegen Ende des Gesprächs bekräftigt Herr Dr. Scharf, dass er sich bewusst ist, aufgenommen worden zu sein und veröffentlicht zu werden: „Was ich gesagt habe, können Sie verwerten! Dazu stehe ich. Dazu stehe ich!“ Und kurz davor [Minute12:35] sagt Herr Dr. Scharf: „Ich seh! Was ich gesagt habe, können Sie verwerten.“ Darauf sein Interviewer Nerling: „Danke, Ihnen auch. Sie können gucken: Mein You-Tube-Kanal heißt: ‚Der Volkslehrer‘.“ (Vgl. die Dokumentation: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/comment-page-1/#comment-1648)

    Lieber Herr Webersinn, hier meine Frage:

    Ist aus dem Fall der öffentlichen unappetitlichen geistigen Selbstentblößung von Herrn Dr. Scharf nicht inzwischen der öffentliche Fall des Lügners Dr. Scharf zu eigenen Gunsten geworden?

    Wie ist Ihre Meinung dazu?

    MfG, Werner Müller

    • Der Skandal sind doch nicht die Worte von Herrn Scharf. Der Skandal ist die Schändung, die offensichtlich von den selbsternannten Antifaschisten und ihren Unterstützerkreis ausgeht. Dieses Schänden und Ausmerzen des geschichtlichen und seiner Erinnerung hat bei diesen gepäppelten Wohlstandsrevolutionären Tradition. Die Hetze und Menschenhatz gegen Andersdenkende ist darüberhinaus ein Wesensmerkmal der Antifa und extremen Linken. Das was die in der Katzenstrasse an Pampleten an ihre Türen tackern zeugt immer wieder von Ihren Ideologie getriebenen Demokratie- und Menschenverachtenden Umtrieben.

      • Woher wissen Sie, dass es „diese gepäppelten Wohlstandsrevolutionäre“, die „Antifa und extremen Linken“ waren, die das Denkmal geschändet haben? Sind Sie nicht, wenn Sie das ohne jeden Beweis behaupten, ein ebenso großer Hetzer wie die, von denen Sie sich vortstellen, sie wären es?

        Wenn sich ergeben sollte, WER das Kriegerdenkmal geschändet hat, nehmen wir mal an – rein hypothetisch – , der Sexualwissenschaftler Runkel wäre beim Beschmieren in flagranti von der Polizei aufggegriffen oder von Herrn Nikolai Nerling dabei gefilmt und anschließend bei Youtube geoutet worden, dann würde ich nicht anstehen zu sagen, dieser Mann ist als öffentliche Person erledigt und als Amts- oder Mandatsträger nicht mehr akzeptabel. Ein sofortiger Rückzug aus dem politischen Leben wäre meiner Meinung nach dann die zwingende Folge.

        Aber solange wir nicht wissen, wer es war, sollten wir nicht einfach die beschuldigen, die uns nicht in den Kram passen.

        Was meinen Sie, Birgit?

        • Ich habe spekuliert, weil ich 1 und 1 zusammenzählen kann. Die Richtung aus der solche Schändungen kommen ist ziemlich eindeutig. Wenn sie mal bei Anba und Artur vorbeischauen oder sich in der Nachbetrachtung die G20 Kravalle ansehen, werden sie feststellen, das die Republik mal wieder auf dem linken Auge blind ist und viel zu lange deren Umtriebe duldet. Die Aufregung um Scharf, der in Anbetracht der widerlichen Schändung sicherlich erregt war, zeigt doch nur, wie verlogen und ablenkend die Debatte ist. Es wäre wichtig gewesen, die Schändungen und ihre geistigen Urheber mal ins Zentrum der Aufregung zu stellen.

      • birgit
        ich gehöre zu keiner partei und würde am liebsten diese art von denkmälern in die luft jagen, oder zumindest auf einen haufen stellen mit einem schild, schandmal. wissen sie auch warum? ich weiß wovon hier die rede ist, mein vater hatte viel zu erzählen. wie ist es bei ihnen? haben sie neonazis in ihrer verwandschaft? wissen sie, wie gut die als biedermänner auftreten können? manche sind schon aus der cdu in die afd eingetreten und reichen sich jetzt wieder die hände mit ehemaligen npd-mitgliedern.

      • . @ Birgit .. „der Skandal sind doch nicht die Worte“ ..
        ..was politisch so gewollt ist und von den Medien und vor allen Dingen der Presse unterstützt wird .

    • Da haben Sie recht, Birgit, der Skandal sind nicht (oder nicht allein) die Worte von Herrn Scharf, sondern seine Einstellung, die er dadurch im ganzen Land bekannt gemacht hat.

      Ein Mann, der privat ins Ungefähre klagt und en bloc anklagt, und öffentlich behauptet, dies nicht bewusst getan zu haben, obwohl dokumentiert ist, wie bewusst er zu seinem Geschwafel „steht“, der ist, über das hinaus, was er nachweislich geredet hat, ein Lügner.

      Ein Lügner sollte nicht Bürgermeister in Lüneburg sein.

  17. Der Rücktritt von Dr. Scharf muss umgehend kommen. Alles andere beschädigt die politischen Organe der Stadt irreparabel.

    • Richtig. Scharfs und Mädges Versuch, den Skandal auszusitzen würde die komplette „Stadtspitze“ auf Jahre hinaus kompromittieren. Und die politischen Akteure in Rat und Kreistag brauchten ihren Mund in Sachen „politische Kultur“ bis zu ihrer Abwahl und darüber hinaus nie wieder aufzumachen. Es käme einem Rückfall in die schaurigen Adenauer-Zeiten des „Arrangierens“ und „Unter-den Tisch-Kehrens“ gleich!

      Lüneburger Erinnerungs-KULTUR? Dass ich nicht lache!

      Ein 150-Millionen Euro teurer Betonpanzer am Stadtrand statt der kostengünstigen Mühen des Nachdenkens und Lernens! Symbole statt Reflexion! Steine statt Kenntnisse. DAS ist die Devise der feinen Gesellschaft auf der Kommandobrücke.

  18. Dr. Scharfs Video-Auftritt ist ein Desaster. Eine moralische Selbstdemontage. Seine Mittwoch und Freitag nachgelieferten Erklärungen sind Ausflüchte. Sie versuchen vom Thema abzulenken, sie verkleinern, vertuschen und verharmlosen, aber sie bieten keinen Ausweg. Dr. Scharf hat gezeigt, was und wie er denkt: beides ist eines städtischen Repräsentanten und Bürgermeisters nicht würdig. Das lässt sich nicht mehr wegleugnen oder aus der Welt schaffen. Das Niederlegen aller Wahl- und Ehrenämter heute oder morgen ist die einzige Möglichkeit für Dr. Scharf einen Rest von Anstand und Würde zu bewahren – und nicht weitere Personen aus Politik und Verwaltung durch das Zulassen von «Entschuldigungen» zu beschädigen, die gar nicht anders als so verdreht und unbefriedigend ausfallen k ö n n e n wie z. B. die dissimulierende Presseerklärung des Oberbürgermeisters. Denn es gibt an Dr. Scharfs unfreiwilligem aber „authentischem“ Video-Bekenntnis nichts zu beschönigen. Es offenbart genau das, wofür Dr. Scharf „steht“.

  19. Sehr geehrter Ratsherr Pauly

    Zum Rücktritt von Dr. Scharf haben Sie eine persönliche Sichtweise. Würden Sie die einmal darlegen? Sie sind schon am Freitag aus der Diskussionsrunde in Herrn Jenckels Blog darum gebeten worden, dies zu tun: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/#comment-1657

    LG, Flori

  20. @Klaus Bruns
    Inwiefern lügt Scharf? Würden Sie das mal ausführen bitte?

    • nick
      er lügt nicht, dass ist hier ja gerade das ,,schlimme“. er beschönt. und da hier zum thema alles schon gesagt wurde, werde ich es nicht nochmal wiederholen. ich habe herrn webersinn bezüglich eine nachricht gesandt.

      • Dr. Scharf lügt, scheint mir, wenn er behauptet, seine Video-Äußerungen nicht bei vollem Bewusstsein gemacht zu haben. Wer viermal nachdrücklich bestätigt, der Interviewer könne das Gesagte so, wie es gesagt wurde, bringen, der weiß, was er tut. Und leider, so muss man daraus folgern, lügt er, wenn er eine Woche später behauptet, er habe das nicht gewusst.

    • @Klaus Bruns
      „Herr Dr. Scharf hat der Hansestadt gegenüber deutlich gemacht, dass er bei dem zufälligen Zusammentreffen arglos und ohne böse Hintergedanken als Privatmann drauflos gesprochen hat“. (Stellungnahme der Stadt Lüneburg)

      Herr Dr. Scharf hat „DEUTLICH gemacht“, Herr Bruns! Dass Herr Dr. Scharf GLAUBHAFT gemacht haben könnte, soweit wollte nicht einmal Herr Mädge sich für seinen Bürgermeister aus dem Fenster lehnen.

      Mit gutem Grund!

      • nick
        hier geht es um zwei sachen. die eine sache ist, wurde sich vor dem,,stein,, verabredet oder nicht? und das zweite ist die aussage , die die vergangenheit betrifft. ich habe mich nur auf das zweite bezogen. das erste überlasse ich gern diejenigen, die hier gern richter spielen. persönlich glaube ich dr.scharf nicht. seine widersprüche sind mir zu groß. ich nehme an, am ende bleibt nur ein rücktritt. ob er es tut, wird wohl ihm überlassen bleiben. die cdu wird von ,,alten männern,, bestimmt,ist wie bei der spd. schmunzeln.

      • Wie Herrmann oben geschrieben hat, Herr Bruns?

        Meinten Sie‘s so:

        Gut, Ehr, Kind und Weib: / lass fahren dahin, / sie haben’s kein’ Gewinn, / das Reich muss uns doch bleiben.

        Na denn!

  21. Sehr geehrter Ratsherren von Mansberg und Salewski

    Sie attestieren Herrn Dr. Scharf, er sei ein vorurteilsbeladener, affektgesteuerter Geschichtsklitterer, der „gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis“ mache.

    Das ist eine niederschmetternde Diagnose.

    Warum fordern Sie nicht den sofortigen Rücktritt des Bürgermeisters?

    Dazu mehr bei Blog.jj: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/comment-page-1/#comment-1704

    MfG, Jürgen Hoffmann

  22. Sehr geehrter Ratsherren von Mansberg und Salewski

    Leider hat Herr Jenckel meine erweiterte Frage und die dazugehörende Quelle (Ihren Facebookartikel von Mittwoch Nacht) auf Blog.jj noch nicht freigeschaltet. Vermutlich wegen der Länge. Aber das wird sicher bald geschehen. Ich freue mich auf Ihre Antwort.

    LG, Jürgen Hoffmann

  23. Hier von Mansbergs und Salewskis Facebook-Text vom 11. Januar (1.20h). Alles prima analysiert und dargestellt, wie ich meine. Aber wie Hoffmann oben frage ich mich auch, warum nach so einem vernichtenden Testat nicht die Rücktrittsforderung kommt:

    „Mit Befremden haben wir die Äußerungen von Dr.Scharf zum Gedenkstein für das 110. Infanterieregiment der Wehrmacht zur Kenntnis genommen“, sagt Friedrich von Mansberg, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion. „Aus Dr.Scharfs Äußerungen spricht ein untragbares Maß an Wut auf andere, hier vor allem linke Meinungen und Überzeugungen. Was aber weit schwerer wiegt, ist wie Dr.Scharf die unabhängige neuere Forschung zu den Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Zweifel zieht. Wer in diesem Zusammenhang von ‚Geschichtsklitterung’ und ‚anti-deutscher Propaganda’ spricht, macht gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis.“ Für von Mansberg und Klaus-Dieter Salewski, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat, ist zudem die Gleichsetzung von den durch Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion begangenen Kriegsverbrechen und dem Leid deutscher Vertriebener nicht hinnehmbar. „Es verbietet sich, das Leid von Menschen gegeneinander aufzurechnen. Aber die Einzigartigkeit der durch Deutsche begangenen Verbrechen in Zweifel zu ziehen, zeigt zumindest ein schwer zu verstehendes Maß an historischer Unkenntnis“, so Salewski weiter.
    Die SPD in Lüneburg weist gleichzeitig darauf hin, dass man sich mit Dr.Scharf und der überwiegenden Mehrheit im Rat darin einig sei, dass Denkmäler in der Stadt, auch die problematischen, nicht abzubauen sondern historisch einzuordnen und zu kommentieren sind. Aber von Mansberg ergänzt: „In diesem Zusammenhang fordern wir, dass gemeinsam mit den Initiatoren des ‚Friedenspfades’ und externen unabhängigen Wissenschaftlern das Hinweisschild am Denkmal für die 110. Infanteriedivision noch einmal neu bewertet und überarbeitet wird.“
    „Wer von Aussöhnung spricht und davon, dass man historische Wahrheiten auch aussprechen müsse, der muss sich zur deutschen Verantwortung bekennen und sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass wissenschaftlichen Erkenntnisse, auch zu den Verbrechen der Wehrmacht in der ehemaligen Sowjetunion, deutlich benannt werden“, fasst Klaus-Dieter Salewski zusammen. „Von der CDU und Dr.Scharf, den wir bisher als integre Persönlichkeit und guten Repräsentanten der Hansestadt Lüneburg kennen, erwarten wir umgehend eine Richtigstellung der gemachten Aussagen.“

    • Lieber Herr Webersinn

      Wie schafft Herr Dr. Scharf aus der Welt, dass er – nicht allein nach Auffassung der Ratsherren von Mansberg und Salewski – ein Bürgermeister ist, aus dessen „Äußerungen ein untragbares Maß an Wut auf andere, hier vor allem linke Meinungen und Überzeugungen“, spricht? Ein Bürgermeister, der „die unabhängige neuere Forschung zu den Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Zweifel zieht“? Ein Bürgermeister, der „gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis“ macht? Ein Bürgermeister, der das Leid „von den durch Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion begangenen Kriegsverbrechen“, also Massenmorde, mit „dem Leid deutscher Vertriebener“ gleichsetzt. Ein Bürgermeister, der „das Leid von Menschen gegeneinander aufrechnet, aber die Einzigartigkeit der durch Deutsche begangenen Verbrechen in Zweifel zieht“? Ein Bürgermeister (und ehemaliger Geschichtslehrer), der „ein schwer zu verstehendes Maß an historischer Unkenntnis“ zeigt?

      Wie soll ein Bürgermeister, der all das ist, das Ihrer Meinung nach „richtig stellen“? Wie kann das gehen? Richtig stellen, was mit einem verwachsen ist? Oder aus der Welt schaffen, was einen selbst ausmacht? Wie funktioniert sowas, Herr Webersinn? Tut mir leid, Mädchen und Jungs, aber so bin ich nun mal? Kann ein Bürgermeister, dem man all das von seinen Ratskollegen Gesagte mit vollem Recht vorwerfen kann, weiter Bürgermeister der stolzen Hansestadt Lüneburg sein?

      Mit lieben Grüßen, Simone Krüger

  24. Dr. Scharf könnte doch aus „gesundheitlichen Gründen“ zurücktreten. So würden alle das Gesicht wahren. Beim LSK hat das geklappt.

    Und anschließend geht’s gemeinsam mit Achim Otte in leitender Funktion der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) nach Namibia. Nach vier Jahren exilbedingt abkühlender Erinnerungskultur gibt’s viel zu berichten. Bernd Althusmann, ein früherer Ratskollege von Dr. Gerhard Scharf sprach nach seiner Remigration ins heimatliche Heiligenthal im Oktober 2016 von besonderen Rückzugsmöglichkeiten zum Nachdenken: „In der namibischen Wüste, unterm klaren Sternenhimmel oder zum Sonnenaufgang, bin ich zur Ruhe gekommen und habe auch über manche politische Auseinandersetzung der Vergangenheit nachgedacht und über den einen oder anderen Fehler.“

    Fehler? Fehler machen wir doch alle. Der eine beim Zaunklettern in Potsdam, der andere beim Performen auf Video. Reicht „Nachdenken“, um derartige Fehler „aus der Welt zu schaffen“ (Webersinn)? Wenn’s in Namibia geschieht, ist das wohl so. Zumindest aus der Lüneburger Welt. Für die Dauer der Abwesenheit.

  25. Herr Dr. Scharf ist zum Star der rechten Szene avanciert: Das Video „Auf der Pirsch in Lüneburg – ein Bürgermeister spricht Klartext“ vom 02. Januar 2018, eingestellt von Nikolai N. auf dessen YouTube Blog „Der Volkslehrer“ ist bis heute, 16. Januar 2018, 09:17 Uhr, genau 21.236 mal aufgerufen und 390 Mal kommentiert worden. Da hält keine einzige Rote Rosen-Folge bei Youtube mit. Selbst die aktuellsten Filme kommen maximal auf die Hälfte der Klicks und auf ein Zehntel der Kommentare.

    Das nenne ich mal einen viralen (und vitalen – oder virilen (?)) Reklameerfolg fürs Lüneburg-Marketing.

    • Der Rat sollte geschlossen zurücktreten. Dr. Scharf hat die Verlogenheit des gesamten Lüneburger Establishments sichtbar gemacht. „Gedenkkultur“, nicht Gedanken, also Steine, Schilder und Betonklötze statt Einsichten und Gespräche sollen es richten. Ein geistiger Bankrotteur darf unsere Stadt repräsentieren. Nichts hat man in diesen Kreisen gelernt. Scharfs Verdienst ist, das kollektive Versagen ins öffentliche Licht gestellt zu haben.

    • 24 Stunden später hat Dr. Scharf bereits 21.512 Aufrufe und 397 Kommentare. Ein Plus von 276 Zuschauern, aber nur 7 Kommentatoren. Doch über den Gewinn von 21.512 Fans innerhalb von 15 Tagen können sich nur sehr wenige Lüneburger Schauspieler freuen. Entwickelt sich der Trend linear, werden in einem Jahr über eine halbe Million Youtuber wissen, dass wir mit Dr. Scharf einen Bürgermeister haben, der „bekannt dafür ist, dass er ein offenes Wort schätzt und sich lange und mit sehr persönlichem Blick mit dem Thema Krieg, Flucht und Vertreibung beschäftigt hat.“

      • Dr. Scharf ist jetzt ein Bürgermeister, der nicht mehr nur in, sondern neuerdings auch außerhalb Lüneburgs herrliche erinnerungskulturelle Standards setzt und der das städtische Renommee für einwandfreie, gut durchdachte Gedenkkultur republikweit bekannt macht.

        OB Mädge und Gunter Runkel werden’s ihm danken.

  26. hier braucht sich niemand aufregen. es lohnt nicht. die kohlsche kunst des aussitzens hat sich in der politik rumgesprochen. besonders in der cdu und in der spd. mein ,,dummes geschwätz von gestern“, ist morgen eh nicht mehr gültig.

    • Herr Bruns,

      bei Herrn Dr. Scharf handelt es sich nicht nur um „dummes Geschwätz“!

      Und „von gestern“ ist seine gesamte Haltung; seine „Grundhaltung“ ist ohne Würde.

      Die Fragen von Frau Krüger treffen ins Schwarze: (https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1386881-klage-gegen-buergermeister-dr-scharf#comment-134152)

      Doch weder Webersinn noch Dr. Scharf selbst, der sich vermutlich von „Linken“ verfolgt und damit gerechtfertigt wähnt, noch die, die ihn im Amt halten, wissen auf Frau Krügers Fragen eine Antwort. DAS ist der Gau, der schlimme OFFENBARUNGSEID der beteiligten Lüneburger Politiker, Journalisten und Persönlichkeiten. DER wird im Gedächtnis BLEIBEN, weil hier eine symbolische Grenze überschritten wurde: „WIR“ können hinnehmen, hören wir anderen ein Korps der Überzeugten sagen, einen Bürgermeister zu haben und zu halten, dem sogar seine Ratskollegen Salewski und von Mansberg attestieren, er sei ein vorurteilsbeladener, affektgesteuerter Geschichtsklitterer, der „gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis“ mache!

      Nur Naive erwarten, dass die Katastrophe mit einem Knall beginnt. Im politischen Leben kommt sie auf Katzenfüßen. Der fauchende Sinkflug der SPRACHKULTUR ist ihr derzeit einziger, aber auch ihr verlässlichster Indikator.

      Das politische Lüneburg setzt ein Zeichen.

      Ich wende mich ab mit Grausen.

  27. Ertappen Eltern ihr Kind beim Schwindeln, ist ihre Beklemmung groß. Doch Psychologen zeigen: Der kreative Umgang mit der Wahrheit ist ein Zeichen geistiger Reife.

    Von Sebastian Herrmann

  28. Wenn mer suuntichs ei de Kerche giehn

    Wir sind alle kleine Sünderlein,
    ’s war immer so, ’s war immer so.
    Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n,
    ’s war immer, immer so.
    Denn warum sollten wir auf Erden
    schon lauter kleine Englein werden?
    Wir sind alle kleine Sünderlein,
    ’s war immer so, ’s war immer so.
    Englein können wir im Himmel sein,,
    ’s war immer so, immer so.

    (Nach dem bekannten alten schlesischen Volkslied)

    LG, Rita Böttjer

    • Das ist die Entschuldungshymne der 50er Jahre! Gut vorstellbar, dass Martin Gilbert sie geträllert hat. Eben der Generalleutnant und Ex-Kommandant der 110. ID, deren Angehörige mit die bestialischsten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkrieges verübten [also (nur unter anderen nachgewiesenen Massenmorden) im März 1944 im Raum Ozarichi (Belarus) eben die 9.000 Kinder, Frauen und Greise als „unnützen Esser“ abschlachteten, deren sechs (!) entkommenen Überlebenden Herr Dr. Scharf am 11. August vorigen Jahres im Rathaus „vermittelte“, er stehe mit ihnen als Leidensgenosse und „Zeitzeuge“ auf einer Stufe und bei denen er ihre Bereitschaft zur „Versöhnung“ anmahnte]. Jener Generalleutnant jedenfalls „versicherte“ am 7. Juni 1958 in einem Vortrag, ebenfalls im Fürstensaal des Lüneburger Rathauses u.a. vor OB, OStD und Rat: “Der Kern der Einheit [die Guten unter den Mördern!], deren Schicksal uns [!] [Herrn Scharf? Mich auch?] verbindet, war sauber, klar und echt wie Gold. Ich darf es aus eigenem Erleben [als Zeitzeuge also wie Oskar Gröning und Gerhard Scharf] und eigener Vergleichsmöglichkeit [also anders als Gerhard Scharf, der ja bei Kriegsende erst 6 Jahre alt war] bekunden, dass die 110. Infanterie-Division die Verkörperung besten deutschen Soldatentums leistungs- wie gesinnungsmäßig von erster bis zur letzten Stunde gewesen ist.” Na dann! Sein Denkmal, das 1960 mit großem Bahnhof eingeweiht wurde, sei Ehrensache! Und wer frei sei von Schuld, der werfe den ersten Stein. Ansonsten gilt, so muss man diesen Mordbanden-Capo (und Herrn Dr. Scharf heute auch) wohl verstehen:

      Wir sind alle kleine Sünderlein,
      ’s war immer so, ’s war immer so.
      Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n,
      ’s war immer, immer so.
      Denn warum sollten wir auf Erden
      schon lauter kleine Englein werden?

  29. Lieber Ratsherr Ulrich Löb

    Wir hätten uns gewünscht, dass Dr. Scharf selbst diesen Schritt geht und von seinem Amt als Bürgermeister der Stadt Lüneburg zurücktritt. Wir verstehen nicht, dass er für seine Äußerungen von Oberbürgermeister Mädge Rückendeckung erhält und versucht wird, einen „Hinterhalt“ als Entschuldigung zu konstruieren. Die persönliche Geschichte von Herrn Scharf als Zeitzeuge des Krieges ist zu respektieren. Sie darf aber nicht zur Rechtfertigung von relativierenden Aussagen zur Wehrmacht herangezogen werden. Herr Scharf muss von seinem Amt als Bürgermeister zurücktreten!

    Dies fordert David Amri, der für DIE LINKE im Stadtrat sitzt: http://www.scharf-links.de/141.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=63635&cHash=a67343df97

    Das ist sehr zurückhaltend geschrieben. So hätte es sein sollen. Herr Dr. Scharf hätte von sich aus die Konsequenzen ziehen müssen. Das hat er – zusätzlich zu seiner Selbstdarstellung im Hass-Video – bis heute nicht getan. Soll man das „Haltung“ nennen? Was für eine Haltung ist das dann? Eine erbärmliche? Oder eine starrsinnige? Jetzt zeigen auch andere ihren krummen Rücken. Das ist schade. Das ist unverzeihlich. Das ist schäbig. Das konstatiert Herr Amri, ein Bürger der Stadt Lüneburg und außerdem noch Ratsherr der LINKEn. Kann er recht haben? Oder ist ein Anliegen schon alleine darum falsch, weil es von der LINKEn kommt?

    Was sagen Sie dazu und zu den Vorgängen der letzten Tage?

    Haben Sie eine eigene Meinung als Bürger? Oder haben Sie als Bürger kapituliert?

    MfG, Lena Bergmann

  30. Sprachlosigkeit, das Schweigen des Zivilbürgers, wenn es darauf ankäme, etwas Durchdachtes, etwas Angemessenes zu sagen. Das ist die Hauptursache für das tosende Wiederaufleben totalitärer Erlösungsphantasien.

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