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Mit dem Banner an der Außenwand verschwindet auch das letzte bisschen Vamos, das von außen zu erkennen war. Foto: t&w

Statt Partys bald Torejagd

Lüneburg. 44 Partys in drei Monaten: Das letzte Vamos-Jahr ist mit einem Marathon zu Ende gegangen. Die Silvesternacht haben 1100 Gäste gemeinsam mit dem Team der Campus Management GmbH zelebriert, den Boden ein allerletztes Mal beben lassen. Nun ist Schluss, nach unzähligen Verlängerungen muss das Team von Klaus Hoppe die Halle im Schatten des Libeskind-Baus räumen.

Eigentlich sollte die Übergabe an die Leuphana bis zum 15. Januar erfolgen. Deshalb wurde gleich am 2. Januar damit begonnen, die Technik, die in die Ritterakademie kommt, abzubauen, Getränke und Tresen-Equipment auszuräumen. Dann eine erneute, die allerletzte Fristverlängerung. „Die Uni hat das Datum auf Mitte Februar verschoben“, sagt Hoppe.

Der Geschäftsführer ist froh darüber, auch wenn er die Geräte, die er benötigt, um an die Decke zu gelangen, bereits bestellt hatte. Seinem Personal hat er einige freie Tage eingeräumt, „damit sie ihre Augenringe mal wieder loswerden“. Denn die Arbeit wartet bereits: In der Vamos Kulturhalle, die bald vorübergehend als Sporthalle genutzt werden soll, gibt es noch viel zu tun. Bühne, Technik und Tresen müssen abgebaut, die Tonanlage muss entfernt werden. Zurzeit stapeln sich dort Kisten, Stehtische und Hocker, Bar-Zubehör, Lampen. Es ist ein trauriger Anblick und das Ende einer Ära. In 24 Jahren gingen dort rund 2500 Partys und 500 Kulturveranstaltungen über die Bühne.

Die Halle 26, so nennt die Leuphana die Räumlichkeit, hat sich im Laufe der Jahre enorm gewandelt. Vor 1995 wurde sie noch als Kasernensporthalle genutzt. Klaus Hoppe lacht, als er gefragt wird, ob er eigentlich eine Kaution hinterlegen musste. Er beginnt aufzuzählen: „Damals gab es hier keine Lüftungsanlage, keine Empore und keinen Anbau für den Tresen. Die Halle war nicht gedämmt.“ EU-Mittel hätten das Dach und die heutige Glasfront finanziert, die Empore hat die Campus Management GmbH damals selbst eingebaut. „Wenn wir hier raus sind, bleibt ein leerer Raum mit einer Lüftungsanlage zurück“, sagt er.

Den Kopf hängen lassen, das ist Hoppes Sache nicht, schließlich sucht er längst nach einer Alternative fürs Vamos. „Ich bin auch sehr optimistisch, dass uns das gelingt.“ Er sei guter Hoffnung, noch in diesem Jahr etwas Neues präsentieren zu können. Vieles habe er sich schon angesehen, 95 Prozent der Angebote aber „vollständig verworfen“. Erst in der vergangenen Woche hätten ihn zwei neue Vorschläge erreicht, „die muss ich mir jetzt noch ansehen“.

Keine Kündigung

Kündigungen hat Klaus Hoppe keine ausgesprochen, in seinem Party-Team arbeiten insgesamt fünf feste Kräfte und eine Auszubildende. Zudem kann er auf einen Pool an geringfügig Beschäftigten, darunter viele Studenten, zurückgreifen, die er ohnehin aber auch in der Ritterakademie, im Theater oder bei Außer-Haus-Events einsetzt.

Wann der Halle auf dem Gelände der Universität wieder neues Leben eingehaucht wird, ist noch unklar. Wie berichtet, hatte die Leuphana bereits vor Jahren Eigenbedarf angemeldet, der Campus Management GmbH aber immer wieder einen Aufschub gewährt. Bald soll der Hochschulsport dort stattfinden, die alte sanierungsbedürftige Halle an der Mensawiese wird abgerissen. Die Landesregierung stellt der Leuphana fünf Millionen Euro für einen Neubau zur Verfügung. Basketball und Badminton in einer Räumlichkeit, in der bis Jahresende noch Hunderte Gäste bis in den frühen Morgen getanzt haben? Dafür fehlt einem das Vorstellungsvermögen.

Dass dafür eine entsprechende Herrichtung erforderlich ist, steht außer Frage. Für ungewöhnlich hält Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff eine solche Umwandlung aber nicht: „Schließlich war das ursprünglich mal eine Sporthalle.“ Die Gegebenheiten müssten zunächst genau analysiert werden, so braucht ein Ort, der sportlichen Zwecken dienen soll, einen speziellen Boden, zudem Umkleiden und Duschen. Auch die Lampen und die Glasfront dürften dieser zwischenzeitlichen Nutzung nicht standhalten. Angesichts der Tatsache, dass an anderer Stelle ein wettkampfgerechter Neubau mit Zuschauerflächen und Auslaufzonen entsteht, sagt Zühlsdorff: „Wir werden da sicher nicht mit einem Riesenaufwand rangehen.“

Arbeiten für den Neubau sollen zwei Jahre dauern

Mit ihrem Plan für eine neue Sporthalle war die Leuphana im Juni 2017 an die Öffentlichkeit gegangen, Zühlsdorff hat seitdem wenig Neues zu berichten. Auf LZ-Nachfrage sagt er: „Wir rechnen mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Ein Termin für den Baubeginn steht noch nicht fest.“ Die Planungsarbeiten sollen in diesem Jahr starten. Mit dem Vamos sei eine „besenreine Übergabe“ vereinbart. „Danach wird die Universität mit den Planungen für die Herrichtung des Gebäudes zur vorübergehenden Nutzung als Sporthalle beginnen“, heißt es.

Was danach mit der Halle geschehen wird, lässt er offen. Sowohl ein Abriss als auch eine Nutzung als Lager waren mögliche Ideen. Zühlsdorff: „Es gibt verschiedene Überlegungen, noch ist nichts entschieden.“

Von Anna Paarmann

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