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In Hannover stand Projektleiter Matthias Hudaff Journalisten Rede und Antwort. Foto: dth

Hinter verschlossenen Türen

Hannover/Lüneburg. Nach den schlechten Erfahrungen beim „Runden Tisch“ in Deutsch Evern im März 2017 hat die DB Netz AG erst einmal Abstand von dem Format im Kr eis Lüneburg genommen. Während für den Streckenbereich Rotenburg-Verden nun sogar Info-Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung geplant sind, setzt die Bahn in der Lüneburger Region lieber auf Einzelgespräche mit Kommunen, Verbänden und Bürgerinitiativen. Zur Begründung sagte Matthias Hudaff, Leiter des Bahnprojekts Hamburg/Bremen-Hannover, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Hannover: „Wir sind de facto weggeschickt worden.“ Verbunden mit der Forderung: „Kommen Sie bitte erst wieder, wenn sie fertige Pläne haben.“ Jetzt findet der Austausch weitgehend hinter verschlossenen Türen statt.

Große Runde erst wieder bei konkreten Ergebnissen

Tatsächlich mussten sich die Bahn-Vertreter nach dem „Runden Tisch“ in Deutsch Evern, an dem rund 40 Vertreter von Kommunen und Bürgerinitiativen teilgenommen hatten, viel Kritik gefallen lassen. Zu formalistisch, zu unkonkret sei der „Runde Tisch“ gewesen, der unter Ausschluss der Presse stattgefunden hatte. Hudaff selbst kritisiert in der Rückschau, dass zu viel in das dort Besprochene hinein interpretiert worden sei. Dabei hatten die Projektverantwortlichen um Hudaff den Spekulationen selbst Tür und Tor geöffnet mit unklaren Kartenmarkierungen, die nicht nur die Kommunen rätseln ließ, wo denn nun mögliche Ortsumfahrungen etwa der Stadt Lüneburg im Westen entlangführen könnten. Das Rätselraten geht nun weiter.

Die LZ-Nachfrage, ob der „Runde Tisch“ für Lüneburg nun für immer tot sei, verneinte Hudaff. Aber: „Dort wird gewünscht, dass wir erst weitermachen, wenn wir konkrete Ergebnisse haben, und diesen Wunsch können wir natürlich respektieren.“ Stattdessen habe es schon konstruktive Einzelgespräche auch mit Vertretern der Stadt Lüneburg gegeben. Das sei derzeit „nutzbringender“.

Nicht allzu traurig, dass der „Runde Tisch“ auf Eis liegt, ist Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer. „Ich finde das mittlerweile in Ordnung. Wenn man Bürger beteiligen will, muss man auch wissen, worüber man spricht, sonst macht man nur die Pferde scheu.“ Dass das Format hingegen weiter im Raum Rotenburg Anwendung findet, sieht Krumböhmer ebenfalls gelassen: „Die sind in der Planung schon weiter und dort ist das auch nicht so konfliktbehaftet wie bei uns.“ Derzeit sei für den Raum Lüneburg von der Strecke Ashausen-Celle die Rede, „und das ist erstmal nur eine Klammer, die noch mit Inhalt gefüllt werden muss“, so Krumböhmer. Er rechnet nicht vor 2019 damit, dass die Region auf konkrete Streckenvorplanungen Einfluss nehmen könne. „Jetzt soll die Bahn erstmal planen, und dann schauen wir weiter. Bis dahin bin ich auch noch ganz entspannt.“

Beim Pressegespräch wurde indes auch der Lärmschutz thematisiert. Grundlage für die Vorplanungen seien die Vorgaben aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Sollten Lärmschutzmaßnahmen über das gesetzliche Maß hinaus gewünscht sein, bedürfe es dafür einer politischen Initiative im Bundestag.

Zudem sei auch die Zahl der Menschen, die bei einem Schienenausbau von zusätzlichem Lärm betroffen wären, laut Hudaff bei der Betrachtung der späteren Trassenvarianten ein wesentlicher Aspekt. Da meldete sich Dr. Rudolf Breimeier zu Wort. Er saß diesmal als Pressevertreter für die Eisenbahn-Revue in der Pressekonferenz. Früher hatte der Bahn-Ingenieur zusammen mit dem Verkehrsclub Deutschland eine eigene Variante für den Bahnausbau ins Spiel gebracht, die unter anderem die Wiederbelebung der alten Buchholzer Bahn vorsah. Allerdings stieß das im überregionalen „Dialogforum Schiene Nord“ 2015 auf wenig Gegenliebe. Mit Blick auf die Lärmbelastung als Auswahlkriterium wollte Breimeier nun wissen, ob damit die jahrzehntelang heiß umkämpfte und durch Alpha-E ersetzte Y-Trasse über Walsrode doch wieder aus der Versenkung auftauchen könne. Denn dort lebten die wenigsten Menschen entlang der Bahnstrecken. Breimeier zu Hudaff: „Oder ist die Y-Trasse endgültig abgemurkst?“ Dazu Hudaff: „Das wollen wir den Planern überlassen, die wir noch binden wollen, wie sie sich methodisch an die Aufgabe heranarbeiten.“

Für das Bahnprojekt Hamburg/Bremen-Hannover hat die DB Netz AG unterdessen ein neues Internetportal geschaffen unter www.hamburg-bremen-hannover.de.

Von Dennis Thomas

Hamburg/Bremen-Hannover

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Aus zwölf Abschnitten (A bis L) besteht die 396 Kilometer umfassende Planung der Deutschen Bahn für den Ausbau des Netzes in Norddeutschland zur besseren Güterverkehrsanbindung der norddeutschen Seehäfen ans Hinterland. Zudem soll die Fahrzeit für Fernverkehrszüge für Hamburg-Hannover um elf Minuten verkürzt werden. Die Maßnahme ist auch als „Alpha E“ bekannt. Während Streckenabschnitte wie Rotenburg-Verden teilweise bereits in der Umsetzungsphase sind, steht die genaue Art der Ertüchtigung der Teilstrecke Lüneburg-Uelzen noch nicht fest. Angedacht ist ein dreigleisiger Ausbau der Bestandsstrecke oder alternativ die Schaffung neuer Ortsumfahrungen um Lüneburg und Deutsch Evern, deren mögliche Trassenverläufe unklar sind. Stadt und Landkreis Lüneburg hingegen fordern seit Ende des „Dialogforums Schiene Nord“ 2015 in Celle ein neues Raumordnungsverfahren zur Trassensuche. Dabei solle auch eine Neubaustrecke parallel zur A 7 geprüft werden. Ausgang offen. dth 

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