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Der Sanierungsstau am Jagdschloss Göhrde wird auf mindestens zwei Millionen Euro geschätzt. Einen Ortstermin mit dem Landkreis Mitte Dezember hat die Eigentümerin abgesagt.
Der Sanierungsstau am Jagdschloss Göhrde wird auf mindestens zwei Millionen Euro geschätzt. Einen Ortstermin mit dem Landkreis Mitte Dezember hat die Eigentümerin abgesagt. (Foto: rg)

Behörde reißt Geduldsfaden

Göhrde. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg will dem Verfall des Jagdschlosses Göhrde offenbar nicht länger tatenlos zusehen. Ende November hat der Kreis als zuständige Denkmalschutzbehörde ein sogenanntes bauaufsichtliches Verfahren gegen die Eigentümerin eingeleitet – hat damit bisher allerdings wenig Erfolg. „Für den 18. Dezember hatten wir eigentlich eine Baukontrolle angemeldet“, sagt Kreissprecher David Leu. „Doch der Termin wurde von der Eigentümerin abgesagt.“ Auch die Vereinbarung eines neuen Termins scheiterte bisher. „Unserer Bitte, Kontakt aufzunehmen, ist die Eigentümerin bisher nicht gefolgt“, sagt Leu.

Zu hören ist unterdessen, dass sich der Zustand des Kulturdenkmals in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert hat. Ein Dach soll seit Monaten nur mit einer Folie abgedeckt sein. Die Eigentümerin Sieglinde Gränzer, die an der Spitze der „Politik & Projektmanagement Jagdschloss Göhrde GmbH“ mit Firmensitz in Fulda (Hessen) steht, war erneut nicht zu erreichen. In Branchenbüchern eingetragene Telefonnummern führen zum Golfclub an der Göhrde, wo Gränzer offenbar vor Jahren gewohnt hatte. Auch die Mailadresse läuft ins Leere. So bleiben die Fragen nach dem tatsächlichen Zustand des Gebäudes weiter unbeantwortet.

Notfalls mit Polizeigewalt

Auch der Landkreis weiß nach wie vor nicht, wie es tatsächlich um das Gebäude steht. Laut Leu erfolgte bisher nur eine Besichtigung aus dem öffentlichen Straßenraum. Wie es nun weitergeht? „Sollte es zeitnah zu keiner Ortsbesichtigung dahingehend kommen, dass der Zustand der Gesamtanlage außen, wie auch in den Gebäuden beurteilt werden kann, wird seitens des Landkreises Lüchow-Dannenberg das verwaltungsrechtliche Verfahren dahingehend fortgeführt, dass die Baukontrolle und das Betreten des Grundstückes gegebenenfalls durchgesetzt werden muss“, erklärt Leu. Was das konkret bedeutet und ob sich der Kreis notfalls mit Polizeigewalt Zutritt verschafft, konnte Leu nicht sagen, erklärte lediglich: „Wir haben die Frage hinreichend beantwortet.“

Überrascht von der Nachricht, dass der Landkreis überhaupt tätig geworden ist, zeigte sich Göhrdes Bürgermeister Thomas Stegemann (UWG). „Auf dem Gelände des Schlosses tut sich seit langer Zeit sehr wenig“, sagt er. Deshalb begrüßt er das Handeln des Landkreises. Wo sich derzeit allerdings etwa tut, ist an dem Forsthaus auf der anderen Straßenseite – angeblich ebenfalls in Gränzers Eigentum. „Es gab einen neuen Parkplatz und es stehen neue Dachziegel auf Paletten bereit.“ Ob die für das marode Dach am hinteren Teil des Schlosses bestimmt sind, kann auch Stegemann nicht beantworten.

Auch er versucht seit Jahren, Kontakt mit der Eigentümerin aufzunehmen – vergeblich (LZ berichtete). „Wir wollten gern mit ihr ins Gespräch kommen, ohne auf den Putz zu hauen“, sagt er. Doch das sei bisher nicht gelungen. Nach wie vor gebe es einen Interessenten, der das Jagdschloss sofort kaufen würde. „Er würde sogar richtig investieren“, sagt Stegemann. Wer der Interessent ist, verrät Stegemann nicht. Sagt nur so viel: Er stammt aus der Region.

Pläne für Bildungszentrum geplatzt

Dass der Putz an dem einst imposanten Gebäude bröckelt, war schon 2006 zum Zeitpunkt des Eigentümerwechsels bekannt. Damals kaufte Gränzer das Gebäude für 30 000 Euro vom Land Niedersachsen – und verpflichtete sich damit, das Denkmal zu erhalten. Doch ihre Pläne von einem transnationalen Bildungszentrum platzten, das Schloss steht augenscheinlich leer. Inzwischen dürfte der Sanierungsstau bei mehr als zwei Millionen Euro liegen. Diese Summe wurde schon 2006 gehandelt.

Von Thomas Lieske und Anna Sprockhoff

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