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1952 sitzt der erst 19 Jahre alte Hermann Dieck auf seinem ersten Trecker. Zu sehen ist ein solches Modell im Agrarium auf dem Kiekeberg. (Foto: nh)

Mein Porsche und ich

Salzhausen. Nichts hat die Landwirtschaft so rasant revolutioniert wie der Trecker – in einer Zeit, über die nur noch wenige berichten können. Zwei Filmemacher aus der Elbe-Weser-Region aber wollten es genauer wissen und haben einen Dokumentarfilm darüber gedreht. In diesem lassen drei norddeutsche Landwirte diese Zeit noch einmal lebendig werden – einer von ihnen ist der Salzhäuser Hermann Dieck.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging noch nichts ohne starke Pferde, erst in den 1950er-Jahren setzte sich die Vollmotorisierung durch. Was aber hat dieser Wechsel für die einzelnen Landwirte bedeutet? Welche Veränderungen gab es auf ihrem Hof, und welche Herausforderungen mussten sie meistern, um mit dieser neuen Technik fertig zu werden? Der 84-jährige Landwirt und Lohnunternehmer Hermann Dieck aus Salzhausen erinnert sich – und schwärmt noch heute von seinem ersten großen Trecker-Traum in Orange.

Lehre bei einer Stellmacherei

Bereits mit 14 Jahren musste Hermann Dieck auf dem elterlichen Hof mit anpacken. „Das war damals ganz normal“, erzählt der 84-Jährige heute, während er es sich in einem alten Sessel in seinem Wohnzimmer gemütlich gemacht hat. Sein Vater baute damals unter anderem Kartoffeln und Zuckerrüben an, für die Bewirtschaftung der Äcker hielt die Familie zwei Pferde und betrieb zudem eine Stellmacherei. Dort machte Hermann Dieck von 1949 bis 1952 eine Lehre – damals „ein ordentliches Handwerk“, erzählt Dieck. „Wir haben Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz hergestellt.“ Dinge, die für die Bewirtschaftung der Äcker unentbehrlich waren – ebenso wie Pferde.

Bis zu dem 1950-ern waren die Tiere in der Landwirtschaft nicht wegzudenken – eine „harte Arbeit für die Pferde“, erinnert sich Dieck. Pflügen, Schlegeln, Mist und Jauche fahren oder die Grasernte – all das war früher nur dank der tierischen Pferdestärken möglich, und auf dem Hof von Diecks mit der Hilfe von „Max“ und „Moritz“. „Zwei starke Pferde“, erinnert sich Hermann Dieck, aber dennoch „nicht die besten“: „Mein Vater hat immer darauf geachtet, dass wir nicht allzu gute Pferde haben“, erklärt Dieck. Grund dafür war die Wehrmacht. „Es gab regelmäßig Musterungen für Pferde. Die guten wurden dann abgekauft und mitgenommen, für die Kavallerie. Die sind alle gestorben – das wollte mein Vater für unsere nicht.“

Ein Traum wird wahr

Zwar habe es 1937/38 in Salzhausen bereits erste Trecker gegeben, doch ein eigener, „das war lange Zeit nur ein sehr großer Traum von mir und meinem Bruder Hans“, sagt Hermann Dieck. Wahr wurde dieser dann im Herbst 1951, als ein orangefarbener Porsche AP 17 auf dem Hof stand. „Wir lagen meinem Vater täglich damit in den Ohren. Das hat schließlich funktioniert“, lacht Dieck und seine Augen funkeln auch heute noch, wenn er an diesen Tag denkt. „Erst hatte ich Angst, dass ich das verpasse. Ich war vorher in Eppendorf im Krankenhaus, weil ich immer Kopfschmerzen hatte und war dann heilfroh, dass die mich nicht dabehalten haben.“

So konnte Hermann Dieck also direkt aufsteigen – „ein tolles Gefühl“. Der orangefarbene Porsche aus Leichtmetall, eine Tonne Gewicht, luftgekühlter Motor, Fliegkraftkupplung, 17 PS. „Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich die erste Runde gedreht habe. Er fuhr ganz sanft an, konnte 30 km/h schnell fahren, andere schafften nur 18 bis 20 km/h“, schwärmt Dieck noch heute. Zwar sei er schon vorher mal auf einem Trecker mitgefahren, „aber einen eigenen zu haben – darauf waren wir unendlich stolz.“

Manche Landwirte verschuldeten sich hoch für den Trecker

„Max“ und „Moritz“ mussten schließlich Platz machen für den Porsche. „Vermutlich endeten sie beim Schlachter. Für mich war das nicht so schlimm“, sagt Dieck, „ich war nie ein Pferdemensch, weil ich mal von einem runtergefallen bin.“ Hermann Dieck erinnert sich noch gut an die Veränderungen, die der Trecker mit sich brachte: „Wir machten ab da alles nur noch mit dem Porsche – und alles wurde dadurch leichter für uns. Das war ein riesiger Fortschritt in der technischen Entwicklung.“ Auf dem Trecker konnte man sitzen, den Pferden musste man „immer hinterherlaufen“, erzählt Dieck. „Das war sehr anstrengend, gerade im Sommer, wenn es heiß war. Da wusste man abends, was man gemacht hatte.“

Doch die technischen Veränderungen brachten nicht nur Positives mit sich: „Manche Landwirte verschuldeten sich hoch, weil eine Art Wettbewerb entstand, wer den besten Trecker hat“, sagt Hermann Dieck – für ihn dennoch ein „Umbruch, den ich nicht missen möchte.“

Der 55-minütige Film, der auch historisches Bildmaterial enthält, will dazu beitragen, dass dieser „einmalige Umbruch in der Landwirtschaft und seine Bedeutung für die Menschen nicht vergessen wird“, erklärt der Filmemacher Ernst Matthiesen. Infos und ein kurzer Trailer zum Film unter www.mawi-media.de

Von Patricia Luft