Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Zu selten war das „Hohnstorfer Fährhaus“ gut gefüllt. Seit Montag ist das Haus geschlossen. (Foto: be)

Aus für das Fährhaus

Hohnstorf. Noch vor knapp zwei Wochen füllten etwa 200 Gäste der Hohnstorfer Eiswette den Saal im „Hohnstorfer Fährhaus“, Freitagnachmittag war Hochbetrieb im Gasthaus, Sonntag stieg noch ein runder Geburtstag. Das war‘s dann aber auch mit dem Hohnstorfer Traditionshaus: Seit Montag ist das „Fährhaus“ geschlossen.

Seit einigen Jahren ist das „Hohnstorfer Fährhaus“ im Besitz von Erich und Horst Rothe, Unternehmer aus Lüneburg. In den vergangenen zwei Jahren fungierte Jörn Rothe als Geschäftsführer in Hohnstorf.

Insgesamt 13 Mitarbeiter, feste Kräfte und Aushilfen, verlieren durch die Schließung des „Fährhauses“ ihren Arbeitsplatz in dem Haus mit seinen 150 bis 200 Plätzen und der Sommerterrasse mit Blick auf die Elbe. „Ich habe ihnen die Kündigungen persönlich übergeben. Das war mir ein Anliegen“, berichtet Rothe.

Mehr Großveranstaltungen wären nötig gewesen

Er verwies auf die „problematische Lage der Gastronomie allgemein“. Konkret zur Lage des „Hohnstorfer Fährhauses“ sagt er: „Der Laden hat eben nicht genug gebrummt.“ Eigentlich, erklärt Rothe, hätte man an jedem Wochenende eine Großveranstaltung, wie etwa die Eiswette, gebraucht. Die habe es aber nicht gegeben.

Auch sei das Lokal „eben in die Jahre gekommen“, erklärt ein regelmäßiger Besucher des Hauses. Die Energiekosten für den weitläufigen Bau seien hoch gewesen und auch, wenn in den Vorjahren investiert worden sei, habe das nicht ausgereicht, um das Haus auf den neuesten Stand zu bringen.

Wie es weitergeht mit dem „Hohnstorfer Fährhaus“, ob es verkauft wird oder anderweitig genutzt, „ist noch völlig offen“, sagt Jörn Rothe. Und so haben Stammgäste, die über Jahre regelmäßig im Fährhaus zu Gast waren, ihnen gehörendes Inventar schon entfernt.

Hoffen auf einen Nachfolger

Etwa Alt-Bürgermeister Jens Kaidas, Gründer des „Elbe-Stammtischs 2012“, der Gläser abholte, oder der TuS Hohnstorf, der noch ein Rednerpult im Lokal gelagert hatte. Der Sportverein ist auch unmittelbar betroffen von der Schließung des Fährhauses: Die dort für Freitag, 26. Januar, 20 Uhr, geplante Jahreshauptversammlung wurde in das Restaurant „Zum Hohnstorfer“ im Sportzentrum verlegt. Auch die vom Hohnstorfer Fischereimuseum ausgeliehenen Dekorationen gehen dorthin zurück.

Hohnstorfs Bürgermeister André Feit, der im Ort aufgewachsen ist und das Fährhaus und zuvor das dort untergebrachte Café Koch bestens kennt, sagt: „Ich bedaure die Schließung natürlich sehr. Ich hoffe, dass das Gebäude für den Bereich der Gastronomie erhalten bleibt, dass es einen Nachfolger gibt. Es ist einfach eine tolle Lage.“

Für den, der in der Gemeinde Hohnstorf essen gehen will, ist die Auswahl mit der Schließung des Fährhauses am Elbdeich nun noch kleiner geworden. Aus ehemals fünf, dann vier, dann drei Möglichkeiten, sind nur noch zwei übrig geblieben: Das Lokal „Zum Hohnstorfer“ am Sportplatz und das Restaurant „elia“ in Bullendorf.

Zunächst nur eine „Bretterbude“

Als es noch keine Brücke zwischen Hohnstorf und Lauenburg gab, setzten die Menschen mit der Fähre über die Elbe – im Bereich des „Hohnstorfer Fährhauses“. Auf der Internetseite des Restaurants heißt es: „Das erste Fährhaus entstand hier bereits im 19. Jahrhundert und bestand mehr oder weniger aus einer Bretterbude.“

1884 siedelte sich eine Bäckerei an, die 1925 um ein Café erweitert wurde. Jahrzehntelang zog das Café Koch, in den 1950er-Jahren zum Restaurant erweitert, viele Gäste an – mit bis zu 250 Plätzen, Sommerterrasse und Kegelbahnen. Später wurde aus dem Café Koch das „Hohnstorfer Fährhaus“, übernommen von der Familie Rothe aus Lüneburg. Es folgten einige Pächterwechsel. Einmal, 2006, war das Haus insolvent, der Betrieb ging aber weiter – jetzt das Aus.

Von Ingo Petersen

One comment

  1. Na, da sollten die Hohnstorfer mal nach St.Dionys schauen. Das Gasthaus Fehlhaber war auch mal im Besitz dieser Familie. Ich wette, bevor die Gemeinde entsprechende Beschlüsse zum Schutz der alten Gaststätte gefasst hat, steht in dem Gebäude ein Bagger. So ein paar nette Wohneinheiten mit Elbblick lassen sich bestimmt viel besser an den Mann bringen wie der Fisch