Donnerstag , 15. November 2018
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Im Sommer 2017 hatte die Sturmserie begonnen und auch bei Deutsch Evern immer wieder zu Streckensperrungen geführt. (Foto: t&w)

Kahlschlag am Gleis fällt aus

Lüneburg/Uelzen. Anlässlich der teilweise verheerenden Stürme im vergangenen Jahr hatte die Metronom Eisenbahngesellschaft einen präventiven Grünschnitt entlang der Bahntrassen gefordert, um das massenhafte Herabstürzen von Bäumen und Baumteilen auf Gleise und Oberleitungen einzudämmen. Am Dienstag traf sich auf Einladung von Metronom in Uelzen nun ein Runder Tisch zum Thema Grünschnitt. Mehr als ein Dutzend Vertreter von Bahnunternehmen über Fahrgastverband, Naturschutzbund, Umweltministerium bis hin zur DB Netz AG nahmen teil. Metronom verlangte einen Kahlschlag in einem 15 Meter breiten Korridor links und rechts der Gleise.

Metronom ist mit den Ergebnissen unzufrieden

Zuständig für die Unterhaltung der Bahnstrecken ist die Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz AG. Deren Leiter Vertrieb & Fahrplan, Michael Körber, sagte nach der dreistündigen Gesprächsrunde hinter verschlossenen Türen gegenüber der LZ: „Es wird keinen 15 Meter-Kahlschlag rechts und links der Bahnstrecken geben.“ Bislang pflegt das Unternehmen in erster Linie jeweils einen sechs Meter breiten Streifen. Dieser Weg solle weiter verfolgt werden. Doch Körber sagte auch: „Wir werden uns die Bäume außerhalb der Sechs-Meter-Zone noch einmal genauer anschauen und prüfen, ob wir sie gegebenenfalls entnehmen müssen, weil sie krank und bei Stürmen gefährdet sind.“ Zum Runden Tisch selbst sagte er: „Der generelle Austausch hat zur Klärung der Sachlage beigetragen.“

Ernüchtert zeigte sich hingegen Torsten Frahm, Technischer Geschäftsführer der Metronom Eisenbahngesellschaft mbH: „Wir sind zufrieden, dass der Runde Tisch stattgefunden hat. Mit dem Ergebnis sind wir nicht zufrieden. Es fehlt an konkreten Maßnahmen.“ Dem pflichtete Dr. Rolf Erfurt, Geschäftsführer der Nordwestbahn, bei: „Die sechs Meter sind ein Minimum.“ Auch er hofft, dass dieser Runde Tisch zumindest ein Auftakt für weitere Gespräche ist.

Naturschutz nicht das Problem

Für Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu), „war es erstmal schön zu hören, dass nicht der Naturschutz das Problem ist“, sondern „über Jahrzehnte fehlende Pflege“ ohne mit derart heftigen Stürmen gerechnet zu haben. Gleichwohl müssten, jetzt wo in Bahnnähe weiterer Wald aufgewachsen sei, diese Flächen naturschutzfachlich betrachtet werden – und im Zweifel nach Fällungen Ersatzpflanzungen vorgenommen werden. Insofern findet Buschmann den von Metronom geforderten 15-Meter-Korridor „theoretisch machbar“. Aber: „Natürlich muss so etwas mit den Unteren Naturschutzbehörden abgesprochen werden.“ Allerdings koste es „auch furchtbar viel Geld, wenn man 15 anstatt sechs Meter pflegen will“.

Auf dem Streckenabschnitt zwischen Lüneburg und Bienenbüttel hat sich vor allem der Bereich Deutsch Evern als Brennpunkt erwiesen in dem bei Stürmen immer wieder Bäume auf die Gleise stürzen. Allein im Gebiet des Lüneburger Stadtforstes seien zirka fünf Kilometer entlang der Bahnstrecke betroffen und zwar im Bereich Tiergarten und Deutsch Everner Heide, sagt Stadtsprecherin Suzanne Moenck. Sich in Fragen des Grünschnitts mit der Deutschen Bahn abzustimmen sei aber Aufgabe des Landkreises Lüneburg als Untere Naturschutzbehörde.

Kreis Lüneburg wartet auch auf Gesprächstermin

Stefan Bartscht vom Fachdienst Umwelt des Kreises Lüneburg, sagte auf LZ-Nachfrage zum Runden Tisch in Uelzen: „Wir haben mit der Bahn und verschiedenen anderen Akteuren zu diesem Thema bereits an einem Runden Tisch gesessen. Momentan warten wir auf einen weiteren Gesprächstermin von Seiten der Bahn. Wir gehen davon aus, dass wir als zuständige Naturschutzbehörde bei den Rückschnittmaßnahmen an den Bahnstrecken fachlich eingebunden werden.“ Den von Metronom geforderten 15-Meter-Korridor sehe auch der Landkreis nicht. Bartscht: „Es ist befremdlich, dass die Ergebnisse der bisherigen Besprechungen offensichtlich vollkommen ignoriert werden und stattdessen ein Parallelprozess begonnen wird. Sowohl als Wald- als auch als Naturschutzbehörde sind übrigens die Landkreise die zuständigen Stellen. Diese wurden bei der Einladung außen vor gelassen.“

Von Dennis Thomas