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Ein Teil der Arbeitsgruppe, die das studentische Projekt umsetzen möchte: (v.l.) Linda Macfalda, Kevin Kunze, Greta Karcher, Adrian Wulf, Hanna Niedermeier, Florian Hermes und Linda Mensinger. (Foto: t&w)
Ein Teil der Arbeitsgruppe, die das studentische Projekt umsetzen möchte: (v.l.) Linda Macfalda, Kevin Kunze, Greta Karcher, Adrian Wulf, Hanna Niedermeier, Florian Hermes und Linda Mensinger. (Foto: t&w)

Mehr als bloß Latte macchiato

Lüneburg. Eine Universität ist nicht nur ein Ort für Seminare und Vorlesungen, sondern auch ein Treffpunkt. Lerngruppen verabreden sich an Wochenenden in der Bibliothek, Initiativen laden abends zu Veranstaltungen ein. Viele Studenten wohnen direkt am Campus, für ein Feierabendbier müssen sie in die Innenstadt radeln. Das soll sich bald ändern: An der Leuphana entwirft eine Arbeitsgruppe zurzeit ein Konzept für ein studentisch geführtes Café. Es soll in der Vorlesungszeit auch an Wochenenden geöffnet haben, abends mit Longdrinks, Wein und alkoholfreien Getränken locken. Die Neueröffnung hängt mit einer Schließung zusammen: Ende Juni läuft die Nutzungsvereinbarung für das „Café Neun“ aus.

Seit 2006 betreibt der Verein Campus im Gebäude 9 das Selbstbedienungs-Café, dort gibt es heiße und kalte Getränke, Snacks und mittags auch warme Speisen. Florian Hermes findet es dort „wenig einladend“, „kalt“ und sogar „bedrückend“. Mit dieser Meinung ist der 21-Jährige, der an der Leuphana Digital Media studiert, nicht allein. Vor allem sonntags fehlt den Studenten auf dem Campus eine Anlaufstelle. „Da kann man sich gerade mal eine Pizza liefern lassen.“

Betrieb könnte zum Wintersemester starten

Die Idee für ein studentisches Café hatte die Universitätsleitung, sie war im Sommer an den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) herangetreten. Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff sagt, dass ein Café von Studenten für Studenten und andere Hochschulmitglieder eine gute Ergänzung zu bereits vorhandenen und geplanten Einrichtungen darstelle. Zunächst gehe es darum, gemeinsam mit dem Kooperationsservice und Gebäudemanagement ein „gutes Konzept“ zu entwickeln. „Wenn es zu einer Einigung kommen sollte, werden für die Realisierung aller Voraussicht nach auch Baumaßnahmen erforderlich.“ Ein Betrieb könne frühestens im Wintersemester starten.

Einen ähnlichen Zeitplan hat das neunköpfige Planungsteam im Kopf, das sich zurzeit in Arbeitsgruppen dem gastronomischen Angebot, betriebswirtschaftlichen Grundlagen, rechtlichen Rahmenbedingungen und der inhaltlichen Ausgestaltung widmet. Spätestens im März soll feststehen, ob sich die Vorstellungen des Präsidiums mit denen der Studenten decken.

Eine Einigung hätte einen AStA-Servicebetrieb zur Folge, der sich über Einnahmen und studentische Beiträge finanziert. Ähnliche Projekte gibt es an der Leuphana bereits, ein Beispiel ist die Fahrradwerkstatt „KonRad“ neben der Mensa.

Vieles ist noch im Ungefähren

Die Wünsche von 960 Studenten hat die Arbeitsgruppe in einer Umfrage eingeholt. Beispielsweise, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung, eine biologische Produkt-Zertifizierung, ein vegetarisches und veganes Angebot ist. Auch die Frage nach Frühstück, einer Bio-Salatbar und einem ruhigen Bereich zum Arbeiten und Entspannen wurde gestellt. „99 Prozent haben gesagt, dass sie das Café grundsätzlich nutzen würden.“

Vieles ist noch im Ungefähren, muss in Gesprächen mit Christian Brei, dem Leiter der Universitätsentwicklung und -verwaltung, abgesprochen werden. Ein Beispiel ist die Finanzierung. Kevin Kunze (26), seit der ersten Stunde an den Planungen beteiligt, sagt: „Dadurch, dass die Räume der Uni gehören, kann es gut sein, dass sie uns manches Mobiliar bezahlen müssen.“ Ähnlich sei es damals bei der Einrichtung der Mensaküche gewesen.

Sicher ist, dass am Ende ein Ort entstehen soll, der auch nach außen hin sichtbar ist. Sitzgelegenheiten im Freien gibt es längst, nur sind die schwer zu finden. „Den Außenbereich möchten wir gern ansprechender und größer gestalten, leichter zugänglich machen.“ Auch ist den Studenten Transparenz wichtig, sie möchten detailliert über Produkte und Zulieferer auf einer Internetseite informieren. „Und das nicht auf der Unterseite einer Unterseite.“

Laufenden Betrieb mit hauptberuflichen Kräften

Die Gesichter, die jetzt an einem Konzept arbeiten, wird man aber später kaum in dem Café entdecken. Da bleibt Kunze realistisch: „Wir benötigen hauptberufliche Kräfte, einen Geschäftsführer, jemanden in der Buchhaltung, eine Küchenleitung und ein Team an Studenten“, sagt er. „Sicher wird es nach der Einstellung eine Übergabephase geben, aber dann geben wir den Betrieb idealerweise ab.“

Experten gesucht: Wer sich mit gastronomischer Ausstattung, rechtlichen Grundlagen und wichtigen Lizenzen auskennt, kann sich an die Arbeitsgruppe per E-Mail an cafe@asta-lueneburg.de wenden.

Café Neun schließt

Keine Vertragsverlängerung

Der Verein Campus um Geschäftsführer Klaus Hoppe hatte bereits im Juli 2017 mit dem endgültigen Aus des Café Neun gerechnet, deshalb im Oktober 2016 in der Ladenzeile, in der auch die Sparkasse und ein Buchladen untergebracht sind, das Café Valinta eröffnet. „Ungefähr drei Monate vor Vertragsende haben wir das Angebot zur Verlängerung erhalten, das kennen wir ja vom Vamos“, sagt Pressesprecherin Nele Jennert. „Wir haben dann unsere Pläne größtenteils zurückgedreht.“

Geschlossen wurde der Mietvertrag mit der Leuphana 2006. Die Uni hatte einen neuen Betreiber für das Café gesucht, Campus bewarb und erhielt den Zuschlag. Das Café Valinta sei aber eine gute Alternative, dort fahre man ein anderes Konzept: „Besonders bei den To-go-Bechern haben wir auf Nachhaltigkeit geachtet, sie werden geschreddert und auf unserem Hof kompostiert.“ Zuletzt hatten die Architekten des Libeskind-Baus die Räume gemietet, davor hatte Cambio, ein Campus-Unternehmen, dort ein Büro.

Von Anna Paarmann