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Schulbegleiter helfen behinderten Kindern in den unterschiedlichsten Situationen. (Foto: Foto: paritätischer wohlfahrtsverband niedersachsen)

Mit Helfer in die Schule

Lüneburg. Sie begleiten das Kind auf dem Weg in die Schule, helfen bei der Orientierung im Schulgebäude, unterstützen im Unterricht, leisten auch einmal Hilfe beim Toilettengang und vieles mehr – Schulbegleiter sind für viele Kinder mit Behinderungen unterschiedlichster Art unerlässlich beim Schulbesuch – meistens in der Regel-, aber auch in der Förderschule.

Im Zuge der Inklusion, aber auch im Zuge der vermehrten Einführung von Ganztagsschulen, ist die Zahl der von Schulbegleitern betreuten Kinder in den letzten Jahren stark angestiegen. Damit stiegen für die Kommunen aber auch die Kosten, die sie zum großen Teil zu tragen haben – und das kräftig. Grob gerechnet sind die Bruttokosten für die Schulbetreuung für Landkreis und Stadt Lüneburg zwischen 2012/13 und 2016/17 von etwa 1,66 Millionen Euro auf 3,87 Millionen Euro angewachsen.

Das Thema „Schulbegleitung“ ist ein komplexes, machen Ines Benne und Matthias Naß, die beim Landkreis Lüneburg dafür zuständig sind, klar. Das geht mit der Zuständigkeit los: Für körperlich und geistig behinderte Kinder, denen eine Hilfe nach Sozialgesetzbuch (SGB) XII zusteht, ist Naß zuständig. Um die Fälle der Kinder mit seelischer Behinderung, denen eine Hilfe nach SGB VIII zukommt, kümmert sich Benne.

Zwei gesetzliche Grundlagen

Auch sind es nicht Landkreis und die Stadt selbst, die die Schulbegleiter stellen – vielmehr geben diese die Leistung in Auftrag: an den Paritätischen Wohlfahrtsverband, die Lebenshilfe und die Aineo Schulassistenz GbR. Von denen kommen „sehr viele qualifizierte Schulbegleiter“, erklärt Ines Benne. Standard im Zuge der Schulbegleitung sei auch eine jährliche Hilfeplanungskonferenz, an denen unter anderem Schulleitung, Lehrer, Eltern, Ämter und Schulbegleiter teilnehmen.

Die Zahlen im Einzelnen: Während der Landkreis im Jahr 2013 in seinem Bereich 22 begleitete Kinder nach SGB XII zählte, waren es 2017 schon 40. Die Kosten stiegen zeitgleich von 403 000 Euro auf 866 000 Euro. Dazu kamen 2013 für den Landkreis aus dem Bereich des SGB VIII 20 Betreuungen, 2017 waren es 51. Die Kosten stiegen in diesem Zeitraum von 550 000 auf 1,4 Millionen Euro.

Auch bei der Stadt Lüneburg sind Fallzahlen und Kosten für die Schulbegleitung rasant gestiegen: Im Bereich des SGB VIII von elf (Schuljahr 2012/13) auf 37 Fälle (2016/17) – das macht eine Kostensteigerung von 198 000 Euro auf knapp 723 000 Euro aus. Im Bereich des SGB XII gab es im Schuljahr 2012/13 in der Stadt 25 Fälle (Kosten: rund 513 000 Euro). Im Schuljahr 2016/17 gab es 38 Fälle (885 000 Euro).

Immerhin: Landkreis und Stadt tragen die Kosten für die Schulbegleitung nicht allein. Im Falle der Hilfen nach Sozialgesetzbuch XII übernimmt das Land rund 75 Prozent der Kosten, 25 Prozent der Landkreis. Im Falle der Hilfen nach Sozialgesetzbuch VIII trägt der Landkreis die Kosten allein.

Schulbegleitung kann sich über die gesamte Schullaufbahn eines Kindes erstrecken, Begleitung kann aber auch auslaufen, wenn die Fortschritte beim Kind das möglich machen. Ines Benne: „Am schönsten ist es doch, wenn sich Schulbegleitung überflüssig macht.“

Mehr Engagement vom Land gefordert

Mehr Engagement des Landes in Sachen Schulbegleitung fordert Martin Wiese, Leiter des Fachbereichs Soziales beim Landkreis. Er sagt: „Über die Entwicklung der Schulbegleitungen sind wir als Landkreis sowohl im Hinblick auf die Kosten als auch inhaltlich nicht besonders glücklich. Bei der Schulbegleitung wirken die Systeme Sozialhilfe und Jugendhilfe in das System Schule hinein. Die Probleme müssten aus unserer Sicht aber viel stärker mit schulischen Mitteln gelöst werden – hier ist im Hinblick auf Konzepte das Land noch stärker gefragt.

Von Ingo Petersen