Aktuell
Home | Lokales | Neue Regelung für die Aufnahme
Beliebte Schule in Lüneburg: Wer am Gymnasium Oedeme bevorzugt aufgenommen wird, wollen Stadt und Kreis jetzt neu regeln. Foto: t&w
Beliebte Schule in Lüneburg: Wer am Gymnasium Oedeme bevorzugt aufgenommen wird, wollen Stadt und Kreis jetzt neu regeln. Foto: t&w

Neue Regelung für die Aufnahme

Lüneburg. Dem Steuerzahler kann es egal sein, aus welcher Kasse das Geld für die Gebäude fließt. Ob die Stadt Lüneburg oder der Landkreis bezahlt, untergebrach t werden müssen die Schüler so oder so. Dennoch bleibt es ein leichtfertiges Versäumnis, das nun Jahrzehnte später dafür sorgt, dass wohl ein hoher einstelliger Millionenbetrag aus einem Haushalt in den anderen verschoben wird.

In den 70er-Jahren, als Stadt und Kreis unter anderem im Lüneburg-Vertrag festhielten, wer welche Behörde behalten darf und wo künftig was geregelt wird, ging es auch um die Zuständigkeit für die Schulen. Die Trägerschaft für die weiterführenden Schulen im Stadtgebiet wurde auf die Stadt übertragen. Nur der Einzugsbereich von Oedeme – dazu zählen neben dem Stadtteil selbst Rettmer und Häcklingen – blieb in der Verantwortung des Kreises, es war schlicht vergessen worden, das zu übertragen. Rund 40 Jahre später soll das nun in Teilen nachgeholt werden. Die Stadt soll die Verantwortung für Schüler aus Rettmer und Häcklingen übernehmen, Oedeme beim Kreis bleiben. Dafür soll der Kreis die Kosten für erforderliche Anbauten an städtischen Schulen übernehmen. Die Stadtverwaltung kalkuliert mit 6,7 Millionen Euro für jeweils einen Zug an der Herderschule und am Johanneum.

Gericht erklärt Verfahren für Oedeme als rechtswidrig

Der Schulausschuss des Kreises ist einstimmig dafür, allerdings muss diese Regelung noch weitere Gremien beim Kreis und bei der Stadt passieren. Großer Widerstand ist allerdings nicht zu erwarten, denn eine Arbeitsgruppe mit Politikern und Verwaltungsfachleuten aus Stadt und Kreis hatte den Deal in mehreren Sitzungen so ausgehandelt.

Hintergrund ist die große Beliebtheit des Gymnasiums Oedeme, das fast nie alle Schüler aufnehmen kann, die dort ab Klasse 5 lernen wollen. Der Kreis als Träger der Schule hatte daraufhin gelost, aber dabei Schüler bevorzugt, die außerhalb Lüneburgs wohnen. Eltern aus Oedeme klagten gegen die Ablehnung ihrer Kinder und erhielten am Ende recht – eben weil für Oedeme, Rettmer und Häcklingen nie der Wechsel der Zuständigkeit an die Stadt schriftlich fixiert worden war und Kinder aus diesem Gebiet daher nicht gegenüber auswärtigen Kindern benachteiligt werden dürfen.

Stadt und Kreis bastelten an einer Lösung

Martin Wiese, Leiter des Fachbereichs Soziales beim Landkreis, sagte jetzt im Schulausschuss: „Das Verwaltungsgericht hat tatsächlich die alten Unterlagen rausgeholt und das festgestellt.“ Damit war klar: So konnte es nicht mehr weitergehen, denn wenn alle Schüler aus diesen Stadtteilen auch noch in Oedeme aufgenommen würden, dann platzt die schon jetzt große Schule irgendwann aus allen Nähten. Stadt und Kreis bastelten an einer Lösung. Die ganze Angelegenheit sei „insgesamt eine schwierige Kiste“ gewesen, sagt Wiese.

Doch nun liegt ein Vorschlag vor, der offenbar mehrheitsfähig ist. Der Stadt sorgt – künftig auch ganz offiziell – für ausreichend Plätze für Kinder aus Rettmer und Häcklingen ab Klasse 5. Für diese Bereitschaft müsste der Kreis finanziell beim Anbau an der Herderschule mit rund 3,2 Millionen Euro und am Johanneum mit 3,5 Millionen Euro in die Bresche springen. „Es kann am Ende aber vielleicht auch etwas mehr oder etwas weniger werden“, gab Wiese zu bedenken. „Aber ob wir in Oedeme bauen oder sonstwo, die Kosten sind dieselben.“

Noch ein Gymnasium oder lieber eine Gesamtschule?

Die Politiker stimmten allesamt zu. Für Achim Gründel (SPD) ist dieser Deal nicht ungewöhnlich, er erinnerte daran, dass „sich die Samtgemeinde Bardowick bei der Herderschule und die Samtgemeinde Ostheide beim Johanneum eingekauft haben“. Da nahezu alle Gymnasien in Stadt und Kreis stark angewählt werden, stellt sich für Ulrike Walter (CDU) mittelfristig aber die Frage, „ob wir eine neue Schule brauchen? Denn wir haben ja insgesamt zu wenig Gymnasialplätze.“ Aus Sicht von Antje Aden-Meyer (Grüne) käme aber auch eine weitere Gesamtschule infrage, denn die IGS in Kaltenmoor werde ja auch stets weit stärker angewählt als Plätze zur Verfügung stehen. Gründel gab zu Bedenken: „Wenn ich daran denke, wie lange wir beim Gymnasium Bleckede gebraucht haben, hilft uns das zeitnah nicht weiter.“

Von Alexander Hempelmann