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Randvoll sind auf fast allen Höfen in der Region die Gülle-Behälter. Zwar darf der Mist mit Ausnahmegenehmigung schon jetzt ausgefahren werden, doch das schafft kaum Entlastung. Viele Felder sind noch unbefahrbar. Foto: t&w

Gülle-Behälter drohen überzulaufen

Lüneburg. Gülle-Stau auf den Bauernhöfen in der Region: Schon im Herbst kamen viele Landwirte wegen des Dauerregens nicht mehr auf ihre Felder, sodass die Jauch e im Tank bleiben musste. Nun, kurz vor Ende der offiziellen Ausbringungs-Sperrfrist, sieht es nicht viel besser aus. „Offiziell dürften wir ab 1. Februar zwar wieder Dünger ausbringen“, sagt Hartmut Burmester, „die Frage ist, ob das Wetter dann mitspielt.“ Noch reichen die Lagerkapazitäten des Milchviehhalters, „doch wir kämpfen um jeden Kubikmeter“. Kann er im Februar noch immer keine Gülle fahren, droht ein Überlaufen der Behälter. „Das müssen wir um jeden Preis verhindern“, so Burmester, „das Problem: Ich weiß gerade nicht wie.“

In ganz Norddeutschland kämpfen Landwirte aktuell gegen den Gülle-Stau, auch die Lagerkapazitäten für Gärreste aus Biogasanlagen sind vielerorts erschöpft. Mit einer Ausnahmegenehmigung haben die ersten Bauern inzwischen zwar schon wieder Dünger ausgebracht, doch das ist längst nicht auf allen Flächen möglich. Gerade in Regionen wie der Elbmarsch ist an ein Befahren der aufgeweichten Böden aktuell nicht zu denken. „Da nützt uns auch keine Ausnahmegenehmigung“, sagt Burmester. Ähnlich geht es Uwe Meyer aus Neu Jürgenstorf. Seine Lagerkapazitäten reichen noch drei Wochen. „Die Lage spitzt sich zu.“

„Ein Albtraum.“ So nennt die Situation der Leiter der Düngebehörde bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Franz Jansen-Minßen. „In 40 Berufsjahren habe ich das noch nicht erlebt.“ Die Not auf vielen Betrieben im Land sei riesig, „überall wird händeringend Lagerraum gesucht“. Um Entlastung zu schaffen, seien gerade zum Jahreswechsel mancherorts Tag und Nacht spezielle Gülle-Separationsanlagen gelaufen. „Dabei werden die Feststoffe aus der Gülle separiert, das schafft dann ungefähr 15 Prozent mehr Platz im Gülletank.“

Das Land selbst hat ebenfalls reagiert und verschiedene Ausnahmeregelungen geschaffen. Eine davon ermöglicht den Landwirten seit Dienstag wieder das Dünger-Ausbringen auf Grünland. „Am Montag haben wie die Regelung bekannt gegeben“, berichtet Jansen-Minßen, „am Dienstagabend hatten wir bereits mehr als 200 Anträge.“ Weitere Notmaßnahmen regelt ein sogenannter Havarie-Erlass des Landes, darunter zum Beispiel der Bau von Not-Lagern. Anträge dafür sind beim Landkreis Lüneburg bisher nicht eingegangen. Laut Sprecherin Katrin Holzmann gab es bisher lediglich zwei Beratungsgespräche zu dem Thema. „Doch das heißt nicht, dass nicht noch Anträge gestellt werden.“

Auch Jens-Peter Zeyn weiß: „Die Not in vielen Betrieben ist verdammt groß.“ Als Chef eines Lohnunternehmens gehört er aktuell zu den Profiteuren der Krise, sein Geschäft mit den Gülle-Transporten brummt. „Wir fahren Gülle und Gärreste zum Teil über Hunderte Kilometer zur nächsten Lagermöglichkeit, nicht unwahrscheinlich, dass wir das meiste davon dann zum Ausbringen wieder zurückbringen werden.“ Das sorgt für Umsatz. „Gut fühlen wir uns damit nicht“, sagt er, „immerhin sind das unsere Kunden, die darunter leiden.“

Tiere produzieren weiterhin Gülle

Er selbst ist als Biogasanlagen-Betreiber ebenfalls betroffen, „glücklicherweise haben wir selbst genug Lagerkapazität“. Kollegen geht es nicht so gut. „Die ersten überlegen bereits, mit ihren Anlagen eine Zeit lang vom Netz zu gehen, um nicht noch mehr Gärreste zu produzieren“, berichtet Zeyn. „Trotz großer wirtschaftlicher Konsequenzen.“

Milchviehhalter wie Burmester haben diese Möglichkeiten nicht. Ihre Tiere produzieren weiterhin Gülle – und die muss irgendwohin. Glaubt man den Gerüchten, gibt es noch hier und da Lagermöglichkeiten, doch die wollen die Eigentümer erst vermieten, wenn mit der Not auch die Preise auf Rekordhoch gestiegen sind. Bleibt den Landwirten nur die Hoffnung auf das Wetter. Das allerdings könnte die Situation auch noch weiter zuspitzen. „Das Schlimmste wären am 1. Februar minus zehn Grad oder 20 Zentimeter Schnee“, sagt Burmester. Denn Gülle darf nur dann ausgebracht werden, wenn der Boden weder wassergesättigt noch überschwemmt, durchgängig gefroren oder schneebedeckt ist.

Von Anna Sprockhoff