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Beförderung mit Beigeschmack

Lüneburg. Die Schule am Schiffshebewerk hat sich mit einem kritischen Brief an die Landesschulbehörde gewandt, von „großer Ungerechtigkeit“ ist darin die Rede, von „Unruhe und Unzufriedenheit“, vom „Schüren des Konkurrenzgedankens“. Auch an anderen Oberschulen in Stadt und Landkreis ist ein Erlass des Kultusministeriums aktuell ein heiß diskutiertes Thema.

Öffentlich mit Namen äußern mögen sich die meisten nicht, zu groß ist die Sorge, vom Dienstherrn einen Rüffel zu bekommen. Was viele Oberschullehrer aus der Region so erzürnt, erscheint zunächst paradox: Denn einigen von ihnen winkt eine Beförderung und rund 300 Euro netto mehr im Monat. Doch was eigentlich ein Grund zur Freude ist, führt in der Realität zu Neid und Missgunst. Denn die Chance auf eine solche besser dotierte A13-Stelle erhält nur ein ganz kleiner Teil des Kollegiums.

In Niedersachsen erhalten Ober- und Realschullehrer den Beamtensold A12, in Hamburg oder Schleswig-Holstein ist dagegen A13 die Regel. Wegen des besseren Verdienstes zieht es viele junge Lehrer in andere Bundesländer. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat das Kultusministerium in Hannover einen Erlass in Kraft gesetzt: Jede Schule in Niedersachsen hat ein bestimmtes Kontingent zugewiesen bekommen, die Realschule Bleckede mit einem Kollegium von 25 Personen erhält beispielsweise drei solcher Stellen, die Christianischule sechs. Etliche Lehrer sprechen von einem „großen Hauen und Stechen“, manche fürchten um ihren Job. Denn die Ausschreibung ist öffentlich, auch Kräfte von anderen Schulen können sich bewerben.

Schulleiter sieht eine „gewisse Sprengkraft“

Rolf Parlow, Leiter der Realschule Bleckede, hat eine klare Meinung: „Das Verfahren wurde mit heißer Nadel gestrickt.“ Erst kurz vor den Sommerferien 2017 habe die Landesschulbehörde die Informationen zu dem Erlass, der „schon über eine gewisse Sprengkraft verfügt“, weitergetragen. Parlow hat diese auch gleich in das Kollegium gereicht – mit dem Hinweis, dass er nichts Genaueres wisse. „Im September habe ich die Landesschulbehörde um nähere Auskünfte gebeten, ein Gespräch hat erst am 27. November stattgefunden“, sagt er. Eigentlich hätten die Ausschreibungen kurz darauf bereits bei der Behörde eingereicht werden müssen, doch den Schulleitern wurde ein Aufschub bis zum 22. Dezember gewährt.

Die A13-Stellen sind an besondere Vorgaben gebunden. Im Erlass heißt es, dass sich diese dadurch auszeichnen, „dass neben den im Eingangsamt wahrzunehmenden Tätigkeiten zusätzliche, höherwertige schulfachliche und organisatorische Aufgaben zu erfüllen sind“. Um das Anforderungsprofil genauer zu definieren, hat Parlow eine Ausschreibung im Umfang einer halben Seite eingereicht. Zurückerhalten hat er eine zwei Sätze lange Zusammenfassung, „die sich jetzt in Allgemeinheiten verliert“. Damit hat der Schulleiter ein Problem, schließlich gibt es Lehrer an seiner Schule, die die geforderten Aufgaben schon längst übernehmen – ohne dass sie dafür mehr Geld bekommen haben. „Ihnen hätte ich gern die Stellen zugeschrieben.“ Jetzt könnten sich bis zum 16. Februar auch Lehrer von anderen Schulen bewerben, das hätte möglicherweise Abordnungen und Versetzungen zur Folge.

Kritik übt der Pädagoge auch am Aufwand. „Für die Schulleiter bedeutet das viel Arbeit, wir fällen die Entscheidung und müssen uns später gegenüber unseren Lehrern rechtfertigen.“ Manche fallen von vornherein durchs Raster, antragsberechtigt sind Lehrer, die verbeamtet sind oder den Titel „Beamte auf Probe“ tragen. Auch müssen sie das Lehramt für Oberschulen oder das frühere Grund-, Haupt- und Realschullehramt studiert haben. Angestellte Pädagogen sind ohne Chance.

Angst vor Abmahnungen

Lehrer einer anderen Lüneburger Schule, die sich gegenüber der LZ zum Thema äußern wollten, haben einen Rückzieher gemacht. Ihnen sei davon abgeraten worden, ihren Dienstherrn zu kritisieren. Sie fürchten „sehr harte Maßnahmen“, eventuell sogar Abmahnungen. Die Verärgerung darüber, als Beamter die eigenen Ansichten nicht mal öffentlich vertreten zu können, sei groß.

Rückenwind erhalten die Schulen von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Gundi Müller, Vorsitzende des Lüneburger Bezirksverbands, sagt, dass man sich mit der Anzahl an A13-Stellen nicht zufrieden gebe. „Das muss auf jeden Fall mehr werden, wir fordern für alle Lehrämter A13.“ Schließlich würden heute alle angehenden Lehrer eine Bachelor- und Master-Ausbildung durchlaufen. Müller bestätigt, dass die Ausschreibung der Beförderungsstellen landesweit für Unruhe in den Schulen und zu diversen Nachfragen geführt hätte. Nur durch eine transparente und den Regelungen entsprechende dienstliche Beurteilung könne Ungerechtigkeitsgefühlen und Missgunst entgegengewirkt werden.

Von Anna Paarmann

Hintergrund

Das sagt das Ministerium

Die Zahl der zugewiesenen besser dotierten Stellen auf die einzelnen Schulen schwankt je nach Schulgröße und Anzahl der Lehrer im Kreis Lüneburg zwischen einer (Neuhaus) und sieben Stellen (Oedeme), macht Sebastian Schumacher, Pressesprecher im Kultusministerium, deutlich. In Lüneburg würden 40 Stellen eingerichtet. Das bei der Besetzung von A13-Beförderungsstellen für Realschullehrer angewandte Verfahren sei mit dem Besetzungsverfahren von Oberstudienräten an Gymnasien vergleichbar. Auch bei diesen Stellen handle es sich um das erste Beförderungsamt.