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Die Schulsprecher von Haupt- und Realschule Bleckede, Lisa Radtke und Thomas Bogumiel, präsentieren nach der Auszeichnung das Schild „Schule ohne Rassismus“. Foto: t&w

„Wir müssen das Miteinander cool machen“

Bleckede. Wer anders ist, wird oft diskriminiert: Häufig braucht es gar keinen Grund zum „Fertigmachen“. „Beleidigungen sind heute schneller getippt als gesprochen“, beschrieb Landrat Manfred Nahrstedt das Phänomen, dass soziale Medien täglich mit Hasskommentaren geflutet werden. Um sich gegen Demütigung, Diskriminierung und Rassismus zu stellen, braucht es Courage. Jetzt wurden die Jörg-Immendorff-Schule und die Realschule Bleckede als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet.

Landrat Nahrstedt ist Pate der Realschule; Bleckedes Stadtjugendpfleger Maik Peyko hat die Patenschaft für die Hauptschule übernommen. Der „Partizipationsgedanke“ beeindruckt Peyko am meisten: „Ihr habt viel Zeit investiert, habt Unterschriften gesammelt und euch engagiert“, lobte er die Schüler. Deshalb sei er „zuversichtlich, was unsere Zukunft angeht“.

Schicksalsschlag führt zu Sinneswandel

Zu der Feierstunde eingeladen war neben Bürgermeister Jens Böther, dem Landeskoordinator Dr. Peter Kaufmann, Vertretern aus der Elternschaft und des Fördervereins auch Christoph Rickels, der Initiator des Präventionsprojektes „First Togetherness“. Er berichtete den Neunt- und Zehntklässlern aus seinem Leben, das sich vor über zehn Jahren von einer auf die andere Minute jäh änderte. „Seit diesem Moment bin ich kaputt“, erzählte der 30-Jährige, dessen sorgloses Leben als „Möchtegern-Gangster“ durch einen gezielten Schlag ein abruptes Ende fand.

Das war im September 2007, als er aus einer Disco in Aurich kam und von einem eifersüchtigen, jungen Mann mit einem gezielten Hieb an die Schläfe zu Boden gestreckt wurde und so unglücklich fiel, dass er erst vier Monate später aus dem Koma erwachte. Seitdem ist er zu 80 Prozent schwerbehindert. Rickels schilderte, wie er sich ins Leben zurückgekämpft hat. „Du erntest das, was du säst“, lautet sein Credo. Und durch Energie und Kampfgeist hat er mittlerweile viel geerntet, ein eigenes Unternehmen gegründet, ein prominent besetztes Video gemacht und viele Schulen besucht, um für ein neues „Cool“ zu werben – ein Cool des Miteinanders.

Seine schnörkellosen Schilderungen kamen gut an bei den Schülern, sein Kampf zurück zu Sport und Autofahren beeindruckte die jungen Zuhörer. „Er hat uns beide Seiten gezeigt, die des Möchtegern-Cool-Gangsters und die von jemandem, der diese Initiative ins Leben gerufen hat und anderen helfen will“, fasste Kelvin (17) zusammen.

Viel verloren und doch nach vorne geschaut

Denn Rickels, der viel verloren hat, vor allem seine Freunde, der Schulsprecher, Supersportler und Rapper war und – wie er sagt „ein Affe“ – schaut nach vorne. „Wir müssen das Miteinander cool machen. Seid stolz, dass ihr diesen Weg mitgeht!“ So ist seine Haltung sicher das beste Vorbild für jede Schule mit Courage.

▶ Weitere Courage-Schulen in Stadt und Kreis: Berufsbildende Schulen I und II, Herderschule, Wilhelm-Raabe-Schule (alle Lüneburg), Oberschule am Katzenberg (Adendorf) sowie Grund- und Hauptschule Embsen.

Von Silke Elsermann

One comment

  1. >Das war im September 2007, als er aus einer Disco in Aurich kam und von einem eifersüchtigen, jungen Mann mit einem gezielten Hieb an die Schläfe zu Boden gestreckt wurde und so unglücklich fiel, dass er erst vier Monate später aus dem Koma erwachte.<

    Heute ist es viel Extremer. Da wird täglich von "jungen Männern" berichtet, die aus verletzem Stolz, Ehre und Eifersucht zum Messer greifen. Etliche Tote gibt es bereits.
    Was das mit der Bekämpfung von Rassismus zu tun haben soll,muss man mir mal erklären.