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Das Denkmal am Springintgut für die Toten der 110. Infanterie-Division. (Foto: be)
Das Denkmal am Springintgut für die Toten der 110. Infanterie-Division. (Foto: be)

Linke fordern Forum Erinnerungskultur

Lüneburg. Die Stadt soll in Kooperation mit der Universität, dem Museum Lüneburg, Vereinen und Verbänden, die sich der Aufarbeitung des Nationalsozialismus widmen, ein öffentliches Beteiligungsforum zur Lüneburger Erinnerungskultur entwickeln. Das fordern die Linken in einem Antrag zur nächsten Ratssitzung am 1. Februar.

„Es ist gut, dass nun eine öffentliche Debatte zur Erinnerungskultur in Lüneburg stattfindet, an der sich viele Bürger beteiligen“, sagt Ratsherr David Amri mit Blick auf die Diskussion um den Gedenkstein der 110. Infanterie-Division und die Äußerungen von Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf eben dort in einem Video eines rechten Bloggers. „Bei der Neugestaltung von Kriegs-Denkmälern sollten wir uns nicht an Beschlüsse klammern, die hinter verschlossenen Türen im Verwaltungsausschuss gefasst wurden“, findet Amri. Der Beschluss sei nicht Ergebnis einer öffentlich geführten Debatte gewesen. „Eine Lüneburger Erinnerungskultur ist Sache von allen Lüneburgern und darf nicht von der Kommunalpolitik allein vorgegeben werden. Wir brauchen vielmehr die an der Universität vorhandene wissenschaftliche Expertise sowie die Perspektive von Opferverbänden, die sich der lokalen Aufarbeitung der NS-Zeit widmen.“

Offener Brief an Bürgermeister Scharf

Im Fall Scharf gibt es unterdessen einen weiteren Kritiker. Peter Raykowski fühlt sich getäuscht und hintergangen. Der Lüneburger zählte zu den Organisatoren des Besuchs von Zeitzeuginnen aus Ozarichi im Lüneburger Rathaus. Die Damen aus Weißrussland hatten am Ende des Zweiten Weltkrieges Gefangenschaft, Gewalt und Massensterben im deutschen Konzen­trationslager als Waisenkinder überlebt. Dr. Gerhard Scharf hatte die Gruppe empfangen. Was der Bürgermeister damals über das Thema Ozarichi gesagt habe und wie er sich nun im Video des rechten Bloggers Nikolai N. äußerte – das passt für Raykowski nicht zusammen. Er hat deshalb einen offenen Brief an Scharf, Oberbürgermeister Ulrich Mädge und die Mitglieder des Lüneburger Rates geschrieben.

In dem Schreiben kritisiert er unter anderem, dass Scharf die Organisatoren des Besuchs der Verdrehung historischer Wahrheiten bezichtige und wahrheitswidrig behaupte, diese wollten Denkmäler in Lüneburg abreißen. Der Bürgermeister leugne selbst Wehrmachtsverbrechen und verharmlose das später als „Blackout“. Raykowski findet, dass Scharf mit seinen „rückwärtsgewandten Äußerungen erheblichen Schaden angerichtet“ habe. Er erwarte von dem Bürgermeister, dass er nicht nur allgemein sein Bedauern ausdrücke, sondern sich auch zu seinen inhaltlichen Aussagen im Video äußert. Mädge solle seinem Vertreter diesen Schritt nicht ersparen. Scharf selbst will sich bekanntlich erst wieder im Rat zu dem Video erklären. ahe

Mehr dazu:

Gedenkkultur-Debatte: Wie kommt Bürgermeister Dr. Scharf in den rechten Videokanal?