Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | „Das ist wie auf der Autobahn“
„Unübersichtlich“ ist für die Gruppe „Sicherer Schulweg“ die Einmündung der Straße Große Worth in die St.-Nikolaistraße. (Foto: t&w)
„Unübersichtlich“ ist für die Gruppe „Sicherer Schulweg“ die Einmündung der Straße Große Worth in die St.-Nikolaistraße. (Foto: t&w)

„Das ist wie auf der Autobahn“

Bardowick. Ein ganz normaler Sommertag vor zwei Jahren: Janine Legrand holt gerade ihre Tochter von der Grundschule Bardowick ab, als es am Zebrastreifen plötzlich kracht. Eine Autofahrerin bremst für die Passanten ab, ein weiterer Wagen fährt auf. Schockgefühle auf beiden Seiten. Schon vorher sei ihr klar gewesen, „wie gefährlich dieser Schulweg ist“, sagt Janine Legrand, doch dieser Unfall brachte für sie das Fass zum Überlaufen – und einiges ins Rollen: Im Frühjahr 2017 nahm die parteiübergreifende Gruppe „Sicherer Schulweg“ in Zusammenarbeit mit Polizei und Schule ihre Arbeit auf, die jetzt für drei „Gefahrenpunkte“ in Bardowick konkrete Maßnahmen vorschlägt.

  • In der Kritik steht die Ausfahrt Große Worth/St.-Nikolaistraße. „Dieser Einmündungsbereich mit dem Zebrastreifen und der Einfahrt in den Busplatz ist sehr unübersichtlich“, heißt es seitens der Gruppe. Sie schlägt vor, den Parkstreifen seitlich der St.-Nikolaistraße östlich des Zebrastreifens zurückzubauen, da die dort abgestellten Autos die Sicht von Fußgängern und Schulweglotsen versperrten. Und: Ein Poller könnte verhindern, dass der aus der Straße Große Worth kommende Verkehr schräg nach rechts über den Bürgersteig und den Einmündungsbereich des Busplatzes abfährt.
  • Auch in der Pieperstraße wurden nach einer Befragung der Fleckenbewohner Gefahrenpunkte ausgemacht. Beide Enden des als „Shared Space“ ausgebauten Bereichs seien für Fußgänger nur schwer zu queren. „Hier wäre schon durch die optische Führung der Querungswege durch entsprechende Fahrbahnmarkierungen eine deutliche Verbesserung möglich.“
  • Ähnliches Urteil für die Straße Im Sande: Eine gefahrenlose Überquerung sei hier an keiner Stelle möglich, heißt es, denn der Fahrzeugverkehr habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Als kurzfristige Lösung wird zunächst eine Querungshilfe auf Höhe der Steinstraße vorgeschlagen und wiederum eine optische Führung des Querungsweges durch Fahrbahnmarkierungen am Kreisel im Verlauf der Straße Hinter der Worth.

Inzwischen sind am Zebrastreifen in der St.-Nikolaistraße zu Schulbeginn und -ende Schulweglotsen im Einsatz. „Das ist das Stärkste und Beste, was Eltern tun können“, sagt Martin Schwanitz, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Lüneburg/ Lüchow-Dannenberg/ Uelzen, und hofft, dass sich noch mehr Bardowicker zum Dienst bereit erklären (siehe Infokasten). Doch dabei soll es nicht bleiben: Auch ein Schulwegeplan sei in Arbeit, verrät Janine Legrand. „Wir wollen zeigen, dass vielleicht nicht immer der kürzeste Weg der sicherste ist.“

Bei der Polizei ist der Flecken laut Verkehrsexperte Andreas Dobslaw nicht als „auffällig unsicher“ bekannt. „Ich habe keinerlei Erkenntnis dazu, dass es in Bardowick in Sachen Schulweg irgendwelche Probleme gibt“, sagt er auf LZ-Nachfrage. Christian Münster, Vorsitzender des Grundschulelternrats in Bardowick, allerdings zeichnet ein kritisches Bild von der Lage: In der Pieperstraße etwa habe er Beobachtungen gemacht, „da war ich sehr entsetzt“. Vor allem morgens, wenn die Kinder zur Schule gingen: „Das ist wie auf der Autobahn.“ Er sieht an mehreren Stellen im Ort Handlungsbedarf. Der Antrag der Gruppe soll nun im Bauausschuss behandelt werden, kündigt Bardowicks Erster Rathmann Gerhard Maack an. Ein Termin für die Sitzung steht aber noch nicht fest.

Hintergrund

Sicher zur Schule

Die Polizei bietet eine professionelle Einführung in den Schulweglotsendienst an. Wer einen Beitrag zur Sicherheit leisten möchte, der erfährt bei der circa zweistündigen Ausbildung, worauf es zu achten gilt und erhält eine Grundausstattung. Interessierte können sich per Mail an die Gruppe „Sicherer Schulweg“ wenden. Die Adresse: schulweg-bardowick@web.de. Zudem bietet der ADAC einen kostenlosen Schulweg-Ratgeber an, den es ab sofort bei der Polizei in Lüneburg und bei der Polizeistation Bardowick gibt. Als PDF kann die 13-seitige Broschüre hier heruntergeladen werden:

ADAC-Schulweg-Ratgeber

Von Anna Petersen