Donnerstag , 22. Februar 2018
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Juni 2017: Lenkrad, Steuerungselemente und Audioanlage fehlen. Autoknacker haben allein in diesem Fall einen Schaden von mehreren Tausend Euro angerichtet. (Foto: polizei)

Das große Schlachtefest

Lüneburg. Eine Meldung tauchte zuletzt immer wieder im Polizeibericht auf: Unbekannte haben ein Auto geknackt und eine Tasche gestohlen. Im Moment trifft es vor allem Autos, die im Bereich Bargenturm/Sülzwiesen stehen, fast immer wird eine Seitenscheibe eingeschlagen und dann zugegriffen. Das geht seit einigen Wochen so und spricht für eine Serie. Das sieht man auch im zuständigen 2. Fachkommissariat Auf der Hude so. Doch noch haben die Ermittler keine konkrete Spur.

Es könne sein, dass jemand aus dem Drogenmilieu zuschlage, der mit den Diebstählen seine Sucht finanziere, vermutet die Polizei. Sie warnt: Offen im Fahrzeug liegende Rucksäcke, Taschen und Kabel von Navigationsgeräten wirken wie eine Einladung an Täter, die schnell zugreifen wollen.

Die Eingangsstatistik der Polizei zeigt eine widersprüchliche Entwicklung. Sprecher Sebastian Gruner sagt: „Eigentlich ist die Zahl der Autoaufbrüche rückläufig. 2016 hatten wir in Lüneburg rund 260 Taten, 2017 waren es rund vierzig weniger.“ Doch dann gießt er Wasser in den Wein: „Im 4. Quartal 2016 gab es 60, im letzten Quartal 2017 rund 90 Fälle.“ In der dunklen Jahreszeit hätten Täter eine Hoch-Zeit, auch weil mehr Menschen mit dem Auto zur Arbeit fahren als in den warmen Monaten.

Junkies und organisierte Banden im Visier der Polizei

Neben Junkies schlagen auch reisende Gruppen zu, die ganze Regionen abgrasen. Ein Beispiel sind die sogenannten BMW-Banden. Eine ganze Serie von Taten meldete die Polizei unter anderem im Juni. Da hatten Täter aus den Modellreihen 3er, 5er und X5 Lenkräder, Airbags, Navigationsgeräte und Steuerungseinheiten ausgebaut. Tatorte waren in Lüneburg, Reppenstedt, Vögelsen, Adendorf und Deutsch Evern – ein Schaden von locker 100 000 Euro. Es folgten weitere gezielte Diebstähle aus Autos der bayerischen Marke. Im November traf es beispielsweise vier Fahrzeuge in Brietlingen.

Die Ermittler fassen mindestens 17 Taten in diesem Komplex zusammen. Sie gehen davon aus, dass organisierte Banden, vermutlich aus Osteuropa, am Werk sind. Ähnliche Beutezüge melden Polizeidienststellen aus Nachbarlandkreisen, aber auch weit darüber hinaus. Die These: Da wird auf Bestellung geklaut.

Daneben sind örtliche Ganoven am Werk. So gab es im November eine Serie von rund zwei Dutzend Aufbrüchen in Neu Hagen und in Lüne-Moorfeld. Dort hatte der Täter ungewöhnlicherweise Musikanlagen aus VW-Fahrzeugen ausgebaut. Autoradios lassen sich nach Meinung von Fahndern allerdings kaum noch bei Hehlern absetzen.

Detaillierter will die Polizei die Zahl der Kfz-Aufbrüche Mitte Februar beleuchten. Dann wird landesweit und auf Regionen heruntergebrochen die Polizeiliche Kriminalstatistik vorgestellt.

Von Carlo Eggeling