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Die von Wald umgebene Bahnstrecke bei Deutsch Evern gilt als besonders sturmgefährdet. (Foto: metronom)
Die von Wald umgebene Bahnstrecke bei Deutsch Evern gilt als besonders sturmgefährdet. (Foto: metronom)

Bahn stellt Aktionsplan gegen Sturmschäden vor

Lüneburg/Hamburg. Unter dem Eindruck des Orkans „Friederike“ könnte man annehmen, die Bahn reagiere nun kurzfristig auf die verheerenden, durch umgestürzte Bäume verursachten Schäden entlang den Bahnstrecken: Einen „Aktionsplan“ kündigte gestern die Deutsche Bahn bundesweit an. Doch vieles von dem klang schon zuvor an bei dem Runden Tisch „Grünschnitt“ in Uelzen, zu dem die Metronom Eisenbahngesellschaft eingeladen hatte.

Präventionsprogramm „Grün an der Bahn“ seit 2007

Dort hatte ein Vertreter der DB Netz AG manches schon vorweggenommen, bevor nun die PR-Maschine der Bahn loslief. Eine Bahnsprecherin sagte auf LZ-Nachfrage: „Anlässlich von ,Friederike‘ haben wir uns gar nichts neu überlegt.“ Vielmehr sei der Aktionsplan das Ergebnis eines längeren Prozesses und der Zeitpunkt der Verkündung „ein Zufall“. Indes erneuert Metronom seine Kritik an der Streckenpflege durch DB Netz.

Bereits seit 2007 gibt es bei der DB das Präventionsprogramm „Grün an der Bahn“: Dabei wird auf mindestens sechs Metern rechts und links der Bahnstrecke die Vegetation komplett zurückgeschnitten. Zusätzlich habe die DB seit 2016 systematisch sturmgefährdete Stellen, sogenannte Hot Spots, in den Blick genommen, bei denen ein sogenannter V-Schnitt durchgeführt und Bäume auch außerhalb der Sechs-Meter-Zone gefällt werden.

Dass es dennoch immer wieder zu Streckensperrungen gekommen war, hatte jüngst Metronom veranlasst, einen Kahlschlag von 15 Metern rechts und links der Gleise zu fordern. Bei dem Runden Tisch hatte Michael Körber von DB Netz die Metronom-Forderung zurückgewiesen und bereits Teile der künftig neu geplanten Maßnahmen vorgestellt, die aber schon länger geplant sind.

Instabile Bäume sollen weg

Die DB kündigt per Pressemitteilung an, „Inspektionen zu intensivieren und im Rahmen einer Durchforstungsinitiative den Baumbestand entlang der Schiene auch über die Sechs-Meter-Rückschnittszone hinaus deutlich zu stabilisieren“. Weiter heißt es: „Schwerpunkt der Durchforstung ist es, gezielt instabile Baumarten und Bäume mit kritischen Wuchsformen auch außerhalb der Sechs-Meter-Rückschnittszone zu entfernen, wenn sie für den Bahnbetrieb kritisch werden könnten.“

Das sei das Ergebnis einer Analyse der letzten Stürme und der Erkenntnis, „dass es trotz des bisherigen Vegetationsmanagements vermehrt zu Schäden an Oberleitungen und Strecken gekommen ist“, sagte eine Bahnsprecherin, die namentlich nicht genannt werden wollte. Dazu sagte auf LZ-Nachfrage Metronom-Sprecher Björn Pamperin: „Das Konzept stammt aus 2016. Wenn wir jetzt in das Jahr 2017 zurückblicken, scheint es da noch Defizite zu geben.“

Bislang hat die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro für die Vegetationspflege- und -kontrolle pro Jahr ausgegeben. In den nächsten fünf Jahren soll das Budget um jeweils 25 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden.“ Dazu Metronom-Sprecher Pamperin: „Ob das Geld ausreicht oder nicht, können wir nicht abschätzen, aber die Maßnahmen reichen nicht aus.“ Laut DB sollen bis zu 150 neue Mitarbeiter für die verstärkten Inspektionen eingestellt werden.

Die Umsetzung des Aktionsplans bezeichnet die Deutsche Bahn als eine „Mammutaufgabe“. Metronom-Sprecher Pamperin hingegen sagt, auch nach dem Eindruck des Runden Tischs in Uelzen: „Im Grunde genommen werden alte Konzepte wieder neu aufgelegt.“

Deutsch Evern als meist gefährdete Stelle gemeldet

Gleichwohl habe Metronom der DB Netz die am meisten gefährdeten Stellen in ihrem Bereich des Streckennetzes gemeldet, etwa bei Deutsch Evern. Pamperin: „Da haben wir schon die Erwartung, dass am besten noch vor Beginn der nächsten Brut- und Setzzeit zurückgeschnitten wird.“ Laut Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis sollen „ab März, nach der Schnittperiode, die Inspektionsgänge in den Regionen starten“. Und: „Ab Oktober finden dann, wenn es gesetzlich wieder erlaubt ist, in der Schnittperiode die ersten Durchforstungen statt.“

Von Dennis Thomas