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Holm Keller, ehemaliger Vizepräsident der Lüneburger Universität, war nicht nur Motor für den Libeskind-Bau, sondern auch Antreiber für die ehrgeizigen Pläne der Leuphana im Kenup-Verbund. Foto: A/t&w

Es geht um EU-Milliarden

Lüneburg. Der Geldtopf war milliardenschwer, es sollte der nächste große Coup werden: 2014 hatte sich die Leuphana Universität in einem Verbund mit 64 Partnern (Kenup) für die Wissens- und Innovationsgemeinschaft KIC im Gesundheitssektor beim Europäischen Institut für Innovation und Technologie beworben. Europaweit gab es drei weitere Anträge, das von der Leuphana angeführte Konsortium ging leer aus.

Bei der Entscheidung, die im Dezember 2014 in Budapest fiel, fühlte man sich jedoch nicht angemessen berücksichtigt, deshalb wurde Widerspruch eingelegt. Darüber hat der Europäische Gerichtshof jetzt sein Urteil gefällt. Und tatsächlich: Die Nicht-Berücksichtigung des Kenup-Konsortiums wurde für unrechtmäßig erklärt, die Entscheidung annulliert.

Was das nun konkret bedeutet, scheint bislang niemand absehen zu können. Leuphana-Pressesprecher Henning Zühlsdorff sagt auf LZ-Nachfrage, dass die Kenup-Stiftung derzeit „eingehend“ die konkreten Auswirkungen des Urteils prüfe. Den Zuschlag für die strategische Partnerschaft, ausgelegt auf sieben Jahre, hatte damals „InnoLife“ erhalten. Das Konsortium durfte das großangelegte EU-Vorhaben mit dem Titel „Gesund leben und aktiv altern“ mit mehr als 140 Partnern aus der Wirtschaft, Forschungseinrichtungen und Universitäten umsetzen. Bis 2018 sollten pro Jahr unter anderem 70 neue Start-up-Unternehmen in der Gesundheitsbranche auf den Weg gebracht, zudem 140 Geschäftsideen entwickelt werden.

Zwei Jahre Arbeit für 500 Seiten starken Antrag

Auch die Leuphana Universität Lüneburg sah sich gewappnet für diesen großen Wettbewerb, hatte namhafte Unternehmen und Forschungseinrichtungen wie das MIT Media Lab in Boston, die Weltgesundheitsorganisation oder den Konzern Novartis gewinnen können. In Lüneburg wurden mehr als zwei Jahre Arbeit in den fast 500 Seiten umfassenden KIC-Antrag investiert, Antreiber war vor allem Holm Keller, der damalige Vizepräsident der Leuphana. Er hat das Projekt auch ohne die EU-Förderung weiterverfolgt, das Kenup-Konsortium wurde in die Organisationsform einer Stiftung überführt. Sie agiert seitdem von der Republik Malta aus. Wie berichtet, hatte Keller die Leuphana verlassen, um die Aufgabe des Verwaltungsratsvorsitzenden eben dieser Stiftung zu übernehmen. Die Leuphana ist heute eines von rund 80 Mitgliedern aus 19 europäischen Ländern, den USA und China.

Ob das Verfahren nach dem Gerichtsurteil jetzt neu aufgerollt wird, ist unklar. Sicher ist, dass InnoLife die Förderung kaum zurückgeben kann. Immerhin sollten von 2015 an bis zu 400 Millionen Euro fließen. Auch hieß es, dass durch das KIC ein Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro ausgelöst werden soll.

„Wissenschaft ist heute Wettbewerb, aber wenn man zum Wettbewerb gar nicht erst zugelassen wird, ja, dann hat man ein echtes Problem.“ Uni-Präsident Sascha Spoun

Die Lüneburger Universität hatte auch angesichts des auslaufenden Innovationsinkubators auf eine Finanzspritze dieser Größenordnung gehofft. Das Pilotprojekt der EU zur regionalen Wirtschaftsförderung hatte der Hochschule im Zeitraum von 2009 bis 2015 ein Finanzvolumen von rund 100 Millionen Euro beschert, zudem 600 Kooperationspartner und 420 Arbeitsplätze im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg geschaffen und gesichert. Zwölf neue Firmen sind aus dem Inkubator hervorgegangen, rund 60 weitere Gründungen wurden inhaltlich und organisatorisch unterstützt.

In einem LZ-Interview hatte Uni-Präsident Sascha Spoun 2016 gesagt, dass man mit der Klage die Rechtmäßigkeit des Auswahlverfahrens des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie angezweifelt habe. „Wissenschaft ist heute Wettbewerb, aber wenn man zum Wettbewerb gar nicht erst zugelassen wird, ja, dann hat man ein echtes Problem.“ Seine Prognose lautete damals: „Es gibt für mich gute Gründe zu glauben, dass das Projekt noch einmal ausgeschrieben wird.“

Von Anna Paarmann

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3 Kommentare

  1. Der gute Marketingdirektor Spoun!

    Das „Konsortium“, das aus ein paar ausgetauschten Telefonnummern besteht, ist 2014 aussortiert worden, weil es auf den ersten Blick nichts als Reklameschaum zu bieten hatte. Sollte es tatsächlich zu einer Neuausschreibung kommen, was im Moment sehr unwahrscheinlich ist, wird sich auch auf den zweiten Blick erweisen, dass Keller, Spoun und ihre Werbeagenturen nichts als Reklameschaum zu bieten haben.

    Das ganze Bohei ist nichts als eine weitere leuphana-typische PR-Veranstaltung, um der mit drei Männekens auf Malta dahinkrebsenden Kenup-Blase „kundenspezifische“ Aufmerksamkeit zu verschaffen. Und um als Uni-Präsident mal wieder den Willi-Wichtig geben zu können.

  2. Aus einer geplatzten Blase eine Kommunikationsblase machen, das ist die Kernkompetenz des Läufi-Präsidiums!

    Wann wird denn das Zentralgebäude endlich fertig gebaut sein?

    Wie hoch sind summa summarum die Gesamtkosten?

    Wie läuft das Veranstaltungsgeschäft?

    Wer wird für die gigantischen laufenden Kosten und Erhaltungskosten zahlen?

    Sind die Kellerräume endlich starkregengesichert?

    Wer zahlt für die Millionenteuren Kanal- und Straßenumbauten an der Schaumschlägertwiete (vormals Uelzener Straße)?

    Das sind so Fragen eines lesenden Arbeiters.

    Das Märchen von den ungelegten goldenen Eiern, mit dem der Theaterimpressario Holm Keller sich bei seinen „potentiellen“ Kunden (sprich: Geldschenkern) wieder ins Gespräch zu bringen wünscht, interessieren hier niemanden.