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Elisabeth Rzebiatowska (v.l.), Andrezej Szulc, Yves Masson, Julian und Ines Szulc-Wessalowski vor ihrem Haus in Neetze. Der Standort auf dem Grundstück entspricht nicht den Vorgaben in der Baugenehmigung. (Foto: cm)
Elisabeth Rzebiatowska (v.l.), Andrezej Szulc, Yves Masson, Julian und Ines Szulc-Wessalowski vor ihrem Haus in Neetze. Der Standort auf dem Grundstück entspricht nicht den Vorgaben in der Baugenehmigung. (Foto: cm)

Planungsfehler mit Folgen

Neetze. Es war ein gravierender Fehler. Einer, von dem Ines Szulc-Wessalowski nichts wusste. Doch wegen dieses Fehlers könnten die zweifache Mutter aus Neetze und ihre Familie ihr fünf Jahre altes Haus verlieren. Obendrein müsste sie den Abriss des völlig intakten Gebäudes auch noch selbst bezahlen. Der Grund: Ihr Haus steht zum großen Teil außerhalb der zugelassenen Baugrenzen. Jetzt droht der Landkreis mit einer Abrissverfügung.

„Ich verstehe das einfach nicht“, sagt Ines Szulc-Wessalowski und starrt verzweifelt auf das Schreiben des Landkreises. „Menschen verlieren ihre Häuser durch Schulden oder Naturkatas­trophen, aber doch nicht wegen so etwas.“

Fundamentbauer las die Pläne falsch

Dabei hatte alles so schön begonnen. Mit dem Bau des Hauses in Neetze wollten sich Ines Szulc-Wessalowski (37) und Yves Masson (64) ihren großen Traum erfüllen. Die examinierte Altenpflegerin aus Adendorf nahm den Neubau allein in die Hand, weil ihr Partner zu dem Zeitpunkt noch ein Kinderheim in Frankreich leitete. „Ich suchte mir einen Architekten aus der Region und bat ihn, das Haus so zu entwerfen, dass es möglichst weit hinten auf dem Grundstück steht, weil wir später im vorderen Bereich einen Anbau für meine Eltern planen wollten“, erzählt die 37-Jährige. Den ersten Bauantrag lehnte der Kreis ab, weil das Haus zu weit hinten geplant war. Der Architekt korrigierte seine Pläne und der Kreis stimmte zu.

Dann ging alles schief. Der inzwischen verstorbene Architekt sollte eigentlich auch die Bauaufsicht übernehmen, lehnte aber aus gesundheitlichen Gründen ab. In ihrer Verzweiflung übernahm die junge Mutter selbst den Job. Heute weiß sie: „Das war ein Fehler.“ Von ihrem Architekten bekam sie auch die Empfehlung für einen Fundamentbauer, den sie beauftragte. Doch der las die Pläne falsch und orientierte sich an dem links gelegenen Haus, für das andere Vorschriften gelten, anstatt an dem rechts gelegenen. „Ich wäre doch nie darauf gekommen, dass ein Fachmann so einen Fehler macht“, erklärt Ines Szulc-Wessalowski. Bemerkt hat den Irrtum niemand, und die Bauarbeiter setzen das Haus folgerichtig auf das falsch gegossene Fundament.

Das Ganze fiel erst auf, als das Paar 2017 den geplanten Anbau für die Eltern umsetzen wollten. „Der Architekt schlug die Hände über dem Kopf zusammen“, erinnert sich Ines Szulc-Wessalowski. „Wir haben den Antrag trotzdem eingereicht, weil wir die Karten offen auf den Tisch legen wollten.“ Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich der Fehler nicht korrigieren lassen könnte. Immer wieder telefonierte sie mit dem Landkreis und fragte nach, was sie tun könne. Doch erst im November bekam sie Antwort: das Schreiben, in dem die Anordnung zum kostenpflichtigen Abriss angekündigt wurde.

„Ich habe alles dafür gegeben, um dieses Haus zu bauen und es für uns zu einem schönen Zuhause zu machen“, sagt die Mutter. „Wenn wir dieses Haus abreißen müssen, sind wir ruiniert und stehen auf der Straße.“

Gemeinde will Satzung ändern

Einen letzten Ausweg hat jetzt die Gemeinde Neetze angeboten. „Wir können die Ergänzungssatzung für dieses Gebiet ändern und damit das Gebäude nachträglich legitimieren“, erläutert Bürgermeister Karsten Johansson. Auch diese Änderung müsste der Landkreis genehmigen. Und das könnte klappen. „Eine Einzelfallplanung ist zwar nicht zulässig“, betonte Pressesprecherin Katrin Holzmann auf LZ-Nachfrage. „Aber eine Änderung für den gesamten Satzungsbereich ist möglich.“ Das werde so auch in der Stellungsnahme der Regional- und Bauleitplanung des Kreises zur Änderung der Satzung stehen. Die Bauleitplanung wird aber auch noch andere Fachbereiche zu dem Vorhaben hören.

„Wenn alles in Ordnung ist, könnte das Haus auf diese Weise legalisiert werden“, so Katrin Holzmann. Den nächsten Schritt in diese Richtung unternimmt der Bauausschuss der Gemeinde Neetze bei seiner Sitzung am Donnerstag, 25. Januar. Dann steht der Beschluss über die ersten Änderung der Ergänzungssatzung „Milchberg“ auf der Tagesordnung, zudem soll ein Planungsbüro beauftragt werden.

Die Kosten für die Satzungsänderung samt Planungsbüro und mögliche Ausgleichsmaßnahmen müssen Ines Szulc-Wessalowski und Yves Masson selbst tragen. Das können schnell 30 000 Euro und mehr werden. Doch Ines Szulc-Wessalowski wäre überglücklich: „Alles, nur nicht das Haus abreißen.“

Von Claudia Wesch