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Vor einem Jahr war man sich offenbar einig: Wolfgang Graemer platziert mit Wasserturm-Geschäftsführerin Sabine Wohlers das Stadtmodell. Die Idee: Was Besucher von der Spitze des Turms aus sehen, können sie dann entsprechend zuordnen. (Foto: A/phs)
Vor einem Jahr war man sich offenbar einig: Wolfgang Graemer platziert mit Wasserturm-Geschäftsführerin Sabine Wohlers das Stadtmodell. Die Idee: Was Besucher von der Spitze des Turms aus sehen, können sie dann entsprechend zuordnen. (Foto: A/phs)

Klein-Lüneburg wird zum großen Streitthema

Lüneburg. Die Idee war plausibel: Wer vom Wasserturm auf das Dächermeer Lüneburgs schaut, könnte die Ansicht mit einem Stadtmodell vergleichen und sich orientieren. So hatte die Mannschaft des Wasserturms das Projekt gemeinsam mit Wolfgang Greamer umgesetzt, der hatte die Stadtansicht mithilfe eines 3D-Druckers geschaffen. Allerdings steht das Stadtmodell nun in der Eingangshalle. In der Tiefe erschließt sich dem Besucher der eigentliche Sinn nicht. Hinter der Platzierungssfrage steht ein Streit, der bald das Amtsgericht beschäftigen könnte: Graemer will den Trägerverein des Wasserturms verklagen. Manfred Koplin vom Vorstand sieht dem gelassen entgegen.

Vor einem Jahr war man im Wasserturm stolz, eine Ausstellung zu präsentieren: „Das blaue Gold“. Ein entscheidender Beitrag der Schau war eben das Modell Lüneburgs um 1700. Die Orientierungshilfe stand mittendrin.

Modell als Teil der Ausstellung

Der Lüneburger Lichtkünstler, der sich beispielsweise am Wichernkranz beteiligt und in der Weihnachtszeit die Nicolaikirche illuminiert hatte, erzählt die Geschichte so: Er habe mit dem damaligen und inzwischen zurückgetretenen Vereinschef Uwe Wegener vereinbart, das Modell zu bauen. Da der Verein kein Geld dafür hatte, habe er, Graemer, Sponsoren für Material und Herstellung besorgt und selbst 300 Stunden Arbeit investiert. Im Gegenzug habe er mit Wegener vereinbart, dass das Modell eben in der obersten Ebene stehen wird – als Teil der Ausstellung.

Allerdings habe es im Vorstand des Trägervereins dann Diskussionen gegeben. Ein Teil sei der Meinung gewesen sein, das Modell passe nicht an diese Stelle. Also ging‘s abwärts ins Foyer, berichtet Graemer.

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Er habe die Arbeit aus Begeisterung für den Turm investiert und den Spendern entsprechende Zusagen gemacht. Nun aber fühlt er sich hintergangen: „Der Anwalt des Trägervereins des Wasserturms hat mir mitgeteilt, dass man das Modell als Leihgabe betrachte. Man will es nicht mehr haben.“ Die Auseinandersetzung laufe seit Monaten: „Es wurde behauptet, ich engagiere mich für den Wasserturm, um mich zu profilieren.“ Das ärgert den Lichtkünstler: „Ich habe hier lange mitgearbeitet, ohne mich in den Vordergrund zu drängen.“

Die Sache hat anscheinend längst eine persönliche Note bekommen. Das Gezerre will Grae­mer nicht auf sich beruhen lassen: „Ich hatte eine Zusage von Herrn Wegener, darauf habe ich mich verlassen. Die Sponsoren haben es auch.“

Verein hält sich bedeckt

Der Verein, der seit vergangenem Februar ohne Vorsitzenden agiert, hält sich bedeckt. Für den Vorstand sagt Manfred Koplin: „Wir haben da einen Dissens. Es ist fraglich, ob das alles so gesagt wurde.“ Weiter wolle er sich derzeit nicht äußern: „Das ist ein schwebendes Verfahren.“ Wegener will sich zu dem Fall gar nicht äußern.

Graemer hält nichts vom Schwebezustand, er will Klarheit: „Mein Anwalt bereitet eine Klageschrift vor. Ich fordere Schadenersatz.“ Er wolle seine Zeit nicht nutzlos in das Modell gesteckt haben. Seine Forderung: „10 000 Euro.“

Von Carlo Eggeling