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Mehr als eine halbe Million Euro würde der Umbau des Rathauses in Melbeck zur Kinderkrippe schätzungsweise kosten. Foto: t&w
Mehr als eine halbe Million Euro würde der Umbau des Rathauses in Melbeck zur Kinderkrippe schätzungsweise kosten. Foto: t&w

Erobern Kinder das Zentrum der Macht?

Melbeck. Das neue Rathaus der Samtgemeinde Ilmenau steht kurz vor der Fertigstellung: In wenigen Wochen bereits ist der Umzug der Verwaltung geplant. Dann steh t das alte Gebäude leer. Im Rat macht man sich nun deshalb Gedanken über eine mögliche Nachnutzung der Immobilie: Umbau zu einer Flüchtlingsunterkunft oder Umnutzung zur Kinderkrippe. Diese beiden Optionen stehen jetzt zur Diskussion.

Gemeinde Melbeck führt eine Warteliste für die Krippe

Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD) hat deutliche Sympathie für die zweite Variante. Seine Position machte er schon im LZ-Jahresausblick deutlich – zumal Krippe, Kindergarten und Grundschule bei dieser Lösung dicht beieinander liegen würden.

Die Melbecker jedenfalls finden Gefallen an derlei Gedankenspielen: „Wir haben akuten Handlungsbedarf“, hatte jüngst Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner (CDU) festgestellt. Schon jetzt gäbe es eine Warteliste für einen Krippenplatz in der Gemeinde. „Wir müssen uns schleunigst auf den Weg machen, das Problem zu lösen“, beschwor der Christemokrat seine Ratskollegen während der Ratssitzung im Dezember. Einstimmig hatte der Melbecker Gemeinderat daher den Beschluss gefasst, die Samtgemeinde Ilmenau zu bitten, das alte Verwaltungsgebäude zeitnah zu einer Kinderkrippe umbauen zu lassen, um anschließend die Räumlichkeiten anzumieten.

Obergeschoss wäre für die Kinderkrippe tabu

Doch vor einer möglichen Umnutzung der jetzigen Verwaltungs-Immobilie ist erst einmal ein Umbau nötig. Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt hat eine Architektin eine erste Kostenschätzung vornehmen lassen. Demnach würden sich die Umbaukosten auf voraussichtlich 600.000 Euro belaufen – mit dem Ziel, drei Gruppen im Erdgeschoss nebst notwendigen Sanitär- und Nebenräumen im Erdgeschoss einzurichten. Das Obergeschoss, in dem zurzeit noch Mitarbeiter der Samtgemeinde ihre Büroräume haben, wäre für die Kinderkrippe tabu. „Aus Brandschutzgründen“, erklärt Rowohlt.

Angedacht wäre allenfalls, die Sozialräume und das WC der Erzieherinnnen im Obergeschoss unterzubringen. Doch ob all diese Überlegungen weiter verfolgt werden können, „hängt im wesentlichen von der brandschutztechnischen Begehung und dem Brandschutz-Gutachen ab“, dämpfte Rowohlt in der jüngsten Samtgemeinderatssitzung allzu vorschnelle Erwartungen.

Auch die Höhe der einzuwerbenden Fördermittel müsse noch genau ermittelt werden. Die mögliche Bandbreite reicht von 180.000 Euro minimal bis zu 540.000 Euro maximal. Abhängig ist dies auch davon, ob eine, zwei oder alle drei geplanten Gruppen als förderfähig angesehen werden.

Auch die Krippengruppe der DRK-Kita soll umziehen

Denn die Gemeinde Melbeck unterhält bereits eine Krippengruppe, die an die DRK-Kindertagesstätte in der Ebstorfer Straße angegliedert ist. Doch auch die soll umziehen in die ehemalige Samtgemeinde, sofern die Verwaltung grünes Licht für den Umbau bekommt. Zwei Gruppen sind dann für die Gemeinde Melbeck vorgesehen, die dritte wäre als „stille Reserve“ gedacht. Über die Laufzeit eines möglichen Mietvertrages mit der Gemeinde Melbeck hat man sich in der Samtgemeindeverwaltung ebenfalls schon Gedanken gemacht: 25 Jahre – „wegen der Bindefrist von Fördermitteln“, erläuterte Rowohlt.

Noch sind das alles Gedankenspiele – aber in der Samtgemeinde Ilmenau arbeitet man mit Hochdruck daran, dass die Pläne möglichst bald Realität werden.

Von Klaus Reschke