Aktuell
Home | Lokales | Die erste Mitfahrerbank steht – nur keiner will mit
An der Hauptstraße mitten in Scharnebeck steht seit rund einem halben Jahr eine Mitfahrerbrank. Damit sie künftig auch genutzt wird, will sie der Bürgermeister besser bewerben. Foto: t&w

Die erste Mitfahrerbank steht – nur keiner will mit

Scharnebeck. Seit einem halben Jahr steht sie im Scharnebecker Ortskern: die erste Mitfahrerbank der Samtgemeinde. Als Pilotprojekt soll sie Erkenntnisse liefern für die Einführung des alternativen Mobilitätskonzepts in den anderen Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde. Das Problem: Die Mitfahrerbank bleibt in der Regel leer. Bürgermeister Hans-Georg Führinger (CDU) ist bisher kein einziger Fall bekannt, in dem das Konzept funktioniert hat. Überzeugt ist er dennoch von der Idee. „Wir müssen das Ganze nur besser bewerben!“

Führingers Plan: Ein großes Plakat soll die Scharnebecker auf das Angebot aufmerksam machen. „Außerdem wollen wir die Bank am Dorfplatz noch besser platzieren, eine extra Parkbucht dafür anlegen lassen. Dann, so hofft er, werden mehr Menschen die Mitfahrerbank nutzen – als Mitfahrer ebenso wie als Fahrer.

Bundesweit finden die Mitfahrerbänke seit einigen Jahren gerade auf dem Land immer mehr Anhänger. Das Grundkonzept dabei: Menschen stellen sich an speziell gekennzeichnete Bänke, zeigen mit einem Klappschild ihr Ziel an und warten darauf, mitgenommen zu werden. Einzelne Gemeinden haben das Prinzip inzwischen optimiert, Romrod zum Beispiel, eine Gemeinde in Mittelhessen. Dort setzen sich Mitfahr-Willige nicht einfach nur auf die Bank und warten, sondern senden mit einem kostenlosen Chip an der Haltestation ein Signal an alle registrierten Nutzer. Ein System, das dort offenbar funktioniert, das Führinger in Scharnebeck aber für überflüssig hält. „Ich glaube, die Mitfahrerbank muss einfach nur besser wahrgenommen werden.“

Wunsch der CDU im Scharnebecker Samtgemeinderat ist es sogar, in allen Orten der Samtgemeinde eine solche Bank aufzustellen. Einen entsprechenden Antrag hatte die Fraktion vor einem Jahr gestellt, mehrheitlich beschlossen hatte der Rat da­raufhin, das Angebot in Scharnebeck zu testen und von der Verwaltung ein Konzept erarbeiten zu lassen. Ergebnisse liegen bisher nicht vor. „Und die Frage ist auch, inwieweit sich da überhaupt ein zufriedenstellendes Konzept erarbeiten lässt“, sagt Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU).

Organisation der Rückfahrt ist problematisch

Problematisch ist aus seiner Sicht vor allem die Organisation der Rückfahrt. „Von Scharnebeck nach Lüneburg kommen die Menschen dank einer Mitfahrerbank vielleicht noch“, sagt er, „aber wie kommen sie dann zurück?“ Stellt die Stadt Lüneburg ebenfalls Mitfahrerbänke auf? Nehmen die Menschen den Bus oder die Bahn? Wie ist es mit den anderen Zielorten? „Das alles können wir als Samtgemeinde konzeptionell kaum regeln.“

Auch Scharnebecks Bürgermeister hört seit dem Aufstellen der Bank immer wieder mal kritische Stimmen. Ein Einwand, der häufig kommt: Die Mitfah­rerbank sei genauso unsicher wie das klassische Trampen. „Richtig ist, dass wir für die Sicherheit derjenigen, die das Angebot nutzen, nicht garantieren können“, sagt Führinger. „Jeder, der mitmacht, tut das auf eigene Gefahr.“ Trotzdem hält er das Angebot für eine gute Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs. „Ich zumindest würde gerne Menschen mitnehmen, wenn ich ohnehin nach Lüneburg fahre.“ Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Mitfah­rerbank nicht länger leer bleibt.

Von Anna Sprockhoff