Dienstag , 25. September 2018
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Die Christianischule auf dem Kreideberg ist aktuell Oberschule, könnte aber zur Gesamtschule werden. Es wäre die zweite in der Stadt neben Kaltenmoor, im Landkreis gibt es eine dritte in Embsen. Foto: t&w

Neue Gesamtschule am Kreideberg

Lüneburg. Der Ansturm auf die Gymnasien reißt seit Jahren nicht ab, fast überall herrscht Platznot und gibt es Probleme, alle Schüler unterzubringen. Auch an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Kaltenmoor müssen jedes Jahr Kinder abgewiesen werden, weil die Schule nur jeweils fünf 5. Klassen aufnehmen kann, sich aber stets mehr als 150 Kinder anmelden wollen. Die Stadtverwaltung möchte zur Entlastung der Gymnasien und der IGS deshalb nun eine weitere Gesamtschule in Lüneburg einrichten: auf dem Kreideberg. Das Thema steht auf der Tagesordnung des Schulausschusses, der am 6. Februar tagt. Dann geht es auch um eine mögliche neue Grundschule, die im Hanseviertel entstehen könnte.

Bei der Suche nach einem Standort für eine zweite IGS im Stadtgebiet hat die Verwaltung die Christianischule im Blick, aktuell ist sie Oberschule, hat also einen Hauptschul- und einen Realschulzweig, aber keinen Gymnasialzweig. Die zweite Oberschule, nämlich jene am Wasserturm, scheidet aus Sicht der Stadtverwaltung aus, weil die Klassenräume zu klein seien und es kaum Möglichkeiten der baulichen Erweiterung gäbe. Anders auf dem Kreideberg, dort befinde sich das Gebäude eh gerade in der Sanierung, weil die Schule zuletzt weniger stark angewählt wurde, böten sich auch hinsichtlich der räumlichen Kapazität bessere Möglichkeiten. Zudem sei die IGS in Kaltenmoor Beleg dafür, dass Schüler gute Chancen aufs Abitur hätten, denn sie beantrage jetzt eine fünfzügige Oberstufe. Als frühestmöglichen Start einer IGS auf dem Kreideberg nennt die Stadt August 2019.

Rektor wäre bei Umwandlung selbst nicht mehr mit an Bord

Harald Vahlbruch, Leiter der Christianischule, weiß zwar grundsätzlich von den Überlegungen für seine Schule, hat aber sonst „wenig Informationen darüber“: Er sagt: „Wir sind offen für Neuerungen.“ Er hoffe aber, dass die pädagogische Weiterentwicklung der vergangenen Jahre am Schulstandort nicht verloren gehe. Er selbst wäre im Fall der Umwandlung nicht mehr mit an Bord: „Ich gehe im Sommer in den Ruhestand.“

Notwendig wird eine vorausschauende Schulplanung für Lüneburg auch, weil die Stadt im Zuge der Entlastung des am stärksten angewählten Gymnasiums in Oedeme vom Kreis die Schulträgerschaft für die Stadtteile Rettmer und Häcklingen übernehmen will und dann auch dafür zu sorgen hätte, dass allen Kindern aus diesen beiden Stadtteilen auch ein Platz an der gewählten Schulform zur Verfügung stünde (LZ berichtete). Aus diesem Grund ist auch ein Anbau am Johanneum geplant. Darüber hinaus bleibt die Erweiterung der Herderschule eine Option. „Ob das erforderlich wird, hängt auch an den räumlichen Ausbaumöglichkeiten der Wilhelm-Raabe-Schule für den 13. Jahrgang ab Sommer 2020“, erläutert Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Weil die Stadt vom Kreis die Trägerschaft übernimmt, soll der Kreis im Gegenzug für Schulerweiterungen bezahlen, zuletzt war von rund 6,7 Millionen Euro die Rede.

Grüner Vorstoß überrascht die Stadt

Die Grünen machen in einer Anfrage für den Ausschuss den Bau einer neuen Grundschule zum Thema: In einer Arbeitsgruppe des Schulausschusses sei deutlich geworden, dass es einen Bedarf für eine Grundschule im Hanseviertel gibt, argumentieren sie. Aus Sicht der Fraktion kämen als mögliche Standorte das ehemalige Kleingartengelände zwischen dem Hanseviertel und der früheren Standortverwaltung, dem jetzigen Speicherquartier, freie Flächen zwischen Gebäuden an der Bleckeder Landstraße oder ein Platz im dritten Bauabschnitt des Hanseviertels infrage.

Aus Sicht der Stadt allerdings ist keine neue Grundschule notwendig, sie habe daher auch kein Grundstück in den Blick genommen. Sie hält weiter daran fest, die Schule Lüne im Zuge der Umbauten zur Ganztagsschule zu erweitern und die Igelschule um einen Zug auszubauen. Das sei „sehr viel geeigneter, die erhöhte Schülerzahl aufzunehmen. Die Kinder aus dem Hanseviertel in die bestehenden Schulen mit einzubinden ist auch ein Stück Integration von Neubürgern in die Stadtgesellschaft“, heißt es von der Stadt, wo man sich wundert über die Anfrage der Grünen: Denn der Weg des Ausbaus statt eines Neubaus sei auch so in der Sitzung der interfraktionellen Arbeitsgruppe zur Schulentwicklungsplanung vorbesprochen worden.

Von Alexander Hempelmann

6 Kommentare

  1. Die Einwohnerzahl von Lüneburg ist in den letzten 25 Jahren um ~20% gewachsen. Sind in der Zeit neue Schulen entstanden ?! Bis auf die Montessori-Schule in Häcklingen fällt mir keine ein. Und die ist auch noch durch Privatinitiative entstanden.

  2. Norbert Kasteinecke

    Dez. 2015 = 75.00 Einwohner

    https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/285333-hansestadt-luesten-einwohner

    https://www.hansestadtlueneburg.de/Portaldata/43/Resources/dokumente/stadt_und_politik/zahlen_daten_fakten/einwohnerentwicklung.pdf

    Januar 2016 = 75673 Einwohner

    Anteil mit Migrationshintergrund 10335 + 6422 = 16.757 (22,15%)

    https://www.hansestadtlueneburg.de/Portaldata/43/Resources/dokumente/stadt_und_politik/zahlen_daten_fakten/bestandsstatistik.pdf

    Das war vor zwei Jahren, den heutigen Stand kann ich wohl nirgends finden ?!
    Ist der überhaupt bekannt ?

  3. Norbert Kasteinecke

    Danke für den Hinweis.
    Die nackte Zahl 76.449 sagt jedoch noch nicht viel aus, wenn es um einen Schulneubau geht.
    Deshalb suchte ich nach weiteren Angaben.
    Ich werde unter der e-mail-Adresse mein Glück versuchen.
    LG

  4. Ich habe meinen Sohn extra nicht auf die Igs geschickt weil ich die Klassen und die Elernabende nicht so toll fand. Ich wünsche mir das es dann eine langsame Umstellung wird.

  5. Werner Schneider

    Eine neue IGS wäre für Lüneburg prima. International ist es sowieso schon soweit, Deutschland schleicht sich langsam in das Gesamtschulsystem ein, Lüneburg könnte seinen Beitrag leisten. Man müsste nun flott ein Vorbereitungsteam einsetzen, vielleicht wegen ihrer guten pädagogischen Konzepte unterstützt von IGS Lüneburg und Embsen. Gute Lehrkräfte gilt es zu finden und ein Farbtopf muss auch her.
    Schön, dass es weiter geht!