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Einträchtig fressen eine Ziege und ein Heidschnucken-Lamm im Stall der Schäferei Heidetal. (Foto: phs)
Einträchtig fressen eine Ziege und ein Heidschnucken-Lamm im Stall der Schäferei Heidetal. (Foto: phs)

Mehr als 2000 Jungtiere

Niederhaverbeck. Gucken, kauen, blöken. Und das Blöken der Heidschnuckenherde wird immer lauter, je näher Ralf Bachmann (57) der Koppel kommt. Mit einer Handbewegung scheucht der Mann mit Hut und Mantel die Tiere hinterm Gatter weg. Dann öffnet er das Tor. Die Schnucken weiter hinten rennen bereits und drängeln nach vorne. Dann ergießt sich unter anschwellendem Donner ein Strom aus rund 400 Schafen und einzelnen Ziegen in die nebelverhangene Landschaft, bevor hunderte Hufe durch den Matsch zum Stall patschen. Schäfer Bachmann bleibt alleine auf der Koppel zurück. Fast alleine. Eine Heidschnucke hält die Stellung vor einem kleinen schwarzen Bündel. Bachmann hebt es auf: „Ach, hier ist schon wieder ein Neues.“ Er trägt das Jungtier in Begleitung des Muttertieres zur Herde in den Stall. „Es sind schon über 50.“ Bei den Heidschnuckenherden, die zur Pflege der Lüneburger Heide eingesetzt werden, hat die Lammzeit begonnen.

280 trächtige Mutterschafe

Vorsorglich hat Bachmann im Stall der Schäferei Heidetal bei Niederhaverbeck einige mit frischem Stroh eingestreute Buchten eingerichtet. In eine führt er das Mutterschaf, schließt den Holzverschlag und legt das schwarze Lämmchen dazu. So läuft es seit Tagen von früh morgens bis spät abends. Insgesamt 280 trächtige Mutterschafe betreut Bachmann in seiner Herde. Rund um die Uhr schaut er vorbei, ob irgendwo neue Lämmer herumliegen, ordnet sie dem Muttertier zu und bringt sie in eine der privaten Strohkojen.

 

[aesop_quote type=“block“ background=“#ffffff“ text=“#000000″ align=“left“ size=“1″ quote=“„In der Regel sind Heidschnucken leichtlammig, haben also selten eine schwere Geburt.“
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Bachmann: „In der Regel sind Heidschnucken sehr leichtlammig, haben also selten eine schwere Geburt. Dann kommen sie in die Einzelbucht, und man muss ihnen Wasser und zu Fressen geben, gucken, ob die Mutter genug Milch hat. Man lässt sie einen Tag in der Bucht, bevor sie zunächst in eine Einzelgruppe mit fünf, sechs sieben Stück kommen und schließlich in eine Großgruppe.“ Heidschnucken bekommen meist nur ein Lamm, sind sehr mütterlich und auf das Jungtier fixiert und immer an deren Seite. Bachmann: „Andere Schafrassen sind da viel hektischer.“

Hektisch müssen angesichts der Vielzahl neugeborener Schnucken allenfalls die Schäfer werden. Oberschäferin Barbara Guckes koordiniert die Schäfereien auf den Flächen der Stiftung des Vereins Naturschutzpark (VNP): „Wir haben insgesamt acht Schnuckenherden und eine Ziegenherde in unserem Gebiet.“ Dabei werden zwei Herden privat gehalten, für die der VNP Flächen verpachtet. Sechs Schnuckenherden und die Ziegenherde gehören der Stiftung selbst. Die zählen laut Andreas Koopmann, VNP-Fachbereichsleiter „Landwirtschaft und Naturschutz“, vor der Lammzeit 2500 bis 2700 Köpfe. Nach der Lammzeit werden es erfahrungsgemäß wohl mehr als 4500 Tiere sein.

Guckes sagt: „20 bis 25 Prozent der weiblichen Lämmer behalten wir für die Nachzucht.“ Wenige der neugeborenen Schnucken werden auch an andere Züchter verkauft, das Gros der Tiere landet später beim Schlachter. Koopmann: „Wir vermarkten ungefähr 90 Prozent des Schnuckenfleisches in einem Umkreis von 20 Kilometern.“ Die meisten Jungtiere laufen aber noch acht Monate bis ein Jahr mit den Herden in der Offenlandschaft mit, um die Heideflächen von Gräsern und Baumschößlingen freizubeißen. Zur Unterstützung laufen auch immer einige Ziegen mit, die für das härtere Gehölz zuständig sind.

Deckzeit im Spätherbst

Neben den tierischen Landschaftspflegern kommen beim VNP auch Maschinen zum Einsatz, um die Heideflächen zu verjüngen und vorm Zuwuchern zu bewahren, damit sich im Sommer Touristen wie Einheimische an der lila Blütenpracht dieser Kulturlandschaft erfreuen können. Und ab Spätherbst dürfen sich dann wieder die Heidschnucken-Böcke freuen. Dann ist nämlich Deckzeit.

In der Regel ist ein Bock für 50 Schafe zuständig, sagt Schäfer Bachmann. Und wenn die ihr Werk getan haben, kann er fünf Monate später wieder schwarze Schnuckenlämmchen auf der Koppel und im Stall einsammeln, in der Regel bis Anfang April.

Von Dennis Thomas