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Es geht ruck zuck: Auf Baustellen wird ständig gestohlen. Gerade Werkzeug ist bei Tätern beliebt. Aber auch Material verschwindet regelmäßig. (Foto: t&w)
Es geht ruck zuck: Auf Baustellen wird ständig gestohlen. Gerade Werkzeug ist bei Tätern beliebt. Aber auch Material verschwindet regelmäßig. (Foto: t&w)

Diebe schlagen immer häufiger auf dem Bau zu

Lüneburg. In der Nacht zu Donnerstag waren es „nur“ 25 Meter Kupferkabel, die von einer Baustelle im Ilmenaugarten wegkamen. Oft wird es viel teurer auf Baustellen in Stadt und Kreis, dort grassiert der Klau. Die Kriminalstatistik für 2016 weist 13 Taten aus, 2017 waren es fast dreimal so viele: 37. Polizeisprecher Kai Richter sagt: „Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, es wird nicht alles angezeigt.“ Eine Erklärung für den Sprung liegt für den Hauptkommissar in einer simplen Tatsache: „Gelegenheit macht Diebe – es wird viel gebaut.“

Besonders beliebt bei Tätern scheint Häcklingen. Am Embser Kirchweg haben Täter in den vergangenen Wochen mehrfach zugegriffen, vom Steuerungskabel für einen Kran, über Werkzeug bis zu Rollgerüsten konnten sie wohl alles gebrauchen.

Diebstahlsquote einkalkuliert

Holger Reinecke kennt das leidige Thema. Der Ingenieur arbeitet als Bauleiter für das Unternehmen Quardon, die Bauten im Ilmenaugarten machen einen Großteil der Aufträge aus. „Hier hatten wir bislang Glück“, sagt der 63-Jährige. „Aber das liegt auch an der besonderen Konstellation: Von Anfang an haben Arbeiter auf der Baustelle gewohnt.“ Überdies habe man Material und Werkzeuge gut verwahren können. Doch aus seiner langen Erfahrung weiß Reinecke, dass ständig gestohlen wird.

Zum Beispiel Diesel. „Professionelle Täter wissen, wie es geht. Sie tun so, als ob sie dazugehören oder wählen abgelegene Stellen aus.“ Gegenzuhalten sei nicht einfach – und eine Frage des Geldes. „Sie brauchen Beleuchtung, vielleicht Kameras, einen Sicherheitsdienst. Das kostet. Da muss man abwägen.“ Übersetzt: Es kann günstiger sein, eine gewisse Diebstahlsquote einzukalkulieren. Es geht aber nicht nur um den Wert der Sachen. Fehlen Spezialwerkzeug oder Fliesen, hat das Folgen für das abgestimmte Räderwerk. Reinecke: „Kommt der eine nicht weiter, hakt‘s beim anderen.“ Fehlen besondere Kacheln für Küche oder Bad, können in der Folge der Maler und der Installateur in die Bredouille geraten.

Auch Handwerker lassen etwas mitgehen

Allerdings rücken nicht nur Gauner zum Plündern an. Die Polizei weiß, dass im Zweifel Handwerker selbst auch zur Umverteilung neigen, von der Arbeitshose bis zur Schlagbohrmaschine. Aktuell kam Werkzeug weg, das gut verschlossen war. Allerdings fanden Ermittler keine Aufbruchspuren – mehrere Betriebe besaßen aber Schlüssel.

Mau sehe es bei der Aufklärung aus, räumt Richter ein. Eher zufällig greife die Polizei Täter auf. „Material oder Werkzeuge besitzen keine Individualnummern. Selbst wenn wir was finden, können wir es dem Besitzer nur schwer zuordnen.“

Von Carlo Eggeling