Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Als Bürgermeister ist Jens Böther auch für das Schloss verantwortlich. Eine Herausforderung, die er gerne annimmt. (Foto: t&w)

Lust und Last des Schlossherren

Bleckede. „Das Gesamtobjekt Schloss?“ Bleckedes Bürgermeister Jens Böther lehnt sich im Stuhl zurück. „Das ist für uns als Gemeinde schon ’ne große Hausnummer.“ Für den symbolischen Betrag von einer Mark hat die Stadt das Gebäudeensemble 2000 vom Landkreis Lüneburg übernommen, betreibt dort seit Jahren mit der Biosphaerium Elbtalaue GmbH das Informationszentrum für das Biosphärenreservat mit Ausstellung, Aquarienlandschaft und Biberanlage. Ein Zuschussgeschäft. Aber eins, das sich lohnt, findet der Bürgermeister.

„Wir haben uns der Verantwortung für diesen historischen Gebäudeschatz gestellt“, sagt Böther. „Wer sonst hätte das tun sollen.“ Umso wütender macht es ihn, wenn ein Mitglied des Stadtrates wie Ulf Meyer (UWB) bei der jüngsten Sitzung aufsteht und aus Kostengründen die Schließung des Biosphaeriums fordert (LZ berichtete). „Dies ist einfach keine Einrichtung, mit der man Geld verdient“, sagt Böther, „es ist eine Umweltbildungseinrichtung, eine Serviceeinrichtung der Stadt auch für die örtliche Wirtschaft.“

Seit Jahren sind Schloss und Biosphaerium immer wieder Thema in der Politik – und immer wieder schlägt die Unabhängige Wählergemeinschaft Bleckede (UWB) in die gleiche Kerbe. Mal mehr, mal weniger provokativ. Die Zahl von 37 000 Besuchern im Jahr, die eine Machbarkeitsstudie zur Erweiterung der Einrichtung um Biberanlage und Aquarienlandschaft prognostiziert hatte, werde nicht erreicht. Die Stadt müsse Geld zuschießen und könne sich die Einrichtung eigentlich nicht leisten.

Schwer in Hamburg wahrgenommen zu werden

Tatsächlich sind mit 20 000 Besuchern auch 2017 die Prognosen wie in den Vorjahren wieder weit verfehlt worden. Warum? „Schwer zu sagen“, gesteht Böther, „das ist nicht monokausal.“ Das Biosphaerium sei marketingmäßig sehr aktiv, habe in Hamburg intensiv geworben, „doch auf dem Markt ist es ‚ne ganz schöne Nummer, dort überhaupt wahrgenommen zu werden.“ Hinzu gekommen sei, dass die Pläne für eine große, mehrere Elb-Landkreise übergreifende Tourismus- und Marketinggesellschaft seinerzeit gescheitert sei. Entstanden ist stattdessen die Flusslandschaft Elbe GmbH, eine Kooperation der Kreise Lüneburg und Harburg. „Für die ist es schon ein mühsames Geschäft, als neue Destination bekannt zu werden“, sagt Böther.

Um die Besucherzahlen zu steigern, sind Stadt und Bio­sphaerium nun im Gespräch mit der Biosphärenreservatsverwaltung. „Es gibt da neue Ansätze.“ Mehr könne er dazu noch nicht sagen. Pläne gibt es darüber hinaus für Veränderungen der in die Jahre gekommenen Ausstellung, ein Raum soll komplett neu gestaltet werden. „Die Ausschreibung dafür läuft“, sagt Böther. Liegen die Ergebnisse vor, werde er sich auf die Suche nach Förderquellen machen. Denn ohne sei das nur schwer zu stemmen.

Für den laufenden Betrieb fließen Zuschüsse von insgesamt 385 000 Euro in das Biosphaerium. 160 000 Euro zahlt das Land Niedersachsen für das Informationszentrum, 170 000 Euro steuert die Stadt Bleckede dazu, 50 000 Euro kommen von der Sparkassenstiftung und 5000 Euro vom Verein Naherholung. Die Einrichtung selbst hat Einnahmen aus Eintrittserlösen, Vermietungen und Verpachtungen, über die Gesamtsumme schweigt die Geschäftsführerin Andrea Schmidt allerdings. Sie nennt nur den Eintritts-Gesamterlös: im Jahr 2016 rund 55 000 Euro. Dagegen standen 2016 Kosten von allein 300 000 Euro für das Personal, 36 000 Euro im Jahr zahlt die Gesellschaft als Pacht an die Stadt.

Einrichtung übernimmt vielfältige Aufgaben

Es ist nur ein unvollständiger Blick in die Zahlen der Bio­sphaerium Elbtalaue GmbH, doch der verrät zumindest so viel: Die finanziellen Möglichkeiten der Gesellschaft sind begrenzt. „Zwischen 16 000 und 25 000 Euro stehen im Jahr für Marketingmaßnahmen zur Verfügung“, sagt Schmidt. Zwischen 10 000 und 15 000 Euro könne sie jährlich aus eigenen Mitteln für Unterhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen aufbringen. Sollen größere Veränderungen realisiert werden, ist auch die Stadt gefragt. Und die ist, das sagt Böther ganz offen, „finanziell nicht auf Rosen gebettet“.

Als die Stadt das Schloss übernahm, war nicht Böther verantwortlich. Trotzdem steht er hinter der Entscheidung – und hinter der Einrichtung. „Das Biosphaerium übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben“, sagt er, „nicht jede bringt Geld ein, trotzdem ist sie wichtig für unsere Stadt.“ Kulturveranstaltungen. Touristinformation und Zimmervermittlung. Umweltbildung für Kinder und Erwachsene. Und aktive Wirtschaftsförderung. „Denn jeder Gast, den das Bio­sphaerium anzieht, lässt Geld in der Stadt“.

Nordflügel wird zur Baustelle

Nach der Übernahme des Schlosses im Jahr 2000 begann die stückweise Sanierung des Gebäudekomplexes, nun steht der dritte und letzte Abschnitt bevor. Für rund 4,5 Millionen Euro wurde zunächst der Westflügel saniert und zum Ausstellungsgebäude umgebaut. 2011 folgten dann Sanierung und Umbau der Remise zu Biberanlage und Elbe-Aquarium für 1,4 Millionen Euro, der Eigenanteil der Stadt lag bei 140 000 Euro. Nun steht die Sanierung des Nordflügels an. Kosten wird das voraussichtlich rund 1,75 Millionen Euro, der Löwenanteil kommt aus der Städtebauförderung, die Stadt selbst ist mit einem Eigenanteil von 400 000 Euro dabei. Wenn es glatt läuft, sind die Arbeiten 2019 beendet. „Dann ist das gesamte Schloss-Ensemble saniert“, sagt Böther.

Von Anna Sprockhoff

2 Kommentare

  1. Volle Unterstützung für Biosphärium und damit Böther.
    Wäre dereinst nicht der Nationalpark gekippt worden, wäre die Region heute eine „überregionale Destination“ und würde Touristenmassen anlocken wie Müritz oder Hainich (kannte vorher auch kaum jemand). Und wer war es doch gleich, der damals gegen den Nationalpark vorging??
    Ansonsten kann ich mich nur wiederholen:
    Wer eine Kultureinrichtung selbsttragend erwartet, ist naiv und kein seriöser Politiker.
    Wer glaubt, Museumleiterin oder auch Tierpfleger in einem Verwaltungsgebäude beschäftigen zu können, ist weltfremd und kein seriöser Politiker.
    Wenn die UWB immer nur gegen alles ist, sollte sie zuerst das abschaffen, was teuer ist und am wenigsten sinnvoll: Nämlich die UWP, die sich ja mit Staatsgeldern am Leben erhält

  2. Wilfried Bergmann

    Also für mich als standortnahen Bürger kann ich nur sagen, ich finde das Biosphärium sehr gut. Ein Nationalpark hätte sicher mehr Maasen angezogen. Warum er damals gescheitert ist, ich weiß es nicht mehr. was ich aber weiß, wenn ich wirklich Natur und Ruhe genießen will, dann setzte ich gen Neuhaus über und genieße dort die Ruhe und absolute Einsamkeit! Dort gibt es sehr viel zu entdecken und zu bestaunen. Unter anderem eine 750 Jahre alte Eiche und Gebiete am Deich der Sude. Einfach einmalig und genial! Besonders auch die vielen Archehöfe und -tiere! Da hat Blöeckede leider schlechte Karten. P. S.: Das Biosphärium besuche aber mindestens einmal im Jahr! Es gibt immer wieder Neues zu entdecken.